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Finanzplanung im Ruhestand : Was brauche ich?

Kostspielig: Für den Garten geben Ruheständler meist mehr Geld aus als zuvor Bild: dapd

Mehr Reisen, mehr Theater, schöner wohnen - der Ruhestand ist nicht billig. Aber gut geplant lässt sich das finanzieren. Zumal auch Entlastungen winken: Keine Pendelei zur Arbeit, keine Ausgaben mehr für die Kinderausbildung oder die Kreditraten fürs Haus.

          Es war ein jahrzehntelanger Kampf. Sparen, sparen für die Rente wurde den Berufstätigen immer wieder eingehämmert. Sie quetschten widerwillig die letzten Märker und Euro aus ihren Geldbeuteln, um Rentenkassen, Versicherungs- und Fondssparpläne zu bedienen. Nun, am Ende des Berufslebens, muss Bilanz gezogen werden. Reicht das Angesparte für alle Wünsche und Notwendigkeiten, die im Ruhestand zu bezahlen sind?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das hängt natürlich davon ab, wie viel Geld für das Leben mit 60plus benötigt wird. Es ist ja keineswegs so, dass man im Ruhestand genauso viel ausgibt wie im Berufsleben. Die Spritkosten für die Fahrt zur Arbeit fallen weg, dafür soll jetzt mindestens eine weitere Fernreise im Jahr drin sein. Die meisten brauchen in Summe weniger Geld als bisher, manche aber auch mehr.

          Ein Vergleich von Bruttoeinkommen würde in die Irre führen

          Für eine gute Finanzplanung des Ruhestandes müssen Bald-Rentner also zuerst überlegen, wie viel Geld sie brauchen. Das ist gar nicht so leicht, denn die meisten wissen ja kaum, was sie aktuell ausgeben, geschweige denn, was sie in ein paar Jahren ausgeben, wenn sich das Leben im Ruhestand völlig verändert. Aber keine Sorge: Das ist zu schaffen.

          Die Beine hochlegen: Am stärksten steigen die Ausgaben für Freizeit und Reisen

          Wie viel Geld braucht man also im Ruhestand? Ein Vergleich mit den eigenen Eltern scheidet aus, denn das Konsumverhalten der Rentner von heute hat sich geändert im Vergleich zu früher. Heutige Ruheständler sind rüstiger als frühere Generationen, reisen daher mehr, gehen häufiger in Oper und Theater und genießen das Leben im Alltag mehr und länger, was aber auch mehr Geld kostet.

          Bankberater und Versicherungsmakler, die gerne bei der Finanzplanung helfen wollen, liefern schnell Faustregeln. 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens war bisher der klassische Annahme für den Bedarf im Ruhestand, denn ein paar Belastungen aus der Zeit des Berufslebens fallen weg. Der Bezug zum Nettoeinkommen ist wichtig, weil im Alter die Sozialabgaben und meist auch die Steuern niedriger sind, ein Vergleich von Bruttoeinkommen also in die Irre führen würde.

          Die größten Ausgabeblöcke sind Wohnen, Freizeit und Reisen

          Neuere Zahlen zeigen aber, dass die heutigen Rentner wegen der höheren Ansprüche mehr ausgeben als früher: „Wir gehen daher heute von einem Bedarf von 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens aus“, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, das sich intensiv mit Altersvorsorge beschäftigt.

          Von solchen Formeln hält Michael Huber gar nichts. Er ist Vermögensberater des VZ Vermögenszentrums. „Die Lebenssituation und das Ausgabeverhalten sind individuell so verschieden, dass Manche nur 60 Prozent brauchen, andere sogar mehr als vorher.“ Seine Empfehlung: In den letzten Jahren vor dem Ende des Berufslebens mal für 12 Monate ein Haushaltsbuch führen. Alle wichtigen Ausgaben werden darin aufgeführt – aber nicht jedes Eis, das man sich mal an der Straße gönnt.

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