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Zerstörte Infrastruktur : 850 Millionen Euro Flutschäden in nur einem Bezirk

  • -Aktualisiert am

Verwüstung in Kall auf dem Bahnhofsvorplatz: Die kommunale Infrastruktur ist oft zerstört. Bild: dpa

Das Hochwasser hat jede zweite Kommune in Nordrhein-Westfalen getroffen. Heimatministerin Scharrenbach sorgt sich um die Infrastruktur – und fordert Milliardenhilfe.

          2 Min.

          Das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat auch Rathäuser, Feuerwehrgebäude, Kitas und Schulen zerstört. Mit der Flut vor drei Wochen ist die Infrastruktur an vielen Stellen vernichtet worden. Die nordrhein-westfälische Kommunal- und Heimatministerin Ina Scharrenbach lässt gerade die kommunalen Schäden erfassen. „Alleine im Regierungsbezirk Köln liegt das vorläufige Schadensbild bei über 850 Millionen Euro“, sagte die CDU-Politikerin der F.A.Z. allein mit Blick auf die kommunale Infrastruktur.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser Bezirk mit den Kreisen Euskirchen, Rhein-Sieg, Rhein-Erft und der Städteregion Aachen nennt sie als den meistbetroffenen Regierungsbezirk. Auf der Sonderministerkonferenz am kommenden Dienstag will die Landesregierung auf einen schnellen Aufbaufonds drängen. „Ich rechne mit einem hohen Milliardenbetrag, der für den Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen benötigt wird“, sagte Scharrenbach.

          Starkregen hatte vor drei Wochen Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst und Straßen, Brücken und Häuser zerstört. In Rheinland-Pfalz starben 141 Menschen, 17 weitere werden vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es 47 Tote. Die Wassermassen haben ganze Ortschaften umspült. In Kall, Swisttal, Rheinbach und Stolberg sei das Rathaus nun außer Dienst. „Die wichtigsten Rathausfunktionen sind teilweise in benachbarten Städten oder in wenigen freien Räumen bei der örtlichen Feuerwehr untergekommen und arbeiten von dort aus“, sagte Scharrenbach. Ein Dauerzustand sei das nicht.

          In Rheinbach liegen Trümmer des Holzfußbodens in einer Schule.
          In Rheinbach liegen Trümmer des Holzfußbodens in einer Schule. : Bild: dpa

          Die Folgen der Flutkatastrophe zeigen sich demnach in rund 180 von 396 Kommunen in Nordrhein-Westfalen. „Es sind überwiegend Kleinst- und mittelgroße Kommunen massiv betroffen“, sagte die Ministerin. Besonders zugesetzt hätten die Wassermassen insgesamt der öffentlichen Infrastruktur in den Kreisen Euskirchen, Rhein-Sieg und Rhein-Erft. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte davon gesprochen, dass kommunale Gebäude wie Kitas und Rathäuser prioritär aufgebaut werden sollten.

          Versicherer rechnen mit Milliardenschäden

          Die Versicherungswirtschaft schätzt die versicherten Hochwasserschäden für Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bislang auf 4 bis 5 Milliarden Euro. Sie könnten damit höher liegen als die Schäden von 4,65 Milliarden Euro durch das Hochwasser an Elbe und Oder 2002.

          Aufräumen in Stolberg: Ein Bagger fährt durch die Innenstadt.
          Aufräumen in Stolberg: Ein Bagger fährt durch die Innenstadt. : Bild: dpa

          Wie groß die aktuellen Schäden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz am Ende tatsächlich ausfallen, wird sich noch weiter zeigen. Viele Häuser sind unbewohnbar, und auch die kommunale Infrastruktur muss wieder aufgebaut werden. Eschweiler könnte sein Hallenbad verlieren, das für die Technik einen Schaden von 10 Millionen Euro aufweist. Die Realschule mit mehr als 1000 Schülern wurde ausgelagert. In Stolberg stand im Rathaus auch das Stadtarchiv unter Wasser, das dort in Kellerräumen Dokumente lagerte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. In Kall drang die Flut auch ins Feuerwehrhaus ein. Immer wieder zeigt sich die Hilfsbereitschaft. Durch Spenden stockt die Gemeinde Kall die Soforthilfe des Landes für Privatpersonen um 10 Prozent auf. So erhält etwa eine Familie mit zwei Kindern weitere 300 Euro.

          65 Millionen Euro als Anfang

          Scharrenbach nennt die Hilfsbereitschaft vor Ort unbezahlbar. Sie berichtet, dass die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen am 23. Juli für die erste Hilfe 65 Millionen Euro überwiesen hat. Damit können Städte und Gemeinden erste Schäden beseitigen, räumen und Gefahren abwehren. Dass das kaum ausreicht, ist auch klar. „Die Soforthilfen sind nur ein Anfang“, sagte sie.

          Freie Strom- und Wasserleitungen: Das Hochwasser hat Stolberg stark getroffen.
          Freie Strom- und Wasserleitungen: Das Hochwasser hat Stolberg stark getroffen. : Bild: dpa

          Häufig habe das Hochwasser auch denkmalgeschützte Bestände beschädigt oder zerstört. Das bereitet der Ministerin ebenfalls Sorgen. „Die Privateigentümer werden die Sanierung und Erhaltung nicht aus eigener Kraft stemmen können“, sagte sie. In Bad Münstereifel gebe es allein an dem historisch-kulturellen Erbe einen Schaden von rund 50 Millionen Euro.

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