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Forschungstandort Deutschland : Akademiker gehen ins Ausland - und kommen wieder

  • -Aktualisiert am

Ob Deutschland für Wissenschaftler interessant ist, hängt nach Rachels Meinung auch davon ab, wie international der Forschungsstandort ist. Auf der ganzen Welt seien etwa drei Millionen Studenten an einer Hochschule außerhalb ihres Heimatlandes immatrikuliert. Nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien liege Deutschland auf Rand drei unter den Gastländern.

Immer mehr ausländische Studenten kommen nach Deutschland

240.000 ausländische Studenten waren 2009 an einer deutschen Universität oder Fachhochschule eingeschrieben; 6.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die meisten kamen aus China und Osteuropa. Studienanfänger aus dem Ausland gab es 2008 rund 70.000, ein Plus von 10 Prozent. Auch sie kamen vor allem aus China, gefolgt von der Türkei, Frankreich, Polen, Russland und Amerika. „Wir sind attraktiver geworden“, sagte Rachel, inzwischen komme jeder fünfte Doktorand aus dem Ausland. „In den vergangenen vier bis fünf Jahren ist Musik in die Sache gekommen.“

Kritiker bemängeln jedoch, dass nicht die Besten kämen, sondern jene, die vom kostenlosen Studium angezogen würden. Rachel verneint das. Auch die sehr gut qualifizierten Studenten und Nachwuchswissenschaftler kämen – dank der Förderprogramme, etwa des Deutschen Akademischen Austausch Diensts oder der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. „Die Internationalisierung ist ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels“, sagt Rachel.

Amerikas Universitäten haben eine große Anziehungskraft

Informatiker Kersting wünscht sich, dass Deutschland mehr Werbung für Netzwerke wie Gain machte und sich noch mehr um seine Auslandsforscher kümmerte. Auch der Austausch innerhalb der Wissenschaftsgemeinde sei in Amerika intensiver, sagt er. Benjamin Schäffner sieht ebenfalls ein Imageproblem. Der promovierte Chemiker arbeitet derzeit als Post-Doc an der Universität Stanford, wo er nach neuen Reaktionen für organische Synthesebausteine sucht. Ein Jahr ist er schon in Kalifornien, eins will er noch bleiben und dann zurückkehren.

In der Chemie habe Deutschland in den vergangenen Jahren stark aufgeholt, sagt Schäffner. „Aber die Universitäten leuchten nicht so sehr nach außen wie die in Amerika. Deshalb ziehen sie die internationale Exzellenz weniger an.“ Dabei müssten sich die deutschen Hochschulen mit ihrer Ausstattung und Infrastruktur nicht vor den amerikanischen verstecken, nicht einmal vor den großen Namen, findet er.

In Deutschland bekomme man zudem sehr einfach ein Stipendium für eine Post-Doc-Stelle im Ausland. Er selbst ist bei der Humboldt-Stiftung untergekommen. In Amerika dagegen suchten viele jahrelang eine solche Stelle. Außerdem gebe es in Deutschland sehr gute „Heimkehrerprogramme“, um sich erst einmal ein Jahr lang zu orientieren. Der Neunundzwanzigjährigen betont auch noch, dass Deutschland, anders als etwa Amerika, auch bei den Universitäten der zweiten Reihe ein sehr gutes Niveau habe.

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