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Übernahme : Foxconn lässt Sharp warten

Schwere Zeiten für Sharp: Hier ein Werk nördlich von Tokio Bild: Reuters

Es schien alles klar zu sein: Der Sharp-Vorstand akzeptierte einstimmig das Übernahmeangebot von Foxconn. Doch Foxconn will nun erst neue Informationen prüfen, bevor es der Vereinbarung endgültig zustimmt.

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          Das verlustträchtige japanische Elektronikunternehmen Sharp hat am Donnerstag das Kaufangebot der taiwanischen Hon Hai Precision Industry (Foxconn) angenommen. Doch Hon Hai schob die Vertragseinigung hinaus. In einer überraschenden Wendung teilte das Unternehmen am Abend Ortszeit mit, man müsse zuvor materielle Informationen prüfen, die Sharp erst am Mittwoch unterbreitet habe. Dabei soll es um eine Liste möglicher Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe gehen. Wegen der absehbaren Kapitalverdünnung brach der Aktienkurs von Sharp zeitweise um 21 Prozent ein und lag am Handelsschluss 14 Prozent im Minus bei 149 Yen, einem Neun-Monatstief.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit der einstimmigen Zustimmung des Vorstands von Sharp zu der Übernahme durch Foxconn schien zuvor eigentlich alles perfekt zu sein. Das 103 Jahre alte Traditionsunternehmen Sharp veröffentlichte die Einigung mit Hon Hai, das besser unter dem Namen Foxconn bekannt ist. Danach wird Hon Hai zusammen mit anderen Gesellschaften der Foxconn-Gruppe für 489 Milliarden Yen (3,9 Milliarden Euro) neue Aktien von Sharp kaufen. Der Kaufpreis von 118 Yen je Aktie ist 32 Prozent niedriger als der Schlusskurs vom Mittwoch. Hon Hai erhält so eine Mehrheit von 66 Prozent. Hon Hai sichert zudem zu, den beiden Hauptgläubigern Sharps, den Großbanken Mizuho und Mitsubishi UFJ, die Hälfte ihrer Vorzugsaktien für insgesamt 100 Milliarden Yen abzukaufen. Zusammen mit andern Zahlungen addiert sich Hon Hais Offerte auf etwa 660 Milliarden Yen (5,3 Milliarden Euro). Dabei leisten die Taiwaner ein Deposit von 100 Milliarden Yen als Entschädigung, sollte die Übernahme noch platzen.

          Die Übernahme hat für Japan große Bedeutung, übernimmt doch zum ersten Mal ein ausländisches Unternehmen die Mehrheit an einem der großen Elektrounternehmen des Landes. Üblicherweise wurden solche Versuche früher durch das Industrieministerium abgeblockt, um nationale Champions zu bauen. Sharp entschied sich aber gegen ein konkurrierendes Angebot des vom japanischen Staat gestützten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ), das finanziell weniger attraktiv war und eine teilweise Zerlegung Sharps bedeutet hätte. Vor allem hätten die beiden Hauptgläubiger Mizuho und Mitsubishi UFJ, die Sharp in den vergangenen Jahren schon zwei Mal herausgepaukt hatten, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen. Der Fonds betonte, nur durch seine Offerte werde wertvolles technisches Wissen Sharps für Japan gerettet. Doch das mangelnde Interesse anderer japanischer Unternehmen, Sharp zu übernehmen, lässt diese Argumentation zweifelhaft erscheinen.

          Schon seit Jahren wird die Zusammenarbeit geplant

          Der Bieterwettkampf zwischen Hon Hai und dem staatsnahen Fonds galt als Symbol für die wirtschaftliche Offenheit Japans unter der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe. Sharp lässt sich gemäß der Vereinbarung zusichern, als eigenständige Einheit und Marke weitergeführt zu werden. Die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

          Die Fusion hat Weiterungen weit über die Region hinaus. Hon Hai ist der größte Auftragsproduzent für das amerikanische Elektronikunternehmen Apple und schraubt die meisten iPhones zusammen. Sharp gehört zu den größten Herstellern von LCD-Bildschirmen für Handys und Tablett-Computer, aber auch für Fernseher. Terry Gou, der Vorsitzende von Foxconn, kommt mit der Übernahme seinem Ziel ein großes Stück näher, sein Unternehmen von der Auftragsproduktion bis zur Herstellung elektronischer Bauteile breiter aufzustellen. Sein Interesse an Sharp scheint vor allem darin zu bestehen, Kunden wie Apple künftig auch Bildschirme anbieten zu können, die eine gute Gewinnmarge bringen.

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