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Finanzkrise : Wie sicher ist das Geld in der Bank?

  • -Aktualisiert am

ING-Diba ist - anders als Kaupthing - im Einlagensicherungsfonds der privaten deutschen Banken. Bild: Henning Bode

Viele Deutsche haben ihr Geld auf Konten bei ausländischen Banken. Nicht alle Banken aber sind im deutschen Einlagensicherungsfonds. Die Höhe der möglichen Entschädigung im Insolvenzfall hängt im übrigen von der Größe der Bank ab. Besonders sicher ist das Geld in Sparkassen und Volksbanken.

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          Mit dem Tagesgeldkonto bei der ING-Diba fing es an. Als filialloser Neueinsteiger in Deutschland bot die Tochtergesellschaft der holländischen Bank ING seit 2003 über mehrere Jahre bessere Konditionen als die heimische Konkurrenz. Die kam ins Schwitzen, vor allem die unter starkem Kostendruck stehenden Sparkassen- und Volksbankenberater, weil gerade ihre Kunden oft mit dem Geld davonzogen. Weitere ausländische Banken wie die Citibank kamen mit Kampfkonditionen auf den Markt, die oft nur wenige Monate galten. Die Kunden sammelten Konten wie Briefmarken und steckten gerne die Tankgutscheine ein, die von den Banken zur Kontoeröffnung verschenkt wurden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          15 Milliarden Euro liegen inzwischen auf den Sparkonten ausländischer Banken in Deutschland. Damit haben sie in zehn Jahren fast 9 Milliarden Euro hinzugewonnen und ihren Marktanteil bei Spareinlagen auf 3 Prozent fast verdreifacht. Auch Autoherstellern nahe stehende Banken wie die BMW-Bank waren mit gut dotierten Tagesgeldkonten erfolgreich. Zuletzt stand die isländische Kaupthing Bank in den Ranglisten für Tagesgeldkonten ganz oben. Kaum jemand fragte sich: Wie sicher ist mein Geld dort?

          Kaupthing-Kunden müssen zittern

          Am Donnerstag kam für mehr als 30.000 Deutsche das böse Erwachen. Mit den hohen Zinsen von 5,65 Prozent für Tagesgeld und 6,1 Prozent für ein Jahr Festanlage ist in der Kaupthing Bank Schluss. Die deutsche Niederlassung musste auf Anordnung der deutschen Bankenaufsicht Bafin ihren Betrieb einstellen. Zuvor hatte der isländische Staat aus Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems die mit 4 Milliarden Euro verschuldete größte Bank des Landes unter staatliche Aufsicht gestellt. Kein Geld darf mehr aus der deutschen Niederlassung heraus, sagt die Bafin. Das heißt: Die deutschen Kunden von Kaupthing kommen seit Donnerstag nicht mehr an ihr auf Online-Konten liegendes Geld. Frühere Insolvenzfälle wie die Gontard & Metallbank zeigen, dass die Sparer zumindest sechs Wochen vom Zahlungsverkehr abgeschnitten sein können. Und wie viel die 30.800 deutschen Kaupthing-Kunden von ihren Einlagen wiedersehen, ist nun die Frage aller Fragen. Denn die deutsche Niederlassung ist nicht im deutschen Einlagensicherungsfonds.

          Volksbanken und Sparkassen versprechen derzeit mit eigenen Stützungsfonds besondere Sicherheit

          Im Falle der Bankinsolvenz schreibt das Gesetz eine Entschädigung der Sparer in Höhe von 20.000 Euro je Konto vor. In Deutschland gilt dies für alle Banken mit einer Bafin-Erlaubnis. Die Summe von 20.000 Euro gilt in der EU-Staaten, die EU-Finanzminister haben sich jüngst geeinigt, die Sicherung auf 50.000 Euro aufzustocken, die Niederlande, peilen 100.000 Euro an. Wer also ein Konto bei einer luxemburgischen oder niederländischen Bank hat, dessen Einlagen sind in der gleichen gesetzlichen Mindesthöhe geschützt wie die von Kunden deutscher Banken.

          Mitgliedschaft im Sicherungsfonds ist entscheidend

          Dazu kommt der Sicherungsfonds der privaten deutschen Banken. Die Mitgliedschaft in diesem Sicherungsfonds ist entscheidend dafür, wie sicher die Einlagen über die gesetzliche Mindestsicherung hinaus sind. Der Fonds erhebt bei seinen Mitgliedern eine regelmäßige jährliche, am ausgereichten Kreditvolumen ausgerichtete Umlage, durch die er sich finanziert. Die meisten ausländischen Banken wie die ING Diba sind dort Mitglied.

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