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Flugrouten : Flüge über Krisengebiete in der Diskussion

Blick auf den Luftraum am Freitagnachmittag: Die Ostukraine ist nach dem Abschuss von Flug MH17 mittlerweile für die allermeisten Fluglinien tabu. Bild: Screenshot Flightradar24

Nach dem Absturz in der Ukraine herrscht Konfusion. Die Fluglinien haben die Gefahren unterschiedlich eingeschätzt. Wieso?

          Bis Donnerstagnachmittag haben sich Fluggäste zwischen Europa und Asien vermutlich kaum dafür interessiert, über welche Länder sie genau fliegen. Seit dem mutmaßlichen Abschuss des Flugs MH17, einer Boeing 777 der Malaysia Airlines, in etwa 10.000 Meter Höhe über der Ostukraine sind viele beunruhigt. Und Fluggesellschaften werden sich Fragen gefallen lassen müssen, warum sie welche Route in der Region nehmen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Denn viele Kunden wundern sich, warum über einem Gebiet, wo in den vergangenen Tagen mehrere Militärflugzeuge abgeschossen wurden, überhaupt ein Passagierjet unterwegs war. Auch wenn Sicherheitsexperten bislang die Wahrscheinlichkeit, dass Terroristen Waffen in den Händen halten, die in der Lage sind, Flugzeuge in dieser Höhe abzuschießen, als sehr gering einschätzen: Offensichtlich haben Fluggesellschaften die Gefahrenlage unterschiedlich bewertet.

          Air Berlin teilte mit, schon seit Beginn der Krim-Krise nicht mehr den ukrainischen Luftraum genutzt zu haben. Auch asiatische Airlines ließen wissen, die Route schon mehrere Monate wegen der Krise nicht mehr zu nutzen. Mehrere Fluggesellschaften haben aber erst nach dem Vorfall beschlossen, den Luftraum über der Krisenregion zu meiden.

          Flugrouten von Europa nach Südostasien

          Die Deutsche Lufthansa und Air France kündigten an, künftig die Region zu umfliegen. Condor fliegt schon seit Dezember 2013 nicht über die Ukraine.

          Das Internetportal Flightradar24 twitterte am Freitag jedoch, dass viele Fluggesellschaften, die angeblich seit Monaten nicht mehr über die Ukraine flögen, noch bis zum Donnerstag den ukrainischen Luftraum durchquert hätten. Namen nennt das Portal nicht.

          Ein Blick auf die Flightradar24-Karte nach dem Abschuss zeigt: Die Ostukraine ist mittlerweile für die allermeisten Fluglinien tabu. Die Luftstraße über die Ukraine und Russland wird von fast allen Europaflügen in den Mittleren Osten und nach Asien benutzt und gilt als ungefährlich.

          Rund 700 Flüge überqueren die Großregion täglich auf dem Weg zwischen Europa und dem asiatischen Raum. „Dieser Vorfall könnte zu einer grundlegenden Neubewertung führen, ob und wie die Fluggesellschaften künftig über Krisenregionen mit niedriger Intensität fliegen“, sagt der Luftfahrtexperte Greg Waldron. Er ist der Asien-Herausgeber von „Flightglobal“, einem Branchenmagazin der Luftfahrtindustrie.

          „Es ist keine Route, die bisher als besonders gefährlich eingestuft wurde“

          Noch bis vor dem Abschuss hatte die Europäische Agentur für Flugsicherheit lediglich davor gewarnt, die Ukraine unterhalb einer Höhe von 10.000 Metern zu überfliegen. „Es ist keine Route, die bisher als besonders gefährlich eingestuft wurde“, sagt auch Luc Tytgat von „Eurocontrol“ in Brüssel. In Europa sammelt die Eurocontrol alle relevanten Daten für die Sicherheit des Luftverkehrs. Außerhalb Europas gibt es solch eine Institution nicht. Die Airlines müssen sich selbst über mögliche Route kümmern. Die Fluggesellschaft Condor etwa hat eine eigene Abteilung im Haus, die Flugrouten analysiert.

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