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Gespräche mit Betriebsrat : Flugzeughersteller Airbus verhandelt über Stellenabbau

  • Aktualisiert am

Ein Airbus-Transportflieger der französischen Luftwaffe landet. Bild: AFP

Der europäische Flugzeughersteller will Verhandlungen mit dem Betriebsrat starten, um einen großen Stellenabbau in seiner Rüstungssparte umzusetzen.

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          Dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus machen politische Einschränkungen für den Export von Rüstungsgütern wie Militärflugzeugen zu schaffen.

          Airbus will daher kommende Woche Verhandlungen über einen Stellenabbau in seiner Rüstungssparte beginnen. „Wir gehen in Kürze in das erste Gespräch mit dem europäischen Betriebsrat“, kündigte der Chef von Airbus Defence and Space, Dirk Hoke, in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters an. Danach würden die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen in den einzelnen Ländern starten.

          Der Manager wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Stellen der Konzern streichen will. „Die Betriebsräte wissen, dass ich um jeden Arbeitsplatz kämpfen werde. Wir werden nicht mit unverhältnismäßigen Zahlen kommen“, erklärte Hoke. Es würden aber keine Standorte bevorzugt.

          „Wir werden das natürlich an der Auslastungslage plus an der zukünftigen Pipeline an Projekten festmachen“, sagte Hoke. „Hier muss man auch immer wieder ganz klar in Richtung der jeweiligen Landespolitiker sagen, dass die Standortsicherung, die viele immer verlangen, natürlich auch von Projekten abhängt. Insofern kann man natürlich sehr stark mitsteuern, wenn man Projekte nicht verzögert, sondern zügig freigibt.“

          Projekte verschoben

          In der Rüstungssparte hatten sich Aufträge immer wieder verschoben. Der Streit um das Militär-Transportflugzeug A400M und der Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien belasten die Sparte ebenfalls. Das zyklische Raumfahrt-Geschäft läuft schleppend. Von den konzernweit 134.000 Mitarbeitern arbeiten 34.000 bei Airbus Defence and Space, knapp 13.000 von ihnen in Deutschland.

          Der A400M hatte die Konzernbilanz von Airbus 2019 getrübt. Wegen abnehmender Export-Chancen für den Militärtransporter schrieb Airbus 1,2 Milliarden Euro ab. Der Manager machte dafür den deutschen Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien verantwortlich. „Vor diesem Export-Verbot hatten wir sehr, sehr vielversprechende Gespräche insbesondere mit Saudi-Arabien über eine größere Zahl an A400M“, sagte Hoke. Der Konzern gehe nun zumindest bilanziell zunächst nicht mehr von einer Ausfuhr des Flugzeugs in den Nahen Osten aus. Abseits davon liefen aber bereits seit langem Gespräch mit einer sehr langen Liste von Interessenten für den A400M. Details dazu wollte Hoke nicht nennen.

          Derweil verschärft sich der Streit zwischen Amerika und der Europäischen Union (EU) über Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus, denn die amerikanische Regierung dreht wieder an der Zollschraube. Die Abgaben auf EU-Flugzeuge würden auf 15 Prozent von zehn Prozent angehoben, teilte das Büro des amerikanischen Handelsbeauftragten am Freitag mit. Die Maßnahme solle zum 18. März in Kraft treten. Amerika sei allerdings weiter bereit, den Streit auf dem Verhandlungsweg zu lösen.

          Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte der EU zuvor vorgeworfen, Subventionen für Airbus nicht vollständig abgebaut zu haben. Hintergrund ist ein seit mehr als 15 Jahren vor der WTO ausgetragener Streit über staatliche Hilfen für Airbus wie auch für den Rivalen Boeing in Milliardenhöhe, die die WTO jeweils für unzulässig erklärt hat.

          Die WTO hatte Amerika im vergangenen Jahr grünes Licht für milliardenschwere Strafzölle auf Flugzeuge und andere EU-Importe wie Wein und Käse gegeben. Seit dem 18. Oktober greifen bereits Strafzölle von 25 Prozent bei zahlreichen europäischen Agrar- und Industriegütern. Dieser Zollsatz soll nach den jüngsten amerikanischen Angaben zunächst bestehen bleiben. Jedoch soll es andere Produkte treffen, die nicht zum Flugzeugsektor zählen.

          Airbus bedauert Zollerhöhung

          Airbus bedauerte die Entscheidung, die Zölle zu erhöhen. Der Flugzeugbauer wolle weiter Gespräche mit seinen amerikanischen Kunden führen, um die Auswirkungen zu lindern, teilte Airbus mit. Die Maßnahme erschwere zudem die Bemühungen, eine Lösung in dem Subventions-Streit zu finden. Außerdem schade die Zollerhöhung den amerikanischen Fluggesellschaften und Verbrauchern.

          Boeing hofft nach eigenen Angaben darauf, dass die EU die „illegalen Subventionen“ für Airbus beendet. Die EU wartet ihrerseits auf einen Beschluss der WTO zu unerlaubten Subventionen für den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing.

          Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump haben sich die Handelsbeziehungen zwischen  Amerika und der EU verschlechtert, weil den Republikaner das Defizit in der amerikanischen Handelsbilanz stört. Trump droht zudem seit einiger Zeit mit Strafzöllen auf Einfuhren europäischer Autos.

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