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Folkerts-Landau ersetzt Mayer : Die Deutsche Bank tauscht ihren Chefvolkswirt aus

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David Folkerts-Landau (l) und Thomas Mayer Bild: Deutsche Bank

Der Deutsche-Bank Chefvolkswirt Thomas Mayer gilt als eigenständiger Kopf. Seine Analysen entsprachen nicht immer der Hausmeinung. Nun tritt er ab. Er wolle sich künftig mehr der Wissenschaft widmen, heißt es aus der Bank.

          Der erst seit Anfang 2010 amtierende DB-Research-Leiter Thomas Mayer gibt die Position Ende Mai ab. Neuer Chefvolkswirt wird David Folkerts-Landau, der bisher schon Leiter des Global Market Research ist. Das teilte die Deutsche Bank am Freitag mit. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann spendete warme Worte zum Abschied. „Thomas Mayer ist ein hoch angesehener Ökonom und war während der Finanz- und Wirtschaftskrise für mich ein sehr geschätzter Berater.“ Er stehe der Bank und ihren Kunden auch weiterhin beratend zur Verfügung.

          Folkerts-Landau, 62 Jahre alt, arbeitet seit 1997 für die Deutsche Bank und leitet seitdem die Researchabteilung für Aktien und Anleihen. „Unter seiner Ägide belegt die Deutsche Bank nun schon das zweite Jahr in Folge den ersten Platz in der entscheidenden Kundenerhebung Institutional Investor’s All-Europe Research Team“, betonte die Bank. Zuvor war Folkerts-Landau im Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig und lehrte als Professor an der University of Chicago. Auch heute widmet er sich wissenschaftlicher Forschung und publiziert zu Währungssystemfragen. Der kommende Chefvolkswirt bemühte sich, seine Freundschaft mit dem alten herauszustellen. „Thomas und ich haben mehr als zwei Jahrzehnte beim IWF und bei der Deutschen Bank zusammengearbeitet.“ Er werde weiter von Mayers Rat profitieren.

          Aus der Bank heißt es, Mayer selbst habe den Wunsch geäußert, sich mehr der Wissenschaft zu widmen. Er wolle sich daher aus Leitungsfunktionen zurückziehen. Allerdings ist aus Finanzkreisen auch zu hören, dass Mayers Prognosen gelegentlich zu Unstimmigkeiten mit der viel größeren Abteilung Market Research geführt hätten. Der 58 Jahre alte promovierte Ökonom gilt als eigenständiger Kopf. Seit 2002 arbeitet er für die Deutsche Bank, Anfang 2010 wurde er Nachfolger des langjährigen Chefvolkswirts Norbert Walter.

          Zuweilen überraschte Mayer mit Prognosen und Einschätzungen, die nicht immer der Hausmeinung entsprachen. Wiederholt warnte er vor einem deutlichen Anstieg der Inflationsraten in ein paar Jahren aufgrund der expansiven Geldpolitik in Amerika und Europa. Die Finanzkrise sieht er keineswegs als überwunden an. Anfang des Jahres warnte er öffentlicht: „Falls das Vertrauen nicht zurückkehrt, könnte die nächste Stufe eine Krise des gesamten Geldsystems sein.“ Die mögliche Folge wäre eine Hyperinflation.

          Mayer ließ Zweifel an der Stabilität des Papiergeld-Standards erkennen. Die Flut billigen Geldes erfreue die Märkte kurzfristig, doch längerfristig gebe es neue Verzerrungen. Anders als sein Vorgänger Norbert Walter, der ein Euro-Enthusiast war, mischte Mayer auch kritische Töne ein. Als Folge einer verfehlten Euro-Rettungspolitik könne eine radikale Protestbewegung, eine „Tea Party“ in Deutschland, gegen eine Euro-Transferunion aufkommen, warnte er.

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