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Forschung : Pharmastandort Deutschland ist Mittelmaß

  • Aktualisiert am

Standort Deutschland nur Mittelmaß Bild: dpa

Die Pharmaforschung, einst Stolz der deutschen Industrie, ist ins Mittelmaß abgerutscht. Dennoch, die Branche ist therapiefähig.

          2 Min.

          Es gibt zwei Nachrichten aus dem der Bereich pharmazeutischen Industrie, eine gute und eine schlechte. Zuerst die schlechte: Die deutsche Pharmaindustrie hat ihren Platz unter den führenden Forschungs- und Entwicklungsstandorten verloren und zählt nur noch zum Mittelfeld. Dann die gute: Der Patient Pharmaindustrie ist therapiefähig.

          So jedenfalls das Ergebnis einer Studie zum Thema "Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Standort für Arzneimittelforschung und -entwicklung", durchgeführt von der Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA).

          "Deutschland ist weltweit der drittgrößte Markt für die pharmazeutische Industrie, aber nur noch wenige pharmazeutische Unternehmen betreiben einen Forschungsstandort in Deutschland", erläuterte Michael Steiner von BCG. Von den 130 Forschungsstandorten der 30 umsatzstärksten globalen pharmazeutischen Unternehmen befinden sich nur zehn in Deutschland.

          Mehr Grundlagenforschung

          Um den Anschluss im internationalen Innovations-Wettbewerb nicht zu verlieren, fordert der VFA die gezielte Aufstockung der Förderung der Grundlagenforschung, damit sich rund um die akademischen Forschungszentren wieder vermehrt Unternehmen für eine Ansiedlung interessieren. Nach Erhebungen von BCG ist die Forschungsförderung im biomedizinischen Bereich in Deutschland zu niedrig. Sie müsste um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr erhöht werden, um zu den führenden USA aufschließen zu können, so die Studie. BCG-Partner Steffen Elbert ist der Ansicht: "Von der hohen Effizienz der Forschung in den Vereinigten Staaten lässt sich außerdem ableiten, dass die Fördermittel stärker leistungsorientiert vergeben und auf Großprojekte konzentriert werden müssen."

          Nebeneinander von Akademie und Industrie

          Die Analysen zeigen, dass pharmazeutische Unternehmen bei der Auswahl ihrer Forschungsstandorte zunehmend die räumliche Nähe zu herausragenden akademischen Forschungseinrichtungen in so genannten Denker-Clustern suchen. Dieses Nebeneinander von Industrie und akademischer Forschung ermöglicht den wichtigen Austausch von Wissen und Mitarbeitern.

          Überdurchschnittliche Forschung entwickelt sich jedoch nur dort, wo auch die finanzielle Förderung optimal ist. Dies, so die Studie, sei in Deutschland nicht der Fall: Die öffentlichen Fördermittel, die Deutschland jährlich für biomedizinische Wissenschaften bereitstellt, sind mit 46 Euro pro Einwohner im internationalen Vergleich zu gering. Pro Einwohner stehen beispielsweise in den USA mit über 64 Euro pro Einwohner rund 40 Prozent mehr öffentliche Forschungsmittel zur Verfügung.

          Bremsklotz Zulassung

          Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das für die Zulassung neuer Arzneimittel zuständig ist, schneidet im internationalen Vergleich enttäuschend ab. Die sei unter anderem auch auf den Umzug von Berlin nach Bonn zurückzuführen. Aber auch diese Tatsache entschuldige nicht, dass das BfArM in den Jahren 1995 bis 2000 im gegenseitigen Anerkennungsverfahren (als sogenannter "Reference Member State") noch nicht einmal halb so viel Anträge wie die britische Zulassungsbehörde (MCA) bearbeitet hat.

          Diese Diagnose ist für den Standort Deutschland insgesamt ernüchternd. Doch halten die Verfasser der Studie den Patienten Pharmaindustrie durchaus für therapiefähig, wenn Wissenschaft, Industrie und Politik an einem Strang zögen und sich den Forderungen einer erfolgreichen Pharmaforschung stellen würden.

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