https://www.faz.net/-gqe-6ubkj

Flugzeugtriebwerke : Rolls-Royce setzt auf komplett neuen A320

Lieferant Rolls-Royce: Die Briten bauen weiterhin am Triebwerk V2500 für den Airbus A320 mit, doch sind sie nicht mehr Anteilseigner im Konsortium. Bild: dpa

Der Triebwerksbauer steigt aus einer Kooperation mit Pratt & Whitney aus und kassiert Milliardenbeträge. Zugleich gibt es ein neues Projekt mit den Amerikanern.

          2 Min.

          Rolls-Royce (RR) hat den Ausstieg aus dem Triebwerkskonsortium International Aero Engines (IAE) angekündigt, dass das Triebwerk für die A-320-Familie von Airbus produziert. Die Briten erzielen daraus nicht nur einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden Euro. Sie haben zugleich ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Pratt&Whitney (P&W) für eine neue Motorengeneration vereinbart, womit RR im Segment für Mittelstrecken-Flugzeuge vertreten bleibt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der britische Konzern verkauft seinen IAE-Anteil von 32,5 Prozent an den amerikanischen Partner. Der wird seine Beteiligung so auf mehr als 50 Prozent aufstocken und danach einen Teil an die anderen Konsorten MTU (11 Prozent) aus Deutschland sowie JAEC aus Japan (23 Prozent) weiterreichen. Vermutlich werden die Deutschen so ihre Position auf 15 bis 16 Prozent in dem Konsortium aufstocken. Die Londoner Börse goutierte die Nachricht am Donnerstag mit einem Kursplus für die RR-Aktie von bis zu 10 Prozent. Neben dem Kaufpreis von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro erhält der Konzern in den nächsten 15 Jahren Geld für jede geleistete Flugstunde der 4500 Mal ausgelieferten Triebwerke namens V2500. In der Summe übersteigt dies sogar die Höhe des Kaufpreises.

          Außerdem wurde an der Börse das mit P&W vereinbarte Konsortium gefeiert, das ein Triebwerk für die im nächsten Jahrzehnt geplante neue Generation der A-320-Familie entwickeln wird. RR hat sich so den langfristigen Zugang zum Triebwerksgeschäft in einem Marktsegment mit hohe Wachstumschancen gesichert. Rolls-Royce, nach der General Electric (GE) der zweitgrößte Anbieter, wäre sonst nur noch im Segment großer Triebwerke etwa für die A380 und Boeing 747 vertreten gewesen. Die Briten hatten sich nämlich nicht an einem Konsortium mit P&W, MTU und JAEC zum Bau eines spritsparenden Triebwerkes für den A320 Neo beteiligt. Dieses „runderneuerte“ Modell des A320 soll voraussichtlich 2017. Die Entwicklung einer kompletten neuen Generation A320 wurde indes nach hinten verschoben. „Wenn wir in ein neues Triebwerk investieren, tun wir das für ein neues Flugzeug, nicht für eine Übergangslösung“, sagte Michael Haidinger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rolls-Royce Deutschland und Präsident der Konzernsparte für kleine und mittlere Triebwerke (Civil Small and Medium Engines). Gleichwohl ist der A320 Neo mit mehr als 1000 bestellten Flugzeugen zum Verkaufsschlager geworden. IAE und das konkurrierende Konsortium aus GE und der französischen Snecma werden wohl die Maschinen etwa zu gleichen Teilen ausstatten.

          Rolls-Royce hat somit zunächst den Anschluss verpasst. Wichtige Entscheidungen der Flugzeughersteller Airbus mit dem A320 Neo und Boeing mit einer überarbeiteten B737 sind an den Briten vorbei gegangen. „Sicher ist nun, dass wir das Segment gemeinsam mit P&W weiter bearbeiten werden“, sagte Haidinger. Mit dem Ausstieg aus IAE habe es zudem Klarheit im kommerziellen Auftritt für das Konsortium gegeben. P&W kann Produkte für die laufende A-320-Familie wie auch für den A320 Neo anbieten. Die Briten liefern wie bisher ihre Komponenten für die V2500 und montieren das Triebwerk. „Die Beschäftigung und die Arbeitsplätze in Deutschland bleiben trotz des Ausstiegs gesichert“, sagte Haidinger. Die aktuelle A-320-Familie wird bis 2015 ihren Höhepunkt erreicht haben. Derzeit stehen 2000 Triebwerke in den Auftragsbüchern.

          Für die deutsche MTU ergibt sich aus einem höheren IAE-Anteil nach Angaben eines Sprechers zusätzlich ein Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Hinzu kommt das lukrative Ersatzteil- und Wartungsgeschäft. Der Vertrag für die 1983 gegründeten IAE läuft bis 2045. Vor zwei Wochen hatte MTU auch den Anteil an dem Konsortium zum Bau des Triebwerks für den A320 Neo von 15 auf 18 Prozent erhöht.

          Weitere Themen

          Produktionsausfall bei Porsche

          Internes IT-Problem : Produktionsausfall bei Porsche

          Zwei Porsche-Werke liegen wegen IT-Schwierigkeiten stundenlang lahm, Hacker stecken nicht dahinter, sagt ein Sprecher. Stattdessen mache SAP-Software Probleme.

          Topmeldungen

          Ein Mann schwenkt eine türkische Nationalflagge und feiert die Übernahme einer syrischen Provinz durch das türkische Militär.

          Brief aus Istanbul : Wie die Militäroffensive Erdogan innenpolitisch nützt

          Präsident Erdogan führt in Syrien einen Feldzug gegen die Kurden. Kritik aus dem Ausland und Sanktionen nimmt er in Kauf. Um seine Macht zu erhalten, muss er die öffentliche Wahrnehmung in der Türkei verbiegen. Wie lange hält das vor?
          Einschusslöcher an der Tür der Synagoge in Halle zeugen von dem Versuch von Stephan B., sich gewaltsam Zugang zu verschaffen.

          Nach Anschlag in Halle : Zwei junge Männer aus Mönchengladbach im Visier

          Zwei Männer, 26 und 28 Jahre alt, sollen das „Manifest“ des Rechtsextremisten Stephan B. kurz nach dem Terroranschlag im Internet verbreitet haben. Gegen sie wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.