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Flixtrain : Der ICE-Konkurrent fährt wieder

Herausforderer: Das Zugunternehmen Flixtrain legt viele Hoffnungen in die Zeit nach der Corona-Pandemie. Bild: action press

Nach langer Corona-Pause ist Flixtrain bald wieder auf der Schiene – als einziger Wettbewerber der DB im Fernverkehr. Wie macht er das?

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          Viele Monate lang herrschte wegen der Corona-Pandemie Stillstand bei Flixtrain, dem privaten Betreiber von Eisenbahnlinien im Fernverkehr. Das soll sich in der kommenden Woche ändern. Vom 20. Mai an will der Bahnkonkurrent wieder Züge fahren lassen, und zwar häufiger und länger als vor der Krise. „Wir wollen ein deutschlandweites alternatives Angebot aufbauen, alle Ballungsräume sind nun angeschlossen“, sagt André Schwämmlein, der Vorstandsvorsitzende des Münchner Mutterkonzerns Flixmobility, der jenseits der Züge vor allem für seine froschgrünen Reisebusse unter der Marke Flixbus bekannt ist.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Verglichen mit dem Angebot, das Flixmobility den Reisenden seit 2013, also seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes auf der Straße macht, ist der Schienenverkehr noch immer im Aufbau. Flixtrain tritt mit gerade einmal neun grün lackierten Zügen gegen mehr als 300 ICE der Deutschen Bahn an. Nun sollen jedoch neue Fernstrecken in den Fahrplan aufgenommen werden. Vom 27. Mai an fährt Flixtrain bis zu achtmal am Tag zwischen Leipzig, Berlin und Hamburg – und damit auf jenen Strecken, auf denen die ICE-Züge der Deutschen Bahn tagsüber durchschnittlich alle halbe Stunde verkehren. „Wir passen in den Halbstundentakt“, sagt Schwämmlein.

          Flixtrain-Großraumabteil
          Flixtrain-Großraumabteil : Bild: Flixtrain

          Zudem sollen die Flixtrain-Züge auch von und nach München fahren, vom 17. Juni an sogar in einer Nachtverbindung zwischen der bayrischen Landeshauptstadt, Berlin und Hamburg. Weitere Verbindungen seien in Vorbereitung, heißt es. Insgesamt stehen etwa 40 Städte auf dem Fahrplan, so viele wie bei der Schwestermarke Flixbus. Flixmobility ist ein sogenanntes Plattformunternehmen, das keine eigenen Busse oder Züge besitzt, sondern die Netzplanung und die Vermarktung für die Partnerunternehmen übernimmt. Während der Konzern auf der Straße mächtig vorangekommen ist, etliche andere Fernbusunternehmen aufgekauft hat und damit inzwischen quasi über ein Monopol verfügt, trifft er auf der Schiene auf einen Konkurrenten, der im Fernverkehr praktisch selbst Monopolist ist. Die DB verfügt auf den langen Strecken über einen Marktanteil von geschätzt 99 Prozent. In der Vergangenheit hatten Bahnunternehmen immer wieder versucht, dem staatseigenen Konzern Konkurrenz zu machen. Doch ob sie Interconnex hießen, Locomore oder HKX – sie alle sind gescheitert.

          Nur im Regionalverkehr haben Konkurrenten bislang Erfolg

          Das liegt unter anderem daran, dass Zugbetreiber im Fernverkehr komplett auf eigene Rechnung fahren müssen. Ein großer Anbieter wie die Deutsche Bahn dagegen profitiert von Netzwerkeffekten, auf die ein „Newcomer“ verzichten muss. Nur im Regionalverkehr mit seinen Ausschreibungen haben DB-Wettbewerber bislang Erfolg. Dort verfügen sie über einen Marktanteil von einem Drittel, während die früher dominante Bahn-Tochtergesellschaft DB Regio noch auf zwei Drittel kommt. Diese Entwicklung spiegelt die Tatsache, dass Zugbetreiber im Regionalverkehr mit seinem Ausschreibungsmodell auf öffentliche Unterstützung hoffen dürfen, der Betrieb also anders als im Fernverkehr nicht komplett eigenwirtschaftlich erfolgt.

          Dennoch hat sich Flixtrain mit seinem noch sehr bescheidenen Angebot bislang halten können – wohl auch deshalb, weil die Schwestergesellschaft des Busbetreibers auf einige Vorteile verweisen kann. Zunächst auf Branchenerfahrung: Flixtrain hat im Jahr 2017 den gescheiterten Anbieter Locomore übernommen und damit dessen Bahnexpertise. Hinzu kommt, dass der Zuganbieter auf die Onlineplattform und die Vertriebsmacht von Flixbus setzen kann. Die mangelhafte Anbindung an das DB-Buchungssystem führten Branchenkundige neben finanziellen Gründen immer wieder als einen Grund für das Scheitern von Locomore auf. Zudem sind Flixtrain wie auch Flixbus letztlich keine Verkehrsunternehmen, sondern Verkehrsvermittler ohne eigene Fahrzeuge. Das größere geschäftliche Risiko liegt mithin bei den Partnerunternehmen, die den Betrieb abwickeln.

          Trotzdem gehört natürlich auch Flixmobility zu den Corona-Verlierern. Einigen der Buspartnerunternehmen droht die Insolvenz. Und die 40 Städte im Fahrplan sind nur ein schwacher Abglanz alter Größe. Denn vor der Pandemie hatten die grünen Busse zehnmal so viele Städte angesteuert. Nichtsdestoweniger gibt sich Gründer Schwämmlein zuversichtlich: „Wir sind durch das Tal durch in Deutschland.“

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