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Fluglärm in Frankfurt : 335 Millionen Euro für „passiven Schallschutz“

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Unmut gegen den Fluglärm in Frankfurt-Sachsenhausen Bild: dpa

Der Frankfurter Flughafen will mehr Fluglärm-Opfern als bisher den Kauf ihres Hauses anbieten. Auch sollen steilere Anflüge auf den Flughafen für Abhilfe sorgen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier verspricht: „Es wird leiser werden“.

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          Zur Verringerung der Fluglärmbelastung rund um den Flughafen Frankfurt wollen das Land Hessen und der Flughafenbetreiber Fraport 335 Millionen Euro für „passiven Schallschutz“ ausgeben. Dazu zählt eine Ausweitung des Kaufangebots der Fraport an rund 1000 Hauseigentümer in der vom Fluglärm besonders betroffenen Gemeinde Flörsheim. Zudem soll der Lärm bei Starts und Landungen durch 19 Maßnahmen des „aktiven Schallschutzes“, etwa durch den verstärkten Einsatz leiserer Flugzeuge, gemindert werden. „Die Belastungen der Menschen lassen uns nicht kalt. Es muss leiser werden, und es wird leiser werden“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bei der Präsentation des „Maßnahmenpakets für eine Ausweitung des Schallschutzes“ zusammen mit den Vorstandsvorsitzenden von Fraport und Lufthansa. Nach Eröffnung der neuen Landebahn am 21. Oktober nahm der Fluglärm deutlich zu. Tausende Anwohner protestieren deshalb seit Anfang Dezember jeden Montag im Flughafen Frankfurt und werfen der schwarz-gelben Landesregierung Versagen vor. Bouffier hatte mit der Einberufung eines „Fluglärmgipfels“ auf die Proteste reagiert.

          Das nun nach der dritten Sitzung verkündete Ergebnis nannte Bouffier einen „glaubwürdigen Beitrag“ zur Verminderung der Lärmbelastung. Die Befürworter drastischer Lösungen werde das Ergebnis nicht überzeugen: „Aber die breite Masse der Bevölkerung schon.“ Als Flughafenbetreiber, an dem das Land und die Stadt Frankfurt Mehrheitseigner sind, stockt die Fraport ihr 2005 aufgelegtes Programm zum Ankauf von Immobilien und Ausgleichszahlen für ausharrende Hausbesitzer um 70 Millionen Euro auf. Das Land Hessen richtet zudem für 100 Millionen Euro einen „Regionalfonds“ ein. Die Fraport will sich mit bis zu 20 Millionen Euro zusätzlich daran beteiligen. Anwohner des Flughafens können aus diesem Finanztopf Geld für den Schallschutz ihrer Häuser, aber auch Umzugskostenbeihilfen erhalten. Dazu kommt noch ein Darlehensvolumen von 150 Millionen Euro der Wirtschafts- und

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          Zum 1. Januar 2013 wolle das Land neue Lärmentgelte einführen. Lärmschutz werde dadurch für die Fluggesellschaften zu einer betriebswirtschaftlichen Frage. Wer lärmarme Flugzeuge einsetze, fliege günstiger. Eine Minderung des Fluglärms erwartet der Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung, Ralph Riedle, durch eine „Anhebung der Zwischenanflughöhe“ und einen steileren Anflugwinkel von 3,2 Grad. Zur Entlastung der südlichen Frankfurter Stadtteile soll eine neue Abflugroute Richtung Norden eingeführt werden. Große Effekte verspricht sich die Flugsicherung von dem bisher nur am Flughafen Oslo erprobten neuen Landeanflugverfahren „Point Merge“. In einem konstanten Sinkflug sollen die Flugzeuge wie in einem Trichter auf einen bestimmten Punkt (Merge Point) hingeführt werden. Ähnlich einem Reißverschluss werden die Flugzeuge an diesem Punkt hintereinander aufgereiht zusammengeführt, um das überflogene Gebiet möglichst klein zu halten.

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