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Fluggesellschaften kritisieren Sperrung : „Man könnte schon lange wieder fliegen“

  • Aktualisiert am

Der Himmel über Frankfurt Bild: dpa

Mehrere Fluggesellschaften haben die Sperrung des Luftraums auf Grund von Computersimulationen kritisiert und eigene Messungen in Deutschland gefordert. Ein DWD-Meteorologe betonte dagegen, die Wolke über Deutschland sei nachgewiesen.

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          Bei den Fluggesellschaften wächst der Unmut über die Sperrung des Luftraums über Europa. Air Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold sagte „Bild am Sonntag“: „Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Vulcanic Ash Advisory Centre in London“. Aufgrund dieser Daten errechnet der Deutsche Wetterdienst kontaminierte, also mit Vulkanasche belastete Gebiete. Mit diesen Daten wiederum entscheidet die Deutsche Flugsicherung DFS über ein Flugverbot oder deren Aufhebung. Hunold, Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, sagte weiter: „Es ist in Deutschland noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befindet.“

          Die Deutsche Flugsicherung hatte die Sperrung des Luftraums über Deutschland für reguläre Passagierflugzeuge wegen der Aschewolke am Sonntagmorgen bis 20.00 Uhr verlängert. Über das weitere Vorgehen solle im Laufe des Tages entschieden werden, teilte eine Sprecherin am Sonntagmorgen mit.

          Bei der Deutschen Lufthansa hieß es: „Wir haben heute zehn Überführungsflüge von Großraumjets der Typen Boeing 747 und Airbus 340 von München nach Frankfurt durchgeführt. Dabei sind unsere Maschinen bis auf 24.000 Fuß, also rund 8000 Meter Höhe, gestiegen“, sagte Konzernsprecher Klaus Walther. „In Frankfurt wurden die Maschinen von unseren Technikern untersucht. Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken fanden sie auch nur den kleinsten Kratzer.“ Walther weiter: „Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen.“

          Lufthansa verwies auf einen Bericht der „Bild am Sonntag“, demzufolge ein Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) nicht einsatzbereit war. Von Lasermessgeräten des Deutschen Wetterdienstes seien fünf von sechs gerade in der Wartung gewesen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kündigte in der „Bild am Sonntag“ an, am Montagabend ein Flugzeug mit Wissenschaftlern des Instituts für Atmosphärenphysik in Oberpfaffenhofen starten zu lassen.

          Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach eigenen Angaben Vulkanasche in der Luft über Süddeutschland belegt. Messungen mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißenberg bei München haben Aschestaub in den Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern nachgewiesen, sagte ein DWD-Meteorologe am Sonntag in Offenbach bei Frankfurt. Dies könne anhand deutlich gesunkener Messwerte für Ozon gezeigt werden, das mit Stoffen aus der Aschewolke reagiert habe. „Die Wolke ist da.“

          Die Fluggesellschaft KLM hat zwischen Amsterdam und Düsseldorf eine Serie von Testflügen zur Überprüfung der Gefahren durch die Aschewolke über Europa gestartet. Eine Boeing 737 mit 20 Besatzungsmitgliedern sei am Sonntagmorgen von Amsterdam-Schiphol nach Düsseldorf geflogen, teilte die KLM-Sprecherin Joyce Veekman mit. Die Maschine sei um 08.30 Uhr gestartet und inzwischen in Düsseldorf sicher gelandet. Acht weitere Testflüge sollten im Laufe des Tages folgen, fügte die Sprecherin hinzu. Ein Sprecher der niederländischen Regierung erklärte, die Testflüge seien auf Anfrage der Europäischen Union durchgeführt worden. Auch in Frankreich und Belgien fanden demnach Testflüge statt.

          Auch Airline-Chef Niki Lauda („Flyniki“) und die Führung der Austrian Airlines (AUA) kritisierten die Sperrung des österreichischen Luftraums. Die Flugunternehmer bezweifeln, dass die Vulkanasche-Wolke aus Island derzeit noch eine Gefahr für den Flugverkehr in dem Alpenland darstellt. „Die Partikel sind nach Rücksprache mit meinem Triebwerkserzeuger mittlerweile kein Problem mehr“, sagte Lauda auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den AUA-Vorständen Peter Malanik und Andreas Bierwirth in Wien. „Meiner Meinung nach könnte man schon lange fliegen.“

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