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Flughafen BER – Eine Chronik des Scheiterns

Von BRITTA BEEGER

06.03.2017 · Schon kurz nach der Wiedervereinigung entsteht die Idee für einen zentralen Berliner Flughafen. Er soll die vorhandenen Flughäfen in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg gründen die Berlin Brandenburg Flughafen Holding.

1991 – Die Idee steht Schon kurz nach der Wiedervereinigung entsteht die Idee für einen zentralen Berliner Flughafen. Er soll die vorhandenen Flughäfen in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg gründen die Berlin Brandenburg Flughafen Holding.

Juni 1996 – Wo soll gebaut werden? Wo soll der neue Flughafen gebaut werden? Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau von Schönefeld, die Flughäfen Tegel und Tempfelhof sollen geschlossen werden.
Die Eröffnung ist für 2007 geplant.

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Mai 2003 – Das Scheitern beginnt Der Flughafen sollte ursprünglich privat gebaut und betrieben werden. Doch alle Versuche, das Projekt in die Hand eines Konsortiums zu geben, scheitern. Berlin, Brandenburg und der Bund beschließen, den Flughafen selbst zu bauen. (Hier der geplante Umriss des Flughafengeländes, wie er in Berlin Schönefeld präsentiert wurde.)

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13. August 2004 – Der Flughafen darf gebaut werden Die Potsdamer Landesregierung entscheidet: Der Flughafen darf unter Auflagen gebaut werden (damals noch unter dem Projektnamen BBI für Berlin Brandenburg International). Die Kapazität soll etwa 20 Millionen Passagiere im Jahr betragen, der Bau rund 1,7 Milliarden Euro kosten.

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März 2006 – BER wird mit Klagen überhäuft Mehr als 4000 Klagen gehen gegen den neuen Hauptstadtflughafen ein, doch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig genehmigt in letzter Instanz den Flughafenausbau. Es verschärft allerdings die Lärmschutzauflagen.

5. September 2006 – Der Spatenstich Mit einem feierlichen Spatenstich beginnt der Bau des neuen Hauptstadtflughafens (von links:Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck am 5.9.2006). Bis Herbst 2011 soll er fertig sein.
Geplante Eröffnung: Herbst 2011.

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Juli 2008 – Die Kosten steigen Der Flughafen soll jetzt 2,2 Milliarden Euro kosten. Als Grund für die höheren Kosten wird der Bau zweier zusätzlicher Seitenflügel angegeben. So sollen mehr Fluggäste abgefertigt werden können.
Geplante Eröffnung: Herbst 2011.

30. Oktober 2008 – Tempelhof schließt Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

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11. Dezember 2009 – Der Name steht Der Flughafen wird nach dem früheren Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt benannt. Der Hauptname lautet „Flughafen Berlin Brandenburg“, die internationale Bezeichnung „Berlin Brandenburg Airport“. Festgelegt wird auch der Drei-Buchstaben-Code BER, mit dem er international abgekürzt wird.
Geplante Eröffnung: Herbst 2011.

25. Juni 2010 – Verschiebung, die erste Der Eröffnungstermin wird zum ersten Mal verschoben: vom Herbst 2011 auf den 3. Juni 2012. Grund ist unter anderem die Pleite einer Planungsfirma.
Geplante Eröffnung: 3. Juni 2012.

September 2010 – Neue Proteste Nachdem die Deutsche Flugsicherung einen ersten Vorschlag zu den Flugrouten vorlegt, protestieren Tausende Anwohner und reichen neue Klagen gegen den neuen Flughafen ein. Sie fordern ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.
Geplante Eröffnung: 3. Juni 2012.

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Januar 2012 – Neue Flugrouten Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung gibt die Flugrouten bekannt und orientiert sich weitgehend an Vorschlägen der Fluglärmkommission. Für die Anwohner soll es einen umfassenden Schallschutz geben.
Geplante Eröffnung: 3. Juni 2012.

Mai 2012 – Verschiebung, die zweite Nur vier Wochen vor dem geplanten Termin teilt Aufsichtsratschef Klaus Wowereit mit, dass die Eröffnung erneut verschoben wird. Grund sind vor allem Probleme mit der Brandschutzanlage. Technikchef Manfred Körtgen und das Generalplanungskonsortium „pg bbi“ werden entlassen. Als neuer Eröffnungstermin gilt der 17. März 2013. Uhr.
Geplante Eröffnung: 17. März 2013.

September 2012 – Verschiebung, die dritte Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung des BER auf den 27. Oktober 2013 verlegt. Die Kosten steigen auf 4,3 Milliarden Euro.Geplante
Geplante Eröffnung: 27. Oktober 2013.

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November 2012 – Optimistisch „Wir sind im Zeitplan.“ (Aufsichtsratsvorsitzender und Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit)
Geplante Eröffnung: 27. Oktober 2013.

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Dezember 2012 – Baumängel über Baumängel Die Rolltreppen sind zu kurz, in die Lüftung läuft Regenwasser und auch beim Brandschutz gibt es neue Probleme: Ein internes Protokoll offenbart neue Baumängel am BER. Mehrere Gutachten gehen zudem davon aus, dass der Flughafen schon bei der Eröffnung an Kapazitätsgrenzen stoßen könnte.

