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EZB und Fed : Was machen die Notenbanken?

Die EZB-Zentrale in Frankfurt Bild: AP

Ihre Hauptaufgabe ist die Stabilität der Währung. Nothelfer sind sie nur selten.

          2 Min.

          Kaum kriselt es im Finanzsystem, springen die Notenbanken (Zentralbanken ist nur ein anderes Wort) ein und helfen den Geschäftsbanken aus der Klemme. Dies ist ein Zerrbild der Vorgänge der vergangenen Wochen. Tatsächlich haben Notenbanken seit Beginn der Finanzkrise weder faule Kredite übernommen noch schlechtes Management von Geschäftsbanken belohnt. Wohl aber haben die Notenbanken mit einigem Erfolg versucht, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken, um den Handel am Geldmarkt am Laufen zu halten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Diese Aufgabe einer Zentralbank in Krisenzeiten wird als die Rolle des Kreditgebers der letzten Instanz beschrieben. Der Notenbank fällt diese Aufgabe zu, weil sie die Geldversorgung einer Wirtschaft steuert. Nur sie hat das Recht, Geld zu produzieren und in die Wirtschaft einzuschleusen. Weil sie das Geldmonopol besitzt, liegt es allein in der Macht einer Notenbank, die Funktionsfähigkeit des Geldmarktes zu sichern.

          Wer bietet mehr?

          Die Hilfen der Notenbank an die Geschäftsbanken laufen nicht mittels Bargeld, sondern mittels Buchgeld ab. Die Notenbanken nutzen dabei das Instrument der „Offenmarktpolitik“. Dabei geben sie den Geschäftsbanken für eine bestimmte Zeit Kredit und schaffen so neues Buchgeld, mit dem die Geschäftsbanken ihrerseits Kredite vergeben können. Erst wenn Verbraucher oder Unternehmen sich solches Buchgeld am Schalter in Banknoten auszahlen lassen, erhöht sich der Bargeldumlauf.

          Zur Absicherung der Kredite der Notenbanken müssen die Geschäftsbanken diese mit Wertpapieren unterlegen. Diese „Refinanzierung“ der Geschäftsbanken geschieht üblicherweise mittels eines Tenders, eines Angebots. Die Zentralbank bietet den Geschäftsbanken an, einen Kredit bei ihr aufzunehmen. Die EZB gibt dabei den Mindestbietungssatz, den Leitzins, vor: Diesen Preis müssen die Banken mindestens bieten. Die EZB behält sich vor, gemäß ihrer Vorstellung einer angemessenen Geldversorgung nicht alle Gebote anzunehmen.

          Geld kann teuer oder billig sein

          Regulär nutzen Notenbanken diese Instrumente, um Geld zu verteuern oder zu verbilligen und um so die Zinssätze am Geldmarkt zu beeinflussen. Wird Geld teurer und knapper, haben die Geschäftsbanken weniger Spielraum, ihrerseits Kredite zu geben. So beeinflusst die Zentralbank auf kurze Sicht die Konjunktur und damit den Preisdruck. Wächst die Wirtschaft zu stark und drohen die Preise, inflationär zu steigen, verteuern Zentralbanken das Geld.

          Gibt die Zentralbank zu viel Geld in die Wirtschaft, kann dieses die Nachfrage überhitzen und die Preise steigen lassen; auch dann droht Inflation. Mit der Vorgabe des Leitzinses signalisiert die Notenbank, ob sie die Geldversorgung verknappen oder ausweiten möchte. Für die Geldpolitik ist es insoweit unverzichtbar, dass der Geldmarkt funktioniert.

          Nerven beruhigen für einen Tag

          Das war zuletzt nicht der Fall. Aus Unsicherheit stieg der Preis für Tagesgeld zeitweise deutlich über den von der EZB angestrebten Satz