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Finanzkrise : Zeit zum Nachdenken

  • -Aktualisiert am

Es ist Zeit zum Nachdenken: In der Finanzkrise ändern sich nicht nur die Geschäftsmodelle, sondern auch die Werte der Gesellschaft. Mal sehen, wie nachhaltig das ist, wenn es eines Tages wieder aufwärtsgeht.

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          Zeit zum Nachdenken. Jahrelang sind die Händler in den Banken auf Händen getragen worden. Sie waren (oftmals abgehobene) Stars, die mit den Sparbuchausstellern in den Filialen kaum ein Wort gesprochen haben. Mit dem Handel von Devisen und Wertpapieren auf eigene Rechnung haben sie Millionen verdient, für ihre Arbeitgeber, aber auch für sich selbst. Wo im Angesicht der nächsten Bonunszahlung nur wichtig war, ob in diesem Jahr der BMW M3 und die Bang & Olufsen-Musikanlage oder zusätzlich noch ein Malediven-Urlaub drin sein würden, haben sich die Relationen verschoben.

          Jetzt haben sie sich selbst in die Knie gezwungen. Die Deutsche Bank – wahrlich nicht allein auf diesem Feld, aber bislang doch ein Spieler in der Champions League – stellt den Eigenhandel weitgehend ein. Drastisch sind die Verluste in den vergangenen Wochen gewesen, offenbar so drastisch, dass hinter der Entscheidung sogar die Frage zurücktritt, womit die Bank künftig Geld verdienen will.

          150, 200 oder gar 300 Milliarden Euro

          Zeit zum Nachdenken. In der mit Staatsmilliarden geretteten IKB-Bank werden weiterhin Boni gezahlt, weil diese nicht an das unterirdische Geschäftsergebnis, sondern an persönliche Leistungsziele der sicher hart arbeitenden Mitarbeiter gebunden sind. Das kann man verstehen, muss man aber nicht. Die Verantwortlichen in den zahlreichen Landesbanken kämpfen um den Fortbestand ihrer Macht und der gut dotierten Versorgungsposten, obwohl jedem klar ist, dass die mangelhafte Ertragslage und die angeforderten Milliardenhilfen keinen weiteren Widerstand gegen die Konsolidierung rechtfertigen.

          Zeit zum Nachdenken. 150, 200 oder gar 300 Milliarden Euro sollte der Finanzminister nach Wünschen einer Bankenwelt, die bislang aus gut nachvollziehbaren Gründen wenig mit politischem Einfluss am Hut hatte, aus Steuergeldern lockermachen, um in einer „Bad Bank“ wertlose Papiere des Privatkapitals zu sozialisieren.

          Zeit für Überraschendes. Anruf eines Freundes am Wochenende, der sich vieles leisten kann, aber nicht mehr alles leisten möchte. Den Porsche 911 wolle er nun doch nicht bestellen, weil er das in diesen Zeiten nicht für opportun halte. Stattdessen überlegt er den Kauf eines Fiat 500, den schicken Imageträger am unteren Ende automobiler Leistungskategorien. In der Finanzkrise ändern sich nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch Werte der Gesellschaft. Mal sehen, wie nachhaltig das ist, wenn es eines Tages wieder aufwärtsgeht.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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