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Präsentationen : Der Powerpoint-Irrsinn

Die ppt-Schwächen sind also hinlänglich bekannt, trotzdem rührt sich kein Widerstand in Unternehmen oder Hörsälen, ganz im Gegenteil. An den Universitäten fordern die Studenten Powerpoint regelrecht ein. „Die sind ganz heiß auf die Foliensätze“, erzählt Wecker von der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Da sparen sie sich das Mitschreiben, haben schwarz auf weiß, was sie für ihre Klausuren lernen müssen. Und wehe, der Dozent hält sich nicht daran, fragt Themen ab, die er zwar ausführlich, aber nur mündlich, ohne Folie, behandelt hat. Dann jammern die Studenten, das wäre ja gar nicht vorgekommen in der Vorlesung. „Ihr Argument: Was wichtig ist, steht auf den Folien! Viele Professoren haben dem Druck nachgegeben und erklären zu Semesterbeginn: Es gilt ausschließlich das geschriebene Wort – also die Folie.

Das bekommt bereits der Buchhandel zu spüren. Traditionelle Universitätsbuchhandlungen stellen ihr Sortiment um von Fachliteratur auf Belletristik, weil die Studenten keine Standardwerke mehr kaufen, ihnen reichen die Folien-Sätze. Kein Wunder, dass der Powerpoint-Wahn sich so in alle Ritzen der Gesellschaft frisst. Im Fußball-Club ist der Jugendtrainer gehalten, seine taktischen Vorstellungen powerpointmäßig aufzuarbeiten. Die Konfirmanden erwarten vom Pfarrer die Beherrschung desselben in ihrem Unterricht.

Nun ist nicht jeder Trainer oder Feuerwehrmann, auch nicht jeder Manager ein begnadeter Redner. Drei Viertel der Menschen hassen öffentliche Auftritte, „Glossophobie“ nennt sich diese Panik. Und da ist nichts leichter, als sich hinter einem Haufen Folien zu verstecken in dem Glauben: Da kann nichts schiefgehen, muss man ja nur ablesen.

Doch da geht was schief. Schon der Ansatz ist falsch. Folien bringen dem Zuhörer nichts, wenn der Redner sie als Spickzettel missbraucht. Sie sollen, wenn überhaupt, die Rede ergänzen: Wenn ein Mediziner eine spezielle Gewebeprobe zeigt, ein Architekt seinen Entwurf für den Rathaus-Neubau einblendet, mag das sinnvoll sein. Alles andere ist ein Zeichen von Unsicherheit. Schon Apple-Gründer Steve Jobs wusste: „Menschen, die wissen, worüber sie reden, brauchen kein Powerpoint.“ Auch Amazon-Chef Jeff Bezos hat Powerpoint-Präsentationen generell in seiner Firma verboten. Und es lässt sich beileibe nicht sagen, dass der Mann etwas gegen den technischen Fortschritt hätte.

Trendsportart Powerpoint-Karaoke

Ohne Folien fallen viele Vorträge in sich zusammen wie ein Soufflé, reihen sich doch nur Allgemeinplätze aneinander: Von Corporate Identity ist da viel zu lesen, von Agendasetting und Problemlösungen, von Evaluation, Qualitätssicherung, Potential, Performance und Exzellenz. Überall warten Herausforderungen, inputs und outputs werden angeführt, upsides und downsides: alles „Bullshit Bingo“, so der Fachbegriff für die beliebige Aneinanderreihung von Managerfloskeln.

Daraus hat sich ein neuer Trendsport entwickelt: Powerpoint-Karaoke – eine bundesweite Bewegung, in jeder Stadt treffen sich Leute in Kneipen und Cafés dazu, beliebt ist das Spiel auch für Familien- und Firmenfeiern. Man sucht im Internet verschiedene Präsentationen erlesener Quatsch-Güte zusammen, dann darf jeder Teilnehmer fünf Minuten zu einem Thema schwadronieren, von dem er gerade mal den Titel kennt: die „kleine Geschichte des Kieferholzmöbels“ zum Beispiel, „PE-Beratung – Quo vadis“ oder „Die ATR-Systemik inverser Plasmen“. Der lustigste, kreativste Beitrag gewinnt.

In einem namhaften Autokonzern, nicht für Albernheiten bekannt, haben Angestellte neulich ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden einen Abend Powerpoint-Karaoke geschenkt. Der Manager musste aus dem Stegreif zu übelsten Folien hochtrabende Vorträge halten. Der Mann, offenbar mit Selbstironie gesegnet, hat die Prüfung bestanden, die Stimmung war bestens. Ganz anders vermutlich als in den Original-Vorträgen.

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