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Flughafen Frankfurt : Lufthansa arrangiert sich mit Nachtflugverbot

Die Chancen stehen schlecht, noch aber hofft die Lufthansa auf ein Urteil in Leipzig, dass Nachtflüge auf den „alten“ Start- und Landebahnen des Flughafens erlaubt. Bild: dapd

Die Deutsche Lufthansa fügt sich: Entgegen früherer Aussagen kann sich die Fluglinie wohl auch mit einem dauerhaften Nachtflugverbot abfinden. Vor allem kämpft sie nun gegen eine Ausweitung des Verbots.

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          Die Deutsche Lufthansa kann sich mit der drohenden Verstetigung des Nachtflugverbots zwischen 23 Uhr und 5 Uhr an ihrem zentralen Drehkreuz Frankfurt arrangieren. Eine vom Bundesumweltamt ins Spiel gebrachte Ausweitung des Verbots auf die Zeitspanne zwischen 22 Uhr und 6 Uhr bezeichnete der Vorstandsvorsitzende Christoph Franz am Donnerstag indessen als „ein Schreckensszenario, das unser Geschäftsmodell in Frage stellt“, weil dann eine reibungslose Anbindung zwischen Inlandsflügen und Interkontinentalverbindungen nicht mehr möglich sei.

          Eine Landebahn als „politisches Hoffnungszeichen“

          Carsten Knop
          Herausgeber.
          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für das Frachtgeschäft und den Passagierbetrieb habe sich das im Herbst 2011 eingeführte, zeitlich strikt begrenzte Nachtflugverbot schon als problematisch erwiesen: Binnen drei Monaten mussten 19 Flüge verschiedener Fluggesellschaften jeweils auf den nächsten Tag verschoben werden, was Folgekosten für Hotelübernachtungen und Weitertransport nach sich zog. Die Lufthansa hofft dennoch auf ein Urteil in Leipzig, dass Nachtflüge auf den „alten“ Start- und Landebahnen des Flughafens erlaubt. Immerhin sei die Inbetriebnahme der neuen Nordwest-Landebahn in Frankfurt ein „politisches Hoffnungszeichen dafür, dass Infrastrukturprojekte in Deutschland grundsätzlich noch möglich sind“.

          Ein dauerhaftes Nachtflugverbot beschränke die für die Luftfracht zuständige Tochtergesellschaft Lufthansa Cargo zwar in ihrem Wachstum, heißt es in der Zentrale des Konzerns. Gleichwohl sei die Heimatbasis in Frankfurt deutlich effizienter und das Frachtgeschäft auf die enge logistische Anbindung an die Passagierflotte der Lufthansa angewiesen, so dass eine Aufgabe von Frankfurt nicht zur Debatte stehe. „Alles andere ist Kindergarten“, sagte Franz anlässlich der Bilanzvorlage seines Konzerns.

          Kriterien wohl richtig angewendet

          Am Mittwoch war das dauerhafte Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen in greifbare Nähe gerückt. Denn auch am zweiten Tag des Verfahrens um die nächtlichen Starts und Landungen konnten die Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Argumenten der Anwohner viel abgewinnen: Der Senatsvorsitzende Rüdiger Rubel ließ erkennen, dass er das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes (VGH) aus dem Jahr 2009 bestätigen will. Schon am nächsten Tag hatte die Deutsche Lufthansa in Frankfurt ihre Bilanzpressekonferenz - und konnte reagieren.

          Vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport war schon zuvor klargemacht worden, dass Nachtflüge vor allem strategische Bedeutung gehabt hätten. Frankfurt sei der zentrale Frachtflughafen Europas. Wenn ein Nachtflugverbot komme, werde sich das Geschäft langfristig verlagern. Die unmittelbaren Einflüsse auf das laufende Jahr seien hingegen eher gering. Städte in der Einflugschneise wie Offenbach und Rüsselsheim, ein Klinikum und Privatpersonen hatten gegen eine Verordnung des Landes Hessen geklagt, nach der 17 Flüge zwischen 23 Uhr und 5 Uhr erlaubt sein sollen. Der VGH hatte diese Flüge gestrichen und später ein vorläufiges Nachtflugverbot verhängt. Die erste Instanz habe die Kriterien zum Schutz der Nachtruhe wohl richtig angewendet, sagte Rubel.

          Urteil soll am 4. April verkündet werden

          „Wenn ein Flughafen wie Frankfurt in der Champions League spielt, bedeutet dies nicht automatisch, dass dort rund um die Uhr geflogen werden darf“, sagte der Richter. Vor allem sei wichtig, wie viele Wohnsiedlungen in der Nähe lägen. Zudem seien die Lärmschutzbelange enorm wichtig. Als Begründung für Nachtflüge reiche es keineswegs aus, den Fluggesellschaften möglichst optimale Entfaltungsmöglichkeiten bieten zu wollen.

          Die Richter in Leipzig wollen ihr Urteil nun am 4. April verkünden. Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) kündigte an, das dauerhafte Nachtflugverbot umzusetzen, wenn es nach dem Urteil rechtssicher ist. Fraport hatte übrigens in seinem Bauantrag beim hessischen Wirtschaftsministerium seinerzeit auch gar keine Nachtflüge verlangt. Die 17 Flugbewegungen hatte erst die Behörde in den Planfeststellungsbeschluss geschrieben, zur Überraschung aller.

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