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Kommentar : Dürre Argumente der Bauern

  • -Aktualisiert am

Die Bauern rufen nach Milliarden vom Staat, weil die Natur nicht will, wie sie wollen. Dabei ist es ihre Kernaufgabe, sich gegen Wetterschwankungen zu wappnen.

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          Das Wetter ist Teil des üblichen bäuerlichen Geschäftsrisikos. Im vergangenen Jahr hatten die Obstbauern mit starken Frostschäden zu kämpfen. In diesem Jahr zeichnet sich wegen der langen Trockenheit und ungewöhnlich hoher Temperaturen in Deutschland vielerorts eine schlechte Getreideernte ab; auch Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben tut der Hitzesommer nicht gut. Des einen Freud, des anderen Leid: Die Winzer beginnen früher mit der Weinlese und sind in puncto Qualität zuversichtlich.

          Wann immer die Natur nicht will, wie die Landwirtschaft hofft, kommt bald der Staat ins Spiel. Kein Wunder, schließlich sitzen an den Kabinettstischen in Bund und Land genügend Agrarminister, um auf das Wohlergehen der Bauern zu achten. Einen so direkten Draht hat keine andere Branche. Wenn Bauernpräsident Rukwied daher jetzt schon eine Milliarde Euro für „wünschenswert“ hält, um besonders hart getroffene Bauern für die Ernteausfälle zu entschädigen, lässt das politische Echo nicht auf sich warten.

          Markt reagiert sowieso mit höheren Preisen

          An diesem Dienstag beraten Vertreter der im Regelfall zuständigen Länder mit dem Bund, der erst bei einem „nationalen Notstand“ ins Spiel kommt. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat versprochen, die „Sorgen um die Existenz“ ernst zu nehmen. Klugerweise hat sich die CDU-Politikerin aber Zeit auserbeten, bis die Schadensbilanz Ende August detailliert vorliegt.

          Damit darf der Steuerzahler, dem ohnehin einiges zum Erhalt bäuerlicher Existenzen abverlangt wird, wenigstens noch hoffen, diesmal außen vor zu bleiben. Das wäre wünschenswert, denn die Agrarlobby hat dürre Argumente für weitere Staatshilfen. So reagiert der Markt auf witterungsbedingte Knappheiten oft mit höheren Preisen und gleicht Einbußen aus. Auch ist es Kernaufgabe jeden Landwirts, seinen Betrieb gegen Wetterschwankungen zu wappnen.

          Es ist seine Sache, das Risiko auf verschiedene Standbeine (etwa Ökostrom oder Tourismus) zu verteilen, Pflanzen entsprechend auszuwählen und zu mischen, Kapitalreserven zu bilden oder sich zu versichern. Doch gerade am Aufbau von Versicherungsschutz scheint der Bauernverband wenig interessiert. Offenbar ist es einfacher, für die Wetterlaunen öffentliche Hilfen zu mobilisieren. Fließt statt Regen aber immer wieder Steuergeld, mindert das den Anreiz des Bauern, seine Risiken selbst in den Griff zu bekommen.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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