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Flugzeuge : Boeing verlässt Seattle

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Nicht mehr die Heimat von Boeing Bild: dpa

Nach 85 Jahren verlässt Boeing Seattle. Die Konzernzentrale soll an einen Ort in der Mitte des Landes verlegt werden.

          Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing will sein Hauptquartier aus Seattle an der amerikanischen Westküste in die Mitte des Landes verlegen. Als mögliche Standorte für das neue globale Hauptquartier des weltgrößten Flugzeugherstellers wurden die Großräume Chicago (Illinois), Dallas/Fort Worth (Texas) und Denver (Colorado) ins Auge gefasst. Das kündigte Konzernchef Phil Condit an. Eine endgültige Standortentscheidung soll im Sommer fallen.

          Ganz will sich Boeing aber nicht von Seattle verabschieden: So sollen Produktion, Forschung und Entwicklung an der Westküste bleiben. Etwa die Hälfte der 1.000 Beschäftigten in der Zentrale sollen in Seattle bleiben. Condit bezeichnete den Schritt als eine „fundamentale strategische Entscheidung“, die im Hinblick auf den Aktienwert des Unternehmens erfolgt sei.

          „Auf Grund unseres Wachstums muss das Hauptquartier an einem zentralen Ort zu all unseren Betriebssparten, Kunden und den Finanzmärkten liegen, aber abseits unserer existierenden Operationen“, sagte Condit. Zugleich kündigte Condit eine weitreichende Management- Umstrukturierung an. Die Leiter der drei Hauptsparten von Boeing wurden zu Spitzenmanagern (Chief Executive Officer) ihrer jeweiligen Gruppe ernannt. Sie sollen damit mehr Freiheit erhalten, um betriebliche Verbesserungen durchzusetzen.

          Es handelt sich um Alan Mulally, den Präsidenten der kommerziellen Flugzeug-Sparte in Seattle, um Jerry Daniels, den Präsidenten der Sparte Militärflugzeuge und Raketensysteme in St. Louis und um Jim Albaugh, den Präsidenten der Raumfahrts- und Kommunikationssparte in Seal Beach (Kalifornien).

          Fassungslos in Seattle

          In Seattle reagiert man geschockt über die überraschende Nachricht. Die Firma ist nach wie vor der ganze Stolz der Stadt im Pazifischen Nordwesten der USA, auch wenn dort inzwischen andere Weltunternehmen wie der Softwaregigant Microsoft, der Onlinehändler Amazon und die Kaffeehauskette Starbucks ihre Heimat haben. Boeing aber hat die längste Tradition in der größten Stadt des Bundesstaates Washington; dort wurde das Unternehmen 1916 vom Holzbaron Bill Boeing gegründet.

          Der Flugzeughersteller ist der größte Arbeitgeber der Region, rund um Seattle arbeiten fast 80 000 seiner insgesamt 200 000 Arbeitskräfte. 1.000 Stellen sollen nun aus Seattle verschwinden; das ist nur ein geringer Prozentsatz, aber natürlich hat die Verlegung des Firmenhauptquartiers, das in Zukunft nur noch 500 Personen beschäftigen soll, enorme symbolische Bedeutung. Seattles Bürgermeister Paul Schell wurde von der Nachricht völlig überrascht. Er ist enttäuscht, vor allem aber verärgert. „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Boeing in eine Stadt will, die kulturell offen und global gut verbunden ist. Das trifft alles auf Seattle zu,“ sagt der Bürgermeister, der wie der Gouverneur des Staates noch versuchen will, Konzernchef Phil Condit zum Bleiben zu überreden.

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