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Wirecard-Leerverkäufer : Hedgefondsmanager Odey tritt nach Belästigungsvorwürfen zurück

Crispin Odey und seine Frau Nichola Pease verlassen das britische Gericht im September. Bild: Reuters

Crispin Odey tritt vom Führungsposten seiner Gesellschaft zurück. Ihm wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin sexuell belästigt zu haben. Odey zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fondsmanagern Großbritanniens.

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          Der bekannte britische Hedgefondsmanager Crispin Odey, der mit Wirecard-Leerverkäufen einen dreistelligen Millionenbetrag verdient hat, tritt vom Chefposten seiner Gesellschaft Odey Asset Management zurück. Diesen Sommer waren Vorwürfe der sexuellen Belästigung aufgekommen. Der angebliche Vorfall soll sich 1998 in einer seiner Wohnungen im Londoner Stadtteil Chelsea zugetragen haben. Eine Frau, damals Mitarbeiterin einer Investmentbank, behauptet, Odey habe sich in einem Morgenmantel „auf sie geworfen“, so die Anklageschrift des Staatsanwalts. Der heute 61 Jahre alte Fondsmanager hat die Vorwürfe im September in einer Anhörung vor Gericht vehement bestritten. Seine Ehefrau begleitete ihn zu dem Gerichtstermin.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Odey zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fondsmanagern Großbritanniens. Odey Asset Management hatte er nach einem Geschichte-Studium in Oxford vor knapp drei Jahrzehnten gegründet, Startkapital kam damals auch von George Soros. Sein Vermögen gemeinsam mit seiner Ehefrau Nichola Paese wird in der jüngsten „Sunday Times“-Reichenliste auf 825 Millionen Pfund (mehr als 900 Millionen Euro) geschätzt. Odey ist auch als Brexit-Unterstützter und Großspender der Konservativen Partei hervorgetreten. Zuweilen hat er mit exzentrischen Extravaganzen von sich reden gemacht, etwa mit dem Bau eines Hühnerstalls im Stil eines venezianischen Palasts für 120.000 Pfund in seinem Landsitz.

          Viele seiner finanziellen Wetten gingen auf, zum Beispiel, dass Menschen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mehr Versicherungen kaufen würden. 2008 setzte er früh auf fallende Bank-Aktien. Richtig war auch, dass er zur Zeit des Brexit-Votums auf Gold und ein fallendes Pfund setzte, doch letztlich verlor sein European Fonds 2016 stark. Viel Geld – angeblich mehr als 200 Millionen Euro – hat Odey 2019 mit Leerverkäufen von Wirecard-Aktien gemacht. Schon früh war er überzeugt, dass hinter Wirecard ein großer Betrug stecke. Dieses Jahr lag er falsch mit der Wette, dass die Tesla-Aktie sinken werde. Am Dienstag hat er mitgeteilt, dass er sich von Odey Asset Management zurückziehen und ganz auf einen eigenen Fonds konzentrieren werde. Timothy Pearey, bislang seit fünf Jahren Co-Chef von Odey Asset Management, wird es künftig allein führen.

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