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Folgen des EU-Austritts : Der Brexit-Wirt

Tim Martin in der Central Bar in London. Bild: Micha Theiner

Tim Martin hat eine der größten britischen Kneipenketten aufgebaut – und ist ein Volksheld der Anti-EU-Bewegung. An seinen Theken wird Politik besprochen und gemacht. Vor der Parlamentswahl haut er eine steile These heraus.

          Die Central Bar im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush ist nicht das anheimelndste Pub in der britischen Hauptstadt. Die Kneipe befindet sich im ersten Stock eines etwas in die Jahre gekommenen Einkaufszentrums. Wer hier ein Bier trinken gehen will, fährt mit der Rolltreppe nach oben. Die Raumtemperatur ist tropisch warm, aber das Bier ist eiskalt – und vor allem kostet das Pint (0,57 Liter) hier nur umgerechnet 2,80 Euro. Das ist halb so viel wie in vielen anderen Londoner Lokalen, und so ist die Central Bar auch schon am späten Nachmittag gut besucht.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tim Martin hat den Treffpunkt vorgeschlagen. Der Gründer, Verwaltungsratschef und Großaktionär der Kneipenkette JD Wetherspoon verabredet sich gerne mit Journalisten in einem seiner fast 1000 Pubs zum Interview. Wetherspoon ist quasi der McDonald’s unter den Pubs: Martins Bier-Zapfstellen gibt es in jeder halbwegs großen Stadt auf der Insel, konkurrenzlose Niedrigpreise sind ihr Markenzeichen.

          Der Volksheld der Anti-EU-Bewegung

          Ob in St. Ives in Cornwall oder im schottischen Aberdeen, die Speisekarte ist überall gleich. Man weiß, was man bekommt, und die Kundschaft weiß das zu schätzen. Martin hat mit diesem Konzept die britische Kneipenbranche aufgerollt, seit er vor 28 Jahren in Nordlondon sein erstes Pub eröffnete.

          Aber es soll bei diesem Gespräch nicht um Wetherspoon gehen, sondern um Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union und die britischen Parlamentswahlen am Donnerstag, die ganz im Zeichen des Brexits stehen. Tim Martin ist ein Volksheld der Anti-EU-Bewegung auf der Insel. Vor dem Austrittsreferendum der Briten im vergangenen Sommer ließ er Hunderttausende Bierdeckel mit Wahlwerbung für „Vote Leave“, die Wahlkampforganisation der EU-Gegner, drucken und in seinen Kneipen auslegen. Der Wetherspoon-Chef, dessen Vermögen auf umgerechnet 370 Millionen Euro geschätzt wird, hat 200.000 Pfund für das Brexit-Lager gespendet.

          Parlamentswahl Großbritannien

          Ergebnisse im Detail

          Es ist kurz nach halb sechs, als Martin um die Ecke biegt und den Tresen der Central Bar ansteuert. Er ist schwer zu übersehen mit seinen fast zwei Metern Körperlänge und dem wilden grauen Haarschopf. Die Vokuhila-Frisur früherer Jahre - vorne kurz, hinten lang - ist allerdings weg. Martin trägt seine übliche Business-Uniform: ein blaugestreiftes Poloshirt der Marke Gant, den Kragen nach oben gewurstelt. Manchmal kommt er auch in kurzen Hosen zum Interview.

          Den Mitarbeiter am Zapfhahn begrüßt der Chef wie einen alten Freund: „Schön, dich wiederzusehen!“ In jeder Arbeitswoche reserviert Martin zwei Tage, um landauf, landab seine Kneipen zu besuchen und mit den Angestellten zu reden. So kommt er auf mindestens zehn Wetherspoon-Filialen in der Woche. Bei dieser professionellen Kneipentour hat er sich klare Regeln gesetzt: „Tagsüber nur Wasser, abends ein paar Pints.“

          Ist die Parlamentswahl wichtig genug?

          Martin klemmt sich hinter einen der Tische an der Fensterfront und klappt die langen Beine ein. Das Thema also sind die Wahlen und die Demokratie. Trotz seines vehementen politischen Engagements vor dem Referendum macht der Wetherspoon-Chef kurioserweise keinen Hehl daraus, dass ihn Wahlen eigentlich nicht sonderlich interessieren. „Normalerweise bin ich nicht motiviert genug, als dass ich wählen gehen würde“ – das sagt er ganz offen. Und wird er bei dieser Parlamentswahl ein Wahllokal betreten? „Ich halte mein Pulver noch trocken“, antwortet Martin ausweichend. Er hat sich noch nicht entschieden, ob ihm dieser Urnengang wichtig genug ist.

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