https://www.faz.net/-gqe-8d5hd

Automobilmarkt : Ford setzt auf urbane Sportlichkeit – und spart dabei

Ehrgeiziges Ziel: Ford will den Verkauf der SUV-Modelle um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ankurbeln. Bild: AP

Der Autohersteller will in Europa dauerhaft Gewinn machen. Dafür sollen viele neue Modelle sorgen – und weitere Mitarbeiter gehen.

          Der amerikanische Autohersteller Ford will die Rückkehr seines europäischen Geschäfts zurück zum Gewinn nicht zu einer Eintagsfliege werden lassen. Deshalb wird ein neues Sparprogramm aufgelegt, aber auch eine Modelloffensive angekündigt. Dabei geht es vor allem um sportliche Modelle, Sport Utility Vehicles (SUV), also Geländewagen für die Stadt, und sogenannte Crossover-Fahrzeuge, die verschiedene Karosserievarianten miteinander kombinieren. Ford geht davon aus, im laufenden Jahr mehr als 200.000 SUV-Modelle verkaufen zu können, gegenüber dem Vorjahr entspräche dies einer Steigerung um 30 Prozent.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Schon im laufenden Jahr sollen sieben neue oder aufgefrischte Modelle auf den Markt kommen, darunter die SUVs Kuga und Edge sowie der sportliche Focus RS. Langfristig, also in mehr als fünf Jahren, soll die Vorsteuerrendite auch mit Hilfe dieser und weiterer neuer Fahrzeuge im laufenden Geschäft wieder 6 bis 8 Prozent betragen. Das ist ehrgeizig, denn in der vergangenen halben Dekade hat Ford in Europa nur Verlust gemacht. Erst für das Jahr 2015 wurde wieder ein Gewinn von 259 Millionen Dollar ausgewiesen, was Branchenbeobachter bei der Vorlage der Zahlen in der vergangenen Woche obendrein noch überrascht hat.

          Profit zur Normalität

          Überraschungen, vor allem negative, will Ford künftig aber vermeiden – und Profite wieder zur Normalität werden lassen. Deshalb sollen die Kosten in Verwaltung und Vertrieb Jahr für Jahr um 200 Millionen Dollar gesenkt werden, die Maßnahmen dazu sollen trotz der Langfristigkeit der Sparziele sofort umgesetzt werden. Das Personal soll in diesen Bereichen durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm verringert werden.

          Ford-Europa-Chef Jim Farley sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, er rechne damit, dass Hunderte Beschäftigte das Angebot annehmen werden. Eine konkrete Zahl nannte er mit Verweis auf die Freiwilligkeit des Abfindungsprogramms nicht. „Wir schaffen ein weitaus schlankeres und effizienteres Unternehmen, das in der Lage ist, solide Renditen zu liefern, um künftige Investitionen verdienen zu können.“

          Steigenden Ansprüchen treu bleiben

          Stehen zunächst sportliche Modelle und Autos im Vordergrund der aufgefrischten Modellpalette, die eher einen muskulösen Auftritt haben, soll es bei den künftigen Investitionen unter anderem um Hybrid-Fahrzeuge und reine Elektroautos gehen, die bis 2020 auf den Markt kommen sollen. Kurzfristig rechnet Farley aber mit einer ungebremsten Nachfrage nach sportlichen Modellen mit klassischer Verbrennungstechnik und pocht darauf, dass die SUV- und Crossover-Modelle wegen entsprechend moderner Motoren keine Umweltsünder mehr sind.

          Neue und aufgefrischte Modelle wie beim Ford Kuga sollen kommen.

          Zudem soll die Premium-Ausstattungslinie Vignale erweitert werden. Bis zum Jahr 2017 sollen mindestens fünf Fahrzeuge mit dieser Modellbezeichnung mit einer höheren Ausstattung auf die Straßen kommen. „Uns geht es dabei weniger darum, Kunden von Audi oder BMW zu gewinnen“, sagt Farley. Vielmehr helfe die Ausstattungslinie gemeinsam mit den neuen Modellen und dem immer höheren Allradanteil vor allem langjährigen Ford-Kunden, der Marke auch mit steigenden Ansprüchen treu zu bleiben.

          Die höherpreisigen Modelle wiederum haben bei Ford entsprechend positive Auswirkungen auf die Marge. Verbunden werden soll das Programm mit dem Aufbau stark verbesserter Händlerbetriebe: In den großen Städten Europas sollen rund 500 neue „Flagship Store“-Händlerbetriebe aufgebaut werden. In Deutschland werden nach Angaben von Farley 110 dieser neuen Betriebe entstehen, 38 Standorte sind schon entsprechend umgerüstet worden. Die durchschnittliche Anfahrtszeit zu diesen Händlerbetrieben solle für die Kunden bei einer halben Stunde liegen.

          Eher ein Nachzügler

          Wer sein Auto einmal gekauft hat, wird wiederum Teil einer neuen Kundenplattform mit dem Namen „Ford Pass“, die den Fahrern diverse Dienstleistungen über das Internet anbieten wird, angefangen beim Reservieren und Vorabbezahlen von Parkplätzen bis hin zur Planung von Werkstattaufenthalten oder größeren und kleineren Reisen. Die Basisdienstleistung wird nach den Worten von Farley kostenlos sein, weitere, dann kostenpflichtige Angebote sollen aber hinzukommen.

          Ford-Europa-Chef Jim Farley setzt auf ein schlankeres und effizienteres Unternehmen.

          Ford ist hier allerdings eher ein Nachzügler. BMW bietet einen entsprechenden Concierge-Service schon länger an. Und auch der direkte amerikanische Ford-Wettbewerber General Motors hat mit seiner europäischen Marke Opel und seinem „On Star“-Dienst auf diesem Gebiet schon entsprechend vorgelegt. Ford kann sich allerdings damit trösten, dass GM in der Profitabilität auf dem europäischen Markt Ford noch immer deutlich hinterherhinkt.

          Ford hatte seit 2013 drei Werke in Europa geschlossen, zwei Werke in Großbritannien und eines in Belgien, und sich in Deutschland mit den Gewerkschaften auf Einsparungen geeinigt.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max wieder fliegen dürfen. Unter den Forderern ist auch Chesley "Sully" Sullenberger, der mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte schrieb.

          Topmeldungen

          Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

          Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.