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Konjunktur-Prognose : Migranten verbessern Wachstumsaussichten

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Migranten sind eine Chance für das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Bild: dpa

Deutschlands führende Forscher erwarten eine stabile Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Flüchtlinge und Asylbewerber werden daran künftig einen wichtigen Anteil haben, sagt der Chef der Wirtschaftsweisen.

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          Jeden Tag kommen Hunderte neuer Flüchtlinge über die deutschen Grenzen. Das fordert die deutsche Politik und Gesellschaft, stellt zum anderen aber auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft dar. Zu diesem Schluss kommt das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das von dem Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt geleitet wird. Mittel- bis langfristig dürften insbesondere die vielen jungen Zuwanderer die Sozialsysteme entlasten, sagen die Forscher in ihrer Herbstprognose. Dazu sei es allerdings nötig, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch wegen des demografischen Wandels stehen die Chancen hierfür laut den Essener Ökonomen nicht schlecht.

          Die deutsche Wirtschaft hält sich auch angesichts der weltwirtschaftlichen Turbulenzen gut. Die Konjunkturforscher aus Kiel und Halle bestätigten ihre Wachstumsprognosen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft wagte eine Prognose erstmals bis 2017.

          „Die Konjunktur in Deutschland hält trotz eines unruhigen weltwirtschaftlichen Umfeld Kurs“, sagt Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums. „Die Weltkonjunktur wird durch die Schwäche Chinas und der Schwellenländer etwas gedämpft. Sollte es zu einem Einbruch der chinesischen Wirtschaft kommen, hätte dies spürbare negative Auswirkungen auf das Wachstum in Deutschland und weltweit.“

          Kieler Ökonomen sehen Hochkonjunktur

          Für das laufende Jahr rechnen die Kieler Ökonomen mit einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent. Für 2016 werden 2,1 Prozent Wachstum erwartet. Im Jahr 2017 dürfte sich das Expansionstempo nicht zuletzt aufgrund der anhaltend anregenden monetären Rahmenbedingungen und der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt sogar noch einmal leicht auf 2,3 Prozent beschleunigen, heißt es in einer Mitteilung des IfW vom Donnerstag.

          Der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes würde das Potentialwachstum spürbar übersteigen, so dass Deutschland sich in einer Hochkonjunktur befindet. Das Potentialwachstum ist diejenige Produktion, die sich bei voller Auslastung der vorhandenen Kapazitäten ergibt. Mit einer Hochkonjunktur sind jedoch auch Risiken verbunden. So heißt es vom IfW weiter, dass Übertreibungen wahrscheinliche werden und sich das Rückschlagpotenzial für die deutsche Wirtschaft erhöht.

          Das Wachstum in Deutschland werde zudem insbesondere gestützt durch eine lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und durch eine günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Ökonomen rechnen mit einem starken Konsum und mit steigenden Investitionsausgaben. Auch bei den Exporten sind die Experten positiv gestimmt: So sei damit zu rechnen, dass im kommenden Jahr die Weltwirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen wird. Davon würde die deutsche Exportwirtschaft profitieren.

          IWH mit verhaltener Prognose

          Auch das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft trotz der Konjunkturschwäche in China weiter zulegen wird. Im laufenden Jahr sei eine reale Zunahme des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 Prozent zu erwarten, heißt es in der Herbstprognose des Instituts. Die Kapazitätsauslastung hat im Frühjahr zugenommen. Im dritten Quartal des laufenden Jahres dürfte die Veränderungsrate des BIP mit 0,5 Prozent leicht überdurchschnittlich ausfallen. Für 2016 rechnet das IWH mit einem Wachstum von 1,7 Prozent und äußert sich damit verhaltener als das Kieler Institut für Weltwirtschaft (2,1 Prozent).

          Auch das IWH geht davon aus, dass der deutsche Arbeitsmarkt zunehmend von Migrationsprozessen beeinflusst wird. Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit, aber auch durch die Schuldenbelastung vieler südeuropäischer Staaten und die Fluchtmigration rechnet das IWH mit rund 128.000 zusätzlichen Personen im erwerbsfähigen Alter. Wie die Essener gehen auch die Ökonomen aus Halle davon aus, dass langfristig gesehen einheimische Arbeitskräfte in Deutschland von der Zuwanderung profitieren können.

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