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Folgen für den Tourismus : Airlines streichen Türkei-Flüge

  • Aktualisiert am

Ratlosigkeit am Flughafen Frankfurt: Diese Reisenden wollten eigentlich in die Türkei fliegen. Bild: dpa

Das Auswärtige Amt rät Deutschen in Ankara und in Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. Die Lufthansa hat alle Türkei-Flüge gestrichen, auch bei anderen Fluglinien geht nichts mehr. Und was sollen Touristen jetzt tun?

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          Die Lufthansa streicht nach dem Putschversuch in der Türkei für diesen Samstag alle Flüge von Deutschland in die Türkei. Betroffen sind ein Dutzend Verbindungen zu den Zielen Istanbul, Ankara, Bodrum, Izmir und Antalya. Auch die Rückflüge von der Türkei nach Deutschland sind gestrichen. Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings stellt vorerst alle Flüge ein. Der Lufthansa-Sprecher riet allen Passagieren, Kontakt zur Airline aufzunehmen, um sich über ihren Flugstatus zu informieren.

          Auch mehrere andere Fluggesellschaften haben Türkei-Flüge gestrichen. In den türkischen Ferienzentren war die Lage nach Angaben der Tui jedoch zunächst ruhig. Das berichteten diverse Reiseleiter vor Ort. Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte Urlauber dennoch auf, „vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben“.

          Air Berlin hingegen hat die Flüge in die Urlaubsregion Antalya wieder aufgenommen. „Wir haben uns dazu entschieden, die Flüge in die Türkei bis auf Weiteres durchzuführen“, sagte ein Sprecher am Samstag. Die Airline beobachte die politische Lage und stehe in Kontakt mit den Behörden. Antalya ist das einzige Ziel, das die Air Berlin Group in der Türkei anfliegt. Flüge dorthin gibt es zum Beispiel von Düsseldorf und Wien aus. Am Freitagabend hatte die Fluggesellschaft einen Flug von Wien nach Antalya gestrichen. Kunden, die derzeit nicht in die Türkei reisen wollten, könnte ihre Flüge bis 20. Juli kostenfrei umbuchen, sagte der Sprecher.

          Einzelne Verbindungen aufrecht erhalten

          Auch einzelne andere Flugverbindungen etwa in Ferienorte wie Izmir oder Antalya waren nach Angaben der Nachrichtenagenur dpa nicht betroffen von den Flugausfällen. Türkische Reiseveranstalter im Südwesten erwarten zudem, dass sich die Lage bis Sonntag wieder entspannen könnte, wie eine Anfrage bei einzelnen Anbietern ergab.

          Am Flughafen Köln-Bonn wurden nach Angaben eines Sprechers bis zum Samstagvormittag insgesamt 25 Flüge aus und in die Türkei gestrichen. In Düsseldorf fielen insgesamt zehn von 51 Türkei-Flügen aus. Die Flughafen-Sprecher machten deutlich, dass die Entscheidung der Fluglinien ein laufender Prozess sei und von der weiteren Entwicklung
          in der Türkei abhänge. Reisende sollten sich unbedingt vor Antritt der Reise informieren.

          Das Auswärtige Amt riet allen Deutschen in Ankara und Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. Im Zweifel sollten deutsche Touristen oder Geschäftsreisende, Wohnungen und Hotels nicht verlassen, heißt es in einem Reisehinweis des Ministeriums vom frühen Samstagmorgen. Der Istanbuler Flughafen Atatürk war zunächst vorübergehend geschlossen. Die Internetseite „Aero Telegraph“ berichtet aber mittlerweile, dass es wieder beschränkten Flugverkehr in Istanbul gibt. Maschinen von Turkish Airlines landen demnach vereinzelt am Atatürk-Flughafen. Auf der Homepage der Fluglinie Turkish Airlines steht, auf „Befehl von Präsident und Oberbefehlshaber Erdogan“ sei der Routinebetrieb wieder aufgenommen worden.

          Lufthansa-Maschine zurückbeordert

          In der Nacht hatte die Lufthansa eine Maschine von Frankfurt nach Ankara zurückbeordert. Alle anderen Flüge seien davor bereits abgewickelt worden, sagte der Sprecher. Auch eine Maschine der niederländischen Fluggesellschaft KLM mit 184 Menschen an Bord hat ihren Flug nach Istanbul abgebrochen und machte sich auf den Weg zurück nach Amsterdam.

          Aufgrund des Putschversuchs hat der deutsche Reiseveranstalter Tui einen Krisenstab einberufen. Dies sagte eine Tui-Sprecherin. Kunden, die in den nächsten Stunden in die Türkei fliegen wollten, könnten kostenlos ihre Reise stornieren. Die Abflugschalter seien entsprechend informiert worden. Noch keine Angaben konnte sie darüber machen, ob rückreisewillige Urlauber schnell zurückgeflogen werden können.

          Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte die Urlauber auf, „vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben“. Auch Kunden von Thomas Cook und der dazugehörigen Fluggesellschaft Condor können kostenfrei ihre Reise umbuchen oder stornieren.

          Für die großen deutschen Tourismuskonzerne steht in der Türkei in der wichtigen Sommersaison geschäftlich viel auf dem Spiel. Trotz des Buchungseinbruchs um bis zu 50 Prozent nach den Anschlägen zu Jahresbeginn ist das Land laut Deutschem Reiseverband noch das drittbeliebeste Urlaubsziel. Voriges Jahr besuchten es rund 5,6 Millionen Bundesbürger. In den ersten fünf Monaten 2016 zog es nach Angaben des türkischen Fremdenverkehrsamts ein Viertel weniger Deutsche ins Land.

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