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Finanzplanung im Ruhestand : Was brauche ich?

Ganz weg fallen die Kosten für die private Altersvorsorge, Abbuchungen für den Riestervertrag oder die Lebensversicherung gibt es nicht mehr. Auch andere Versicherungen sind nach Ende des Berufslebens nicht mehr nötig, zum Beispiel wird eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit unnötig. Spätestens um die 60 herum wird auch die Risikolebensversicherung unnötig. Einst sollte sie die Familie im Todesfall absichern – doch wenn die Raten fürs Haus bezahlt sind, ist das meist unnötig. Dazu kommt, dass die Kinder meist nicht mehr von den Eltern abhängig sind. Wer erst mal 60 ist, dessen Kinder arbeiten meist seit einigen Jahren, oder es dauert nicht mehr lange. Also fallen die Kosten für Unterhalt und Ausbildung weg. Und eine Versicherung ist dafür auch nicht mehr nötig.

Die private Krankenversicherung wird teurer

Auch die Abgaben für die Sozialversicherungen sinken tendenziell. Für die staatliche Rente und die Arbeitslosenversicherung muss naturgemäß nichts mehr bezahlt werden. Die wurden ohnehin nicht zum Nettogehalt gerechnet. Doch bei der gesetzlichen Krankenversicherung müssen Neurentner aufpassen: Zwar müssen sie wie im Berufsleben weiterhin 8,2 Prozent bezahlen und tun das von einem niedrigeren Einkommen, sie können also mit einer Ersparnis rechnen. Doch die gilt nicht für Betriebsrenten. Darauf müssen Neurentner die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zahlen, also die vollen 15,5 Prozent. Manchmal müssen sogar die Ehepartner plötzlich Beiträge zahlen, obwohl sie zuvor kostenlos mitversichert waren, und zwar dann, wenn sie eine eigene Rente bekommen.

Die Versicherungsbeiträge können sich im Ruhestand also auch erhöhen. Noch verkraftbar ist, dass die Rentner den Beitrag zur Pflegeversicherung voll mit 1,95 Prozent (Kinderlose mit 2,2 Prozent) und nicht wie in den Berufsjahren nur zur Hälfte zahlen müssen. Schmerzhafter kann es für privat Krankenversicherte werden. Sie bekommen nach wie vor nur die Hälfte des gesetzlichen Kassenhöchstbeitrags erstattet. Das tut weh, denn die private Krankenversicherung wird im Alter immer teurer. Auch die Autoversicherung wird kostspieliger.

Kein Anlass zu allzu großer Sorge

So zeigt die Analyse: Viel günstiger wird das Leben im Ruhestand nicht. Und nicht nur das: Mitten im Ruhestand ändert sich das Ausgabeverhalten noch einmal grundsätzlich. Wenn altersbedingt die Beschwerden zunehmen, steigen die Kosten für Arztbesuche und Medikamente, später für ein Pflegeheim stark an. Und die Ausgaben für Reisen sinken.

Auch das muss eine Finanzplanung zu Beginn des Ruhestandes schon berücksichtigen. Und die Neurentner müssen bedenken, dass sie schon wegen der allgemeinen Preissteigerung jährlich mehr Geld brauchen. Zwei Prozent Inflation klingen nicht viel, aber wenn sie 20 oder 30 Jahre am Geldwert knabbert, hat das graviererende Folgen. 2000 Euro Ausgaben 2011 bedeuten in 20 Jahren bei zwei Prozent Preissteigerung schon ein Bedarf von knapp 3000 Euro. Die Rentner trifft das besonders hart, denn die für sie wichtigen Ausgabenblöcke wie Gesundheit und Pflege werden überdurchschnittlich teurer.

Zu allzu großer Sorge besteht dennoch kein Anlass. Die meisten können sich einen schönen Ruhestand leisten. Wichtig ist nur, sich über die künftigen Ausgaben im Klaren zu sein. Dann kann es im dritten Lebensabschnitt richtig nett werden.

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