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Förderung wird aufgestockt : Der Mittelstand ist das neue Sorgenkind

Die Produktion läuft - aber der Mittelstand investiert weniger in Innovationen. Bild: dpa

Viele Mittelständler sind „Hidden Champions“ – wirklich? Eine Studie, die der F.A.Z. vorliegt, beklagt eine gewaltige Innovationsschwäche. Die Regierung besorgt das so sehr, dass sie ihre Förderung um mehr als ein Viertel ausweiten will.

          Der viel gepriesene deutsche Mittelstand liefert Anlass zu gewissen Sorgen: Zwar ist die allgemeine wirtschaftliche Lage derzeit durchaus auch für kleine und mittlere Unternehmen solide – doch ihre Investitionen in Forschung und Innovation nehmen seit einiger Zeit ab. „Mittelstand fällt zurück“, überschrieb der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) einen jüngst vorgelegten „Innovationsreport“. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen – unter denen bisher viele sogenannte Hidden Champions sind – „ziehen sich aus dem Innovationsgeschehen zurück“, fasste der Kammerverband die Ergebnisse seiner Umfrage zusammen.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Bundesforschungsministerium untermauert den kritischen Befund: Im vergangenen Jahr entfielen insgesamt nur noch 22 Prozent aller Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft auf kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern – im Jahr 2007 seien dies noch 29 Prozent gewesen, kurz vor der Jahrtausendwende sogar noch mehr als 35 Prozent, heißt es in der Untersuchung, die der F.A.Z. vorliegt. Allein zwischen 2013 und 2014 sei die Anzahl der Unternehmen, die im Interesse künftiger Markterfolge überhaupt Innovationsausgaben getätigt hätten, um zwölf Prozent gesunken.

          Das Fördervolumen wird kräftig ausgeweitet

          Auch die Bundesregierung verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. Das Bundesforschungsministerium will deshalb nun seine Förderpolitik für diesen Bereich neu gestalten. Wie diese Zeitung aus dem Ministerium erfuhr, soll das wichtigste Programm zur Innovationsförderung in kleinen und mittleren Unternehmen („KMU-innovativ“) kräftig aufgestockt und in seiner Ausrichtung geschärft werden. So solle das Fördervolumen von 248 Millionen Euro im Jahr zu Beginn dieser Legislaturperiode nun um mehr als ein Viertel ausgeweitet werden, hieß es. Die bestehende Etatplanung liefere die Spielräume dafür.

          Im gleichen Zuge sollen bestehende Förderschwerpunkte in Bereichen, die gerade für Mittelständler eine große Rolle spielen, gestärkt werden. Dies sind insbesondere die drei Technologiefelder Digitalisierung/Industrie 4.0, Medizintechnik und -informatik sowie Energietechnik und Ressourceneffizienz. Als wichtiger Ansatz gelte dabei eine Stärkung von Forschungspartnerschaften zwischen Mittelständlern und Hochschulen oder Technologiezentren dies- und jenseits der deutschen Grenzen.

          Überdies bemüht sich das Ministerium darum, mit einfacheren Antragsverfahren den Zugang zur staatlichen Förderung zu erleichtern, wie zu erfahren war. Lange, komplizierte Antragsformulare seien nun einmal gerade für kleinere Unternehmen eine hohe Hürde. Das legt auch die ZEW-Studie nahe: Unternehmen mit einer separaten Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die naturgemäß auch mit Förderanträgen gut umzugehen weiß, erhalten derzeit weitaus häufiger öffentliche Förderung als jene, die sich nur gelegentlich eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte leisten.

          Fachkräftemangel bremst

          Unabhängig von Zuschnitt und Hürden der staatlichen Förderung wird die Innovationsfähigkeit kleinerer Unternehmen allerdings zugleich besonders stark durch den Fachkräftemangel gebremst. Das liegt deshalb nahe, da sie es im Wettbewerb mit bekannten großen Industriekonzernen naturgemäß etwas schwerer haben, sich angehenden Spezialisten als interessante Arbeitgeber mit Perspektive zu präsentieren. Das verdeutlicht der DIHK-Report, für den 1000 Unternehmen befragt wurden: Mehr als zwei Drittel der Mittelständler mit unter 500 Beschäftigten gaben an, dass sie infolge des Facharbeitermangels eine Einschränkung ihrer Innovationsaktivitäten fürchten.

          Bezieht man indes die großen Unternehmen mit ein, haben Forschung und Innovation in der deutschen Wirtschaft offenkundig durchaus einen hohen Stellenwert. Auch das zeigt die ZEW-Studie, für die mehr als 7000 Unternehmen befragt wurden. Die Summe der erfassten Innovationsausgaben lag bisher bei rund 145 Milliarden Euro im Jahr – und die Budgets der Unternehmen sehen für dieses Jahr eine Steigerung um sechs Prozent vor. Allerdings werde die Steigerung von einer insgesamt eher kleiner werdenden Gruppe von Unternehmen getragen.

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