Januar 2013 – Die vierte Verschiebung Die für Oktober geplante Eröffnung wird wegen Brandschutzproblemen zum vierten Mal verschoben. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt von Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit den Aufsichtsratsvorsitz, Rainer Schwarz muss als Geschäftsführer seinen Hut nehmen.
Eröffnungstermin: unbekannt.

März 2013 – Neuer Chef Er soll es richten: Hartmut Mehdorn wird neuer Flughafenchef.
Eröffnungstermin: unbekannt.

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23. Oktober 2013 – Führungsstreit Nach monatelangem Führungsstreit greift der Aufsichtsrat durch und entlässt den technischen Geschäftsführer Horst Amann.
Eröffnungstermin: unbekannt.

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20. Februar 2014 – Doch kein Probebetrieb In einem Seitenflügel des Terminals will Mehdorn ab Juli eigentlich einen Probebetrieb aufnehmen, um Systeme und Abläufe zu testen. Nun stoppt er den Plan. Der Grund: Mangelnde Unterstützung aus dem Aufsichtsrat.
Eröffnungstermin: unbekannt.

4. Juni 2014 – Der Nächste, bitte Der nächste Technikchef muss gehen: Diesmal trifft es den unter Korruptionsverdacht stehenden Jochen Großmann. Ihm folgt wenige Wochen später Jörg Marks, der von Siemens kommt.

13. Juni 2014 – Jetzt muss es klappen Mehdorn verspricht, den nächsten Eröffnungstermin in jedem Fall einzuhalten. „Spätestens Ende des Jahres sind wir so weit, einen Termin zu nennen, und der wird es dann sein. Das garantiere ich“, sagt er in einem Zeitungsinterview.

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30. Juni 2014 – Kosten und kein Ende Mehdorn fordert vom Aufsichtsrat, weitere 1,1 Milliarden Euro freizugeben, und der tut es auch. Der Kostenrahmen steigt damit auf 5,4 Milliarden Euro.

24. Juni 2014 – Ein Hochstapler? Die nicht funktionierende Entrauchungsanlage gilt als Hauptursache für das Desaster des Berliner Flughafens. Nun stellt sich heraus: Deren Planer Alfredo di Mauro war gar kein Ingenieur, sondern technischer Zeichner.

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August 2014 – Kein Planer Niemand will den Flughafen planen: Eine europaweite Ausschreibung für die zentrale Planung und Baukoordinierung am BER wird gestoppt. Offenbar sind keine brauchbaren Angebote eingegangen.

Dezember 2014 – Mehdorn nennt neuen Eröffnungstermin Hartmut Mehdorn sagt, der Flughafen werde im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet.
Geplante Eröffnung: Zweites Halbjahr 2017.

März 2015 – Noch ein neuer Chef Der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld übernimmt nach dem Rücktritt von Hartmut Mehdorn den Chefposten der Berliner Flughafengesellschaft.
Geplante Eröffnung: Zweites Halbjahr 2017.

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August 2015 – Imtech ist pleite Die deutsche Tochtergesellschaft des Baukonzerns Imtech meldet Insolvenz an. Damit ist eine der wichtigsten Baufirmen der Großbaustelle pleite. Das könnte die Bauarbeiten weiter verzögern, sagt der neue Flughafenchef Mühlenfeld, er hält aber dennoch am geplanten Eröffnungstermin 2017 fest.
Geplante Eröffnung: Zweites Halbjahr 2017.

September 2015 – Baustopp wegen schwerer Rauchgasventilatoren Weil an einigen Deckenfeldern am Hallendach zu schwere Rauchgasventilatoren montiert wurden, verhängt die Baubehörde einen Baustopp für das gesamte Terminal. Anfang Oktober darf dann wieder weitergebaut werden.
Geplante Eröffnung: Zweites Halbjahr 2017.

April 2016 – Der Pressesprecher muss gehen Er ist erst 100 Tage im Amt, da gibt der neue Pressesprecher der Flughafengesellschaft einer Fachzeitschrift ein freimütiges Interview. Die alte Flughafencrew habe „zu viel verbockt“, sagt Daniel Abbou darin. Und es seien „zu viele Milliarden in den Sand gesetzt worden“. Das war es für ihn. Er wird von seinem Posten freigestellt. Begründung: Das Interview sei nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt worden.
Geplante Eröffnung: Zweites Halbjahr 2017.

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21. Januar 2017 Offizielle Absage der Eröffnung für 2017
Geplante Eröffnung: 2018.

6. März 2017 – Mühlenfeld geht, Daldrup kommt Der Chef des BER, Karsten Mühlenfeld, verlässt vorzeitig das Unternehmen. Er habe eine Vertragsauflösung unterschrieben, erfuhr die dpa am Montag aus Aufsichtsratskreisen.
Der Berliner Staatsekretär Engelbert Lütke Daldrup wird neuer Geschäftsführer der Berliner Flughäfen. Zudem verlässt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Aufsichtsrat des Unternehmens, wie dieser am Montag ankündigte.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 30.07.2019 10:06 Uhr