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Fluglärm : Happy Landings

Fluglärm nervt. Wie die steigende Belastung durch immer größere Flughäfen gerecht verteilt werden soll, ist aber nur die eine Frage. Auch der Gewinn sollte Lärmgeplagten zugute kommen.

          Nicht nur Einwohner von Flughafen-Kommunen wissen: Lärm nervt. Sonst wäre er nur Schall. Trotzdem nervt Lärm auf unterschiedliche Weise. Aus Dörfern kennt man es vielleicht: Dort kommt im Frühherbst der Mann mit der mobilen Säge und zerteilt rohe Baumstämme in Brennholz. Die Maschine macht einen ohrenbetäubenden Lärm, meistens ausgerechnet an Samstagen, wenn die Familien Zeit haben. In der Regel wird der Lärm toleriert. Jeder im Dorf weiß, dass er vorübergeht. Die Maschine ruht, wenn das Brennholz gemacht ist, und wird dann erst wieder im neuen Jahr angeworfen.

          Der andere Grund aber, warum der wirklich eindringliche Krach erträglicher scheint, ist die Tatsache, dass viele im Dorf so ihr Brennholz machen lassen. Und selbst jene, die nur mit Gas oder Öl heizen, erkennen die unmittelbare Notwendigkeit und den Nutzen, der mit der Produktion des Lärms verbunden ist.

          Überall wehren sich Bürger gegen den Lärm der Flughäfen

          Zu den besonders umkämpften Krachquellen gehören inzwischen Flughäfen. Sie haben die Eigenschaft, Lärmproduzenten zu konzentrieren. Das Thema wird jetzt wieder im Ballungsraum Rhein-Main virulent, wo der Betreiber des Frankfurter Flughafens eine neue Landebahn in Betrieb genommen hat. Neben Frankfurt verfolgen auch Berlin und München Baupläne für ihre Airports. Und überall wehren sich Bürger vor allem gegen die Lärmbelästigung.

          Die ist tatsächlich nicht gering. Das weiß jeder, der einmal in Hauptflugzeiten des Frankfurter Flughafens beim Kaffee auf einer Terrasse der Städtchen Flörsheim, Raunheim oder Bischofsheim saß und trotz strahlenden Wetters ins Haus flüchtete vor dem Krach.

          Mit jedem Ausbau wächst die Belastung, und sie wird neu verteilt. Aber wie soll sie gerecht verteilt werden? Eine naheliegende Möglichkeit wäre es, die neuen Lasten den Gewinnern des Ausbaus aufzubürden. Die Gewinner stehen fest: Es sind im Fall Frankfurt die Flughafen-Aktionäre, die Luftfahrtgesellschaften, die Passagiere und die Arbeitnehmer. Indirekt sind es aber wohl alle Bürger im Rhein-Main-Gebiet, dessen Wirtschaft gestärkt wird.

          Technik, Sicherheitsanforderungen sowie naturwissenschaftliche und ökonomische Gesetze setzen den Rahmen für die An- und Abflugrouten, unter denen es sich nicht so behaglich lebt. Doch es bleibt Spielraum, der genutzt werden kann. Gerecht scheint der Gedanke, dass die Flugzeuge über die Ausbau-Profiteure hinwegflögen. Das tun sie indirekt, zumindest in Frankfurt. Die wichtigsten Aktionäre sind das Land Hessen und die Stadt Frankfurt - und damit der Steuerzahler. Das Gerechtigkeitsproblem bleibt trotzdem ungelöst, weil alle Steuerzahler als Flughafen-Aktionäre von der Stärkung des Airports profitieren - wenn auch kaum fühlbar - und wenige den Fluglärm aushalten müssen.

          Belästigung und Gewinn müssen angemessen verteilt werden

          Weitere Profiteure sind die Arbeitnehmer, von denen ein großer Teil in den betroffenen Flughafen-Anrainer-Kommunen leben dürfte. Sie dürfen sich über Arbeit freuen und nehmen dafür Lärm in Kauf. Das klingt zumindest nicht ungerecht. Weitere Profiteure sind die Vielflieger. Sie wohnen, wenn der gesunde Menschenverstand nicht täuscht, in den reichen Taunuskreisen und wohlhabenden Frankfurter Stadtteilen.

          Tatsächlich fürchten die Bürger dort mehr Fluglärm. Doch bleiben sie weniger betroffen als viele andere Leute in Anrainer-Kommunen. Aber der Verdacht, die wohlhabenden Bürger der Rhein-Main-Gebiets hätten es durch geschickte Lobby-Arbeit geschafft, die Fluglinien von ihnen fernzuhalten, lässt sich nicht erhärten.

          Fest steht, dass viele Bürger Fluglärm erdulden, ohne dass ihnen der Ausbau unmittelbaren Nutzen stiftet. Für sie bleibt kein Trost, außer Geld. Sie müssen entschädigt werden. Nicht nur die zusätzliche Belästigung gilt es angemessen zu verteilen, sondern auch den Gewinn.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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