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Erstes Halbjahr 2019 : Flüge sind nur noch 12 Minuten verspätet

Zwei Minuten weniger als im Vorjahr waren die Flüge im ersten Halbjahr 2019 im Durchschnitt weniger verspätet. Bild: Reuters

Im vergangenen Jahr herrschte Chaos am Himmel. Daraufhin verabredete die Luftfahrtbranche Notfallmaßnahmen. Die scheinen nun zu greifen, die Flüge werden wieder pünktlicher – zumindest ein bisschen.

          Unterschiedlicher können die Diskussionen nicht sein: 2018 stand die deutsche Luftfahrt am Pranger, weil sie dem Wachstum nicht Herr wurde und Verspätungen in Rekordausmaß verursachte. 2019 dominiert die Debatte über die Folgen des Fliegens für das Klima und Protestierer verkünden, nie wieder fliegen zu wollen. In den Verkehrszahlen schlägt sich das nicht nieder – die steigen. Doch die Deutsche Flugsicherung (DFS) meldet Fortschritte im Kampf gegen Chaos und Verspätungen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa sind Flüge etwas pünktlicher geworden. Dennoch flog im ersten Halbjahr jeder Flieger im Durchschnitt 12 Minuten dem Plan hinterher, wie aus Zahlen hervorgeht, die die DFS am Montag veröffentlicht hat. Im Vorjahreszeitraum waren es 14,1 Minuten. Die DFS sieht die Gründe für den Rückgang darin, dass Notmaßnahmen, die in Deutschland auf zwei Luftfahrtgipfeln verabredet wurden, beginnen zu greifen: Fluglinien haben Flugpläne entzerrt, Unternehmen mehr Personal eingestellt, die DFS selbst bildet mehr aus, kurze Flüge werden auf niedrigeren Höhen gelassen und Piloten werden im Flug Einzelfreigaben zum kurzfristigen Abweichen von angemeldeten Routen verweigert.

          Das Wetter ist nicht schuld

          In der Statistik unterscheidet die DFS zwischen Ursprungsverspätungen, die von 7,7 auf 6,9 Minuten je Flug gesunken sind, und Folgeverspätungen, die aus vorangegangenen Flügen ergeben. Sie sind von 6,4 auf 5,1 Minuten zurückgegangen. Als Hauptverantwortliche für Ursprungsverspätungen gelten laut europäischer Flugsicherung Eurocontrol weiter die Fluggesellschaften selbst – mit 3,2 Minuten je Flug, Fluglotsen tragen mit 1,1 Minuten – also 66 Sekunden – bei. Schlechtes Wetter führt im Schnitt nur zu 0,6 Minuten Verzögerung je Flug.

          Besonders die Deutsche Flugsicherung war im vergangenen Jahr in die Kritik von Fluggesellschaften geraten. Sie ist mit dem Kontrollzentrum Karlsruhe für einen Bereich des oberen Luftraums verantwortlich, den besonders viele Flüge in Europa durchqueren. Und gerade dort zeigten sich nach Sparanstrengungen früherer Jahre die Folgen von Personalengpässen. Zwar befinden sich nur 3,4 Prozent des europäischen Luftraums über Deutschland, aber jeder dritte Flug ist über der Bundesrepublik unterwegs – weil er hier startet oder landet oder das Land kreuzt. Mit 38,8 Prozent machen die Überflüge hierzulande einen großen Teil der Arbeit für die DFS aus.

          Und der Verkehr nimmt weiter zu. Für ganz Europa wurden im ersten Halbjahr 4,8 Millionen von Lotsen überwachte Flüge gezählt, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mit 1,6 Millionen Flügen hatte die DFS zu tun, das war ein Plus von 1,3 Prozent – nach 3,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für den Monat Juni gab es nun sogar einen Rückgang um 0,8 Prozent.

          Flugverkehr wächst langsamer

          Prognosen deutet daraufhin, dass sich auch unabhängig von Klimadebatten das Wachstum verlangsamt. Für die nächsten fünf Jahre prognostiziert Eurocontrol im mittleren von drei Szenarien eine Steigerung im Jahr von durchschnittlich 1,9 Prozent – mit abnehmender Tendenz. Für das laufende Jahr steht in der Prognose noch ein Zuwachs von 3,4 Prozent, ab 2023 liegen die Rate bei 1,3 Prozent oder niedriger.

          Fluggesellschaften hatten zuletzt auch Kürzungen ihrer Expansionspläne angekündigt, weil der Preiswettkampf am Himmel ihre Gewinne schrumpfen lässt, wenn nicht gar Verluste eingeflogen werden. Die Lufthansa-Billigmarke Eurowings hat ihr Wachstum auf null gesenkt und streicht zum Winter bisherige Pläne zusammen. Ryanair und weitere Gesellschaften bekommen zu spüren, dass neue 737-Max-Flugzeuge von Boeing wegen des Flugverbots für diesen Typ nicht wie geplant in die Flotten gelangen.

          2018 war ein Negativrekordjahr für die Luftfahrbranche gewesen: Nur 57 Prozent aller Flüge setzten pünktlich am Ziel auf. Für den Rekordwert von 3,3 Millionen zu koordinierenden Flügen war man nicht ausreichend gerüstet, wie die DFS selbst einräumt: „Das Verkehrswachstum ging zwar zu Lasten der Pünktlichkeit, das Sicherheitsniveau dagegen ist unverändert hoch“, heißt es im Bericht.

          Der deutet an, wo sich Engpässe häuften. Der Verkehr nach Spanien, das mit fast 15 Millionen Passagieren im Jahr das meistgewählte Zielland ist, muss den Bereich des Kontrollzentrums Karlsruhe passieren. Und während 2018 die Starts und Landungen in Deutschland insgesamt um 4 Prozent zunahmen, war das Plus in der Mitte und im Südwesten des Landes stärker ausgefallen – am Flughafen Frankfurt mit fast 8 Prozent und am Flughafen Stuttgart mit beinahe 9 Prozent.

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