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Werner Kieser : Der Pionier des Krafttrainings ist tot

Werner Kieser Bild: Helmut Fricke

Werner Kieser ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Am Tag davor trainierte der Schweizer noch in einem seiner Fitness-Studios.

          2 Min.

          „Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz.“ Diesen Satz kennt jeder, der schon einmal in einem der Fitness-Studios von Werner Kieser war. Das von dem Schweizer entwickelte und nach ihm benannte medizinische Krafttrainingsprogramm hat unzähligen Menschen dabei geholfen, das Zwicken in Nacken oder Schulter loszuwerden. In der Nacht zum Mittwoch ist Kieser im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Zürich an Herzversagen gestorben. Noch am Dienstag hatte er gemeinsam mit seiner 20 Jahre jüngeren Frau und Geschäftspartnerin Gabriela Kieser eines seiner Studios besucht. Es war das letzte Krafttraining seines Lebens.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dass Kieser einmal zu einem Pionier des Krafttrainings werden würde, war in keiner Weise vorgezeichnet. Er war gelernter Schreiner und betrieb in den fünfziger Jahren einen Amateurboxring. Er selbst wusste auch sehr gut mit den Fäusten umzugehen. In einem seiner Kämpfe verletzte er sich schmerzhaft am Brustfell. In der Verletzungspause traf der junge, ambitionierte Sportler einen spanischen Profikollegen, der ihm entgegen der Vorgabe der Ärzte dazu riet, sich nicht zu schonen, sondern gezielt Krafttraining zu betreiben. Die Methode wirkte. Kieser wurde nicht nur schneller gesund, sondern auch stärker, und damit war sein Interesse an dieser Art der Körperertüchtigung geweckt.

          Erstes Studio öffnete 1966 in Zürich

          Für sein erstes Studio, das er 1966 in Zürich eröffnete, schweißte sich der geschulte Handwerker die Trainingsapparate noch selbst aus Alteisen zusammen. Einen ähnlichen Improvisationsgeist bewies er in den Jahren danach auch immer wieder, wenn es darum ging, finanzielle Engpässe zu überwinden, die richtigen Werbemethoden zu finden oder die Kunden auf seine Trainingsideen einzuschwören. „Ich bin kein guter Manager, aber ich wollte immer autonom sein“, sagt er vor vielen Jahren im Gespräch mit der F.A.Z.

          Ganz der eingefleischte Unternehmer, der sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen ließ, stellte er gerne die Fehler heraus, die er auf seinem Weg gemacht hat – fast schon ein wenig damit kokettierend. In seiner Autobiographie beschrieb er beinahe genüsslich, wie er 1981 in Zürich ein zweites Studio eröffnete – und prompt auf zwei junge Franchisenehmer hereinfiel, die in Wahrheit gar kein Eigenkapital hatten, dafür aber „rassige Autos“. Auch die Expansion in Deutschland lief anfangs nicht gerade wie am Schnürchen: Der Standort des ersten Studios in Frankfurt lag ausgerechnet im verrufenen Bahnhofsviertel. Den nächsten Schritt wagte Kieser in Hamburg. Doch anfangs kamen kaum Kunden.

          Ein Marketingtalent

          Mit der Zeit setzte sich das Konzept jedoch mehr und mehr durch, wozu auch Kiesers Marketingtalent beitrug. Der eher kleine, freundlich wirkende Mann mit dem breiten Kreuz, dem silbergrauen Stoppelhaar und der markanten schwarzen Nickelbrille überzeugte sehr viele Menschen von seiner Idee, dass richtiges und ständiges Krafttraining das Leben insgesamt erleichtert. Wer stark ist, trägt leichter an sich selbst, lautete eine seiner Maximen. Ein anderer, viel zitierter Spruch lautetet: „Die Alten werden zu Tode geschont.“

          Bei allen Zufällen, die sein Leben prägten, besaß der in einem kleinen Dorf geborene Mann stets auch einen untrüglichen Sinn dafür, welche Hindernisse er für die Verbreitung seiner Idee aus dem Weg räumen musste und wie viel Disziplin und Härte dafür nötig sein würden. Seine Studios funktionierten, wenngleich mit immer ausgefeilteren Trainingsgeräten ausgestattet, stets nach Kiesers Grundsatz: „Bei uns wird einfach nur trainiert.“ Und: „Wem als Unternehmer eine gute Idee zu langweilig wird, der verzettelt sich schnell. Und man muss sehr reich sein, um sich das leisten zu können.“ Die Fokussierung zahlte sich aus. Über Franchisenehmer baute der „Rückenpapst“ eine Kette mit 160 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, die er 2017 an seinen langjährigen Geschäftsführer Michael Antonopoulus und an seinen Verwaltungsrat Nils Planzer verkaufte. Damit machte der Schweizer Kraftmann ein zuvor schon gemachte Vorhersage wahr: „Die Kette und die Idee werden mich überleben.“

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