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Great Barrier Reef : „Tote Korallen bekommen keine Babys“

Das Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland. Bild: dpa

Die Erholung des Great Barrier Reefs wird wesentlich schwieriger als erwartet. Das haben Wissenschaftler in einer neuen Studie herausgefunden. Doch es gibt noch Hoffnung.

          Die Erholung des weltgrößten Riffs – eine der bekanntesten Attraktion für Touristen in Australien – wird wesentlich schwieriger als bislang erhofft. Führende australische Wissenschaftler warnten am Donnerstag, dass das erwartete Nachwachsen der von Hitzewellen zerstörten Korallen am Great Barrier Reef sehr unwahrscheinlich sei. „Tote Korallen bekommen keine Babys“, sagte Terry Hughes, Direktor am ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies an der australischen James Cook Universität. Hughes ist seit langem ein Kritiker der globalen Kohlepolitik, die zur Erderwärmung beiträgt. Weiten Teilen der Politik in Australien aber fällt es schwer, sich von dem Brennstoff zu verabschieden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Die Zahl neuer Korallen, die sich im Great Barrier Reef niederlassen, ist nach dem noch nie dagewesenen Verlust erwachsener Korallen durch die Hitzewellen 2016 und 2017 um 89 Prozent gesunken“, warnte Hughes. Die Studie des Forschungszentrum wird am heutigen Donnerstag im Magazin Nature veröffentlicht. Aus Sicht ihrer Autoren ist sie die erste, die den Zusammenbruch grundlegender Prozesse in einem Ökosystem der Meere beschreibt.

          Die beiden aufeinanderfolgenden Hitzewellen 2016 und 2017 führten zu einem Absterben von weiten Teilen des riesigen Riffs. Australien war es 2014 gelungen, das Riff als Weltnaturerbe der Unesco unter den Schutz der Vereinten Nationen stellen zu lassen. In den vergangenen Monaten allerdings gab es harte politische Auseinandersetzungen in Australiens Hauptstadt Canberra über die Finanzierung der weiteren Schutzbemühungen – noch wird untersucht, ob die Regierung hohe Aufwendungen an eine Organisation leistete, die ihrem Auftrag möglicherweise nicht gerecht und von der Industrie gefördert wird.

          70.000 Arbeitsplätze

          Seit langem ist das Riff auch dank seiner wirtschaftlichen Bedeutung ein Politikum. Es hat die Fläche Deutschlands und trägt jedes Jahr ungefähr 6,4 Milliarden Australische Dollar (4,05 Milliarden Euro) zur Wirtschaft des fünften Kontinents bei, auch durch fast 70.000 Arbeitsstellen, die an ihm hängen. Die Regierung des Bundesstaates Queensland schätzt, dass über zehn Jahre 16 Milliarden Dollar zum Schutz des Riffs benötigt werden. Bei der letzten Bleiche starben in einigen Teilen des 2300 Kilometer langen Riffs bis zu 90 Prozent der Korallen.

          „Wir rechnen damit, dass sich das Nachwachsen der Korallen in den nächsten fünf bis zehn Jahren schrittweise erhöhen wird, weil die überlebenden Korallen heranwachsen und ihre Fruchtbarkeit erreichen. Allerdings würde dies voraussetzen, dass wir keine weitere Bleiche in den nächsten zehn Jahre erleben werden“, sagte Professor Morgan Pratchett vom ARC. Bislang hat das Great Barrier Riff vier solcher Katastrophen durchschritten: 1998, 2002 und dann die beiden aufeinanderfolgenden 2016 und 2017. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir ein fünftes oder sechstes solches Ereignis über das kommende Jahrzehnt werden vermeiden können“, warnte Pratchett. Die Wissenschaftler seien zuvor davon ausgegangen, das Riff sei zu groß, um zusammenzubrechen. Heute fürchten sie genau das.

          Zuvor hatten Forscher der australischen Universität Queensland erklärt, 90 Prozent der Korallenriffe der Erde würden in den nächsten 35 Jahren verschwinden, weil sich die Korallenbleiche aufgrund der fortgesetzten Erderwärmung fortsetze und die Verschmutzung der Meere zunehme. „Es geht nicht darum, dass hier ein Tiger oder eine einzige Spezies stirbt; es geht um ein Ökosystem mit bis zu einer Million Arten. Wir sprechen nicht nur über Korallen, sondern auch über alle Lebewesen, die von ihnen abhängen – das ist so schockierend an dem, was gerade vor sich geht“, warnte der Meereskundler Ove Hoegh-Guldberg von der Universität Queensland.

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