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Flugverbote für Boeing 737 Max : Boeing-Chef soll mit Trump telefoniert haben

  • Aktualisiert am

Donald Trump und Boeing-Chef Dennis Muilenburg im März 2018 Bild: AFP

Anders als in vielen anderen Ländern darf die Boeing 737 Max 8 in Amerika weiter fliegen. Boeing-Chef Muilenburg soll deswegen mit Präsident Trump telefoniert haben. Die erste Fluglinie fordert derweil Schadenersatz.

          Rund um den Globus werden nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien Flugverbote verhängt, doch Amerika hält weiter stramm dagegen. Der Druck auf die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA wird aber immer größer, Spitzenpolitiker beider großen Parteien und Flugbegleiter fordern inzwischen, dass Boeings Krisenflieger vorerst am Boden bleibt.

          Alle Flugzeuge des Typs sollten am Boden bleiben, bis die Ursachen der jüngsten Abstürze und die Flugtauglichkeit geklärt seien, twitterte etwa der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Die einflussreichen demokratischen Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Dianne Feinstein sowie Spitzenpolitiker Ted Cruz von den Republikanern schlossen sich der Forderung an.

          Der Hersteller beharrt indes auf der Sicherheit seiner Jets. Konzernchef Dennis Muilenberg telefonierte der „New York Times“ und CNN zufolge direkt mit Präsident Donald Trump, um ein Startverbot für den Flugzeugtyp abzuwenden. Eine offizielle Bestätigung des Telefonats gab es zunächst nicht.

          Trotz internationaler Flugverbote für Jets vom Typ Boeing 737 Max 8 nach zwei Abstürzen binnen eines knappen halben Jahres sieht die FAA weiter keinen Anlass für eine solche Maßnahme. Bislang hätten die Überprüfungen der Behörde keine „systemischen Leistungsprobleme“ bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der FAA-Chef Daniel Elwell am Dienstag auf Twitter mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

          Weiter hieß es in der Mitteilung, die „dringende Auswertung“ der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen infrage stellten, werde die FAA „sofortige und angemessene Maßnahmen“ ergreifen.

          Dagegen sprachen sich Flugbegleiter in den Vereinigten Staaten bis zur Klärung der Ursache des Flugzeugabsturzes in Äthiopien für ein Startverbot für baugleiche Maschinen aus. Die Gewerkschaft APFA, die die über 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, forderte die größte amerikanische Fluggesellschaft zu diesem Schritt auf. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, verlangte ein Startverbot.

          Unterdessen kündigte die Billigfluglinie Norwegian Air an, wegen des Flugverbots für seine Boeing-Flugzeuge des Typs 737 Max 8 Schadenersatz für Einnahmeausfälle und höhere Kosten von Boeing zu fordern. Die Norweger haben 18 der betroffenen Max-Jets in ihrer Flotte. Sie ist die erste Fluglinie, die diese Forderung erhebt.

          Abgesehen vom Nachbarstaat Kanada stehen die Vereinigten Staaten mit ihrer Einschätzung, dass die Boeing-Jets flugtauglich sind, mittlerweile ziemlich allein da. In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens, darunter seit Mittwoch auch Hongkong und Indien, erteilten Luftfahrtbehörden schon Flugverbote für alle baugleichen Maschinen. Zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge am Dienstag wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe ebenfalls zunächst still. Damit ist gut die Hälfte der seit 2017 ausgelieferten rund 350 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen. Es drohen zahlreiche Flugausfälle.

          Das stürzt Boeing nicht nur in eine tiefe Imagekrise: Die 737-Max-Serie ist der gefragteste Flugzeugtyp des Airbus-Rivalen. Bei andauernden Problemen mit dem Kassenschlager könnten auch massive Umrüstungskosten und Geschäftseinbußen drohen. Der Aktienkurs des Unternehmens sackte den zweiten Tag in Folge ab. Boeing beharrt indes auf der Verlässlichkeit der in die Kritik geratenen Baureihe. „Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit“, teilte der Konzern mit.

          737 Max 8 vor Boeing-Werken in Amerika

          Hintergrund ist der Absturz einer Boeing 737 Max 8 kurz nach dem Start in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba am Sonntag, bei dem alle 157 Menschen an Bord ums Leben kamen. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

          Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell 737 Max gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt. Die Anordnung gelte ab 18.30 Uhr. Flugzeuge, die sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch im deutschen Luftraum befänden, dürfen den Flug bis zur Landung fortsetzen.

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