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Forschungstandort Deutschland : Akademiker gehen ins Ausland - und kommen wieder

  • -Aktualisiert am

Das Stata-Center des Massachusetts Institute of Technology - hier sitzt der Infomatik-Bereich. Bill Gates ist Mitgründer Bild: Wikipedia/Finlay McWalter

Junge Forscher sollen Erfahrungen im Ausland sammeln - die Politik will sie allerdings nicht aus den Augen verlieren. Denn der Nachwuchs soll nach einiger Zeit in der Heimat weiterforschen. Den deutschen Unis fehlt es aber an Strahlkraft.

          Kristian Kersting ist ein Heimkehrer. Seit 2008 arbeitet der promovierte Informatiker wieder in Deutschland. Dabei hätte er auch in Boston bleiben können, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) – was aus der Sicht vieler Informatiker dem Himmel ziemlich nahe kommt. „Es war ein Traum“, sagt Kersting über sein Jahr als Post-Doc, also Nachwuchswissenschaftler, in Amerika. „Aber mein eigener Herr zu sein fand ich noch toller.“

          Sein eigener Herr ist er nun in einer Forschungsgruppe des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme bei Bonn. Maschinelles Lernen ist sein Thema: wie können Computer aus Erfahrungen heraus ihr Verhalten verbessern. Seine Gruppe konnte er selbst zusammenstellen. Über das Attract-Programm der Fraunhofer-Gesellschaft stehen ihm fünf Jahre lang jährlich 500.000 Euro zur Verfügung.

          Natürlich spielte es auch eine Rolle, dass seine Frau noch in Deutschland war, als er über eine Rückkehr nachdachte. Und Kersting schließt auch nicht aus, wieder ins Ausland zu gehen. Für seinen Fachbereich aber ist er mit den Standortbedingungen in Deutschland zufrieden. Er weiß, dass eine Wissenschaftskarriere überall schwer zu planen ist. Auch in Amerika sei es schwierig, Forschungsmittel zu bekommen. Allerdings, sagt er, werde dem Nachwuchs dort mehr Vertrauen entgegengebracht. In Deutschland müsse man sich dagegen immer wieder aufs Neue beweisen. „Meine einzige Sicherheit ist, dass ich gut bin“, sagt Kersting. Beunruhigt hört er sich aber nicht an.

          Das Jura-Gebäude der Harvard University in Cambridge, Massachusetts

          Talente sollen im Ausland Erfahrungen sammeln

          Für Thomas Rachel ist ein Wissenschaftler wie Kersting der beste Beweis dafür, dass Deutschland keinen „Brain Drain“ erleidet – also im großen Umfang und auf Nimmerwiedersehen Talente ins Ausland verliert. Stattdessen erlebe Deutschland eine Internationalisierung von Bildung und Forschung, sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. „Brain Circulation“, einen Kreislauf von Wissenschaft und Wissenschaftlern, nennt er das. „Davon lebt die deutsche Wissenschaft.“ Sie ermutigten die Studenten und Nachwuchswissenschaftler, ins Ausland zu gehen, fügt der CDU-Politiker hinzu. So lernten sie andere Wissenschaftskulturen kennen.

          Aus den Augen verlieren will die Politik die Talente dennoch nicht. Seit zehn Jahren gibt es deshalb zum Beispiel die vom Forschungsministerium finanzierte Initiative „Gain“, ein Netzwerk für deutsche Forscher in Amerika. Einmal im Jahr findet dort eine Konferenz statt, auf der die Wissenschaftler erfahren, was sich in der deutschen Forschungslandschaft tut, wie die Bedingungen sind und welche Unternehmen interessante Angebote machen können. An diesem Wochenende treffen sich die Netzwerkteilnehmer in Boston.

          Die meisten kehren nach einem Jahr zurück

          Vor einigen Jahren hätten deutsche Auslandswissenschaftler vor allem die Sorge gehabt, eine Stelle in Deutschland zu finden, sagt Rachel. Doch auch durch die milliardenschwere Exzellenzinitiative habe sich in dieser Hinsicht viel verändert. „Die Nachwuchswissenschaftler haben erheblich profitiert.“ Etwa 6.000 deutsche Wissenschaftler, die öffentlich gefördert werden, arbeiten nach seinen Angaben derzeit im Ausland, mehr als ein Viertel davon in Amerika. Hinzu kommen jene, die kein Stipendium haben und nicht in der Statistik auftauchen. Vier von fünf Nachwuchswissenschaftlern blieben nur ein Jahr, dann kehrten sie zurück.

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