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Foto-Pionier : Kodak stellt Insolvenzantrag

  • Aktualisiert am

Fotopionier Kodak hat den Anschluss verpasst Bild: dapd

Erwartet worden war der Schritt schon lange, nun ist es soweit: Der Foto-Pionier Kodak hat Insolvenz angemeldet. Die Erfindung des Fotofilms hatte den Konzern einst reich gemacht, den Wechsel zur Digitalfotografie hatte er indes zu lange verschlafen.

          Die digitale Revolution in der Fotografie droht das Branchen-Urgestein Kodak hinwegzufegen. Die gut 130 Jahre alte Traditionsfirma hat am Donnerstag nach einem langen Überlebenskampf Insolvenz in den USA beantragt. Das Management will den Neustart wagen, doch es ist unklar, ob das Unterfangen letztlich gelingt. Auch mehrere hundert Mitarbeiter in Deutschland müssen bangen. Die Insolvenz sei ein „notwendiger Schritt“, um wieder auf die Beine zu kommen, erklärte Konzernchef Antonio Perez.

          Das Geschäft soll derweil weiterlaufen. In den Vereinigten Staaten ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Unternehmen für ihre Sanierung in ein Insolvenzverfahren nach dem sogenannten „Chapter Eleven“ (Abschnitt 11 des Insolvenzgesetzes) flüchten. Das schützt vor Forderungen der Gläubiger und gibt den Firmen damit Zeit, sich neu zu sortieren.

          Folgen für Mitarbeiter in Deutschland noch unklar

          Die deutschen Gesellschaften sind nicht Teil des amerikanischen Insolvenzverfahrens. Die Mitarbeiter machten sich jedoch Sorgen, sagte Betriebsratschef Wolfgang Eisele am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Kodak ist seit 1896 über Tochterfirmen hierzulande aktiv. Aktuell gibt es in Deutschland noch etwas über 1000 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Stuttgart mit etwa 380 Stellen. Zu Spitzenzeiten hatten hier einmal 4500 Menschen Diaprojektoren, Kameras und Kopierer hergestellt.

          Die Konzernergebnisse im Überblick

          Eastman Kodak, wie das Unternehmen vollständig heißt, hatte die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern hatte der US-Konzern jedoch massive Schwierigkeiten. Ähnlich erging es dem kleineren Rivalen AgfaPhoto. Ende 2005 waren am Traditionsstandort Leverkusen nach rund 140 Jahren die Lichter ausgegangen. Mehr als 1000 Beschäftigte verloren damals ihren Arbeitsplatz. Der Name lebt indes weiter und wird von einer Holding an Fremdfirmen lizenziert. Selbst Agfa-Kleinbildfilme gibt es bis heute zu kaufen.

          Kodaks Insolvenz ist jedoch eine ganze Nummer größer. Den Vermögenswerten von 5,1 Milliarden Dollar (3,9 Mrd Euro) stehen Schulden von 6,8 Milliarden Dollar gegenüber. Damit Kodak weitermachen kann, stellt die Großbank Citigroup nun fast eine Milliarde Dollar zu Verfügung. Die Finanzierung muss allerdings noch vom Insolvenzrichter gebilligt werden, der das letzte Wort hat.

          Kodak bereitet sich auf ein längeres Schattendasein vor: Der Umbau des amerikanischen Geschäfts solle erst 2013 abgeschlossen werden, erklärte die Firma. Konzernchef Perez will Kodak als Druckerspezialisten neu erfinden. Doch der Wandel geht nur schleichend voran und führte immer wieder zu Verlusten. Seit 2003 wurden bereits 47.000 Arbeitsplätze gestrichen und 13 Fabriken dichtgemacht. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt weltweit noch rund 17.000 Mitarbeiter.

          Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war auch an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt. Allerdings verlor das Unternehmen hier schnell den Anschluss an Konkurrenten aus Asien. Der Siegeszug der Digitalfotografie warf schließlich das angestammte Kodak-Geschäft komplett durcheinander. Tragende Säulen wie der Fotofilm brachen praktisch komplett weg. Versuche, in neue Geschäftsbereiche wie Pharma zu gehen, schlugen fehl.

          Hoffnungen ruhen auf den Patenten

          Kodak hält jedoch noch diverse grundlegende Patente für die Digitalfotografie, die in so ziemlich allen Geräten von der Spiegelreflexkamera bis hin zum Handy zum Einsatz kommen. Das Management sieht darin den Schatz von Kodak und will rund 1100 Patente zu Geld machen. Der Verkauf stockt jedoch seit Monaten - auch weil mögliche Käufer Ärger wegen einer späteren Kodak-Insolvenz fürchteten. Jetzt könnten die Patente im Zuge des Insolvenzverfahrens womöglich leichter den Besitzer wechseln. Damit käme dringend benötigtes Bares herein.

          Über eine Kodak-Insolvenz war seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen. Das Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte.

          Der Hauptsitz von Kodak in Rochester

          Der Kurs der Kodak-Aktie war nach den Insolvenzgerüchten dahingeschmolzen. Die New Yorker Börse drohte bereits, das Papier aus dem Handel zu verbannen, weil der Kurs dauerhaft unter einem Dollar fest hing. Während die Aktie noch in den 90er Jahren mehr als 90 Dollar kostete, notiert sie seit Wochen bei 50 Cent. Am Donnerstag stürzte das Papier vorbörslich auf 39 Cent ab.

          In den vergangenen Tagen hatte Kodak mit einer Serie von Patentklagen für Schlagzeilen gesorgt. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Die Klage gegen Samsung feuerte Kodak nur wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag ab. Nach Einschätzung von Experten versucht Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.

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