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Finanzmarkt : Wie die Investmentbanker reich wurden

Eiliger Schritt: Banker in London Bild: REUTERS

Ein Veteran der Londoner City schildert, wie sich seine Branche in den vergangenen Jahrzehnten in einen Selbstbedienungsladen verwandelt hat. Die Aufgabe des Trennbankensystems hält er für den „Sündenfall“.

          Der ältere Herr, der in der Lobby eines Luxushotels im Londoner West End wartet, hat sich zu einem offenen Gespräch bereit erklärt. Er ist Investmentbanker und hat viele Jahre lang im europäischen und amerikanischen Geldgewerbe gearbeitet. Der Mann war Spitzenmanager mehrerer internationaler Investmentbanken und ist in der globalen Finanzwelt bestens vernetzt. Er ist eine Art wandelndes Geschichtsbuch der City. Mittlerweile hat sich der Banker weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen. Den eigenen Namen möchte er aber mit Rücksicht auf seinen früheren Arbeitgeber lieber nicht in der Zeitung lesen. Das Thema ist ihm zu heikel.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Wer verdient mehr: der Maschinenbauingenieur in einem Industrieunternehmen oder der Investmentbanker in der Londoner City? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen – und doch ist es kein Naturgesetz, dass in der Welt der Banken das Geld vom Himmel fällt. Wirtschaftsforscher an der Universität Oxford haben anhand amtlicher Statistiken nachgerechnet und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen: Noch Mitte der siebziger Jahre konnten in Großbritannien nicht nur Ingenieure, sondern auch Anwälte, Architekten und andere Berufsgruppen mit einem höheren Einkommen rechnen als die Herren des Geldes in der City. Heute dagegen verdient ein Banker im Durchschnitt mehr als doppelt so viel wie ein Ingenieur und hat auch alle anderen untersuchten Professionen mit Ausnahme der Ärzte weit hinter sich gelassen.

          Hohe Boni trotz Verluste

          Was also ist in den vergangenen vier Jahrzehnten geschehen? Welche Kräfte haben die Banker-Einkommen in solche Höhen getrieben? Um diese Fragen soll sich das Gespräch mit dem altgedienten Investmentbanker drehen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Manager, der lange Zeit Teil des Systems war, sagt, seine Branche sei „letztlich zu einem Selbstbedienungsladen geworden“ – eine Art Kasino, in dem die Spieler viel gewinnen und nichts verlieren können.

          Das Thema ist so brisant wie nie zuvor. Die Banken schätzten „den Bonus von heute noch immer höher ein als die Geschäftsbeziehungen von morgen“, kritisierte in der vergangenen Woche Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, und attestierte der Branche, sie verweigere sich noch immer „hartnäckig“ dem Wandel. In diesem Frühjahr brachten üppige Bonuszahlungen im Kapitalmarktgeschäft trotz magerer Ergebnisse die beiden führenden europäischen Investmentbanken – die Deutsche Bank und den britischen Rivalen Barclays – in arge Erklärungsnöte gegenüber ihren Aktionären. Auch die Bezahlpraktiken anderer europäischer Institute wie Credit Suisse und HSBC sind im Eigentümerkreis sehr umstritten.

          Bei Barclays waren im Jahr 2013 die milliardenschweren Bonuszahlungen für die Mitarbeiter fast dreimal so hoch wie die Dividenden für die Aktionäre. Im Fall der Deutschen Bank rechnen Analysten vor, das Investmentbanking habe einschließlich mittlerweile ausgegliederter Problemgeschäfte in den vergangenen beiden Jahren Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. Dennoch habe die Deutsche Bank für diesen Zeitraum rund 4,5 Milliarden Euro an Mitarbeiter-Boni verteilt, der Löwenanteil ging an die Investmentbanker.

          Einkommen ausgewählter Berufsgruppen in Großbritannien im Vergleich zu den Spitzenverdienern

          Als die Banker zu Angestellten wurden

          Die Zeitreise in die Bankengeschichte beginnt in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: „Ihr werdet reich sein. Aber erst wenn ihr sechzig seid“, das sei die Ansage seines damaligen Arbeitgebers, eines großen amerikanischen Instituts, gewesen, erinnert sich der Banker. Investmentbanken waren zu jener Zeit üblicherweise nicht börsennotiert. Die Banker waren als Partner Miteigentümer, ähnlich wie das heute noch etwa bei Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfern üblich ist. „Die Boni waren viel niedriger als heute“, sagt der Bankenveteran. Dafür konnte man in den alten Tagen, wenn man in den Ruhestand ging, darauf hoffen, seinen Unternehmensanteil in einen Batzen Geld umzutauschen. „Als Miteigentümer hatte man eine Gesamtverantwortung. Anders als bei den Boni-Zahlungen von heute war man nicht nur an den Gewinnen, sondern auch an den Verlusten beteiligt, und das hatte natürlich Einfluss auf das Risikobewusstsein“, sagt er.

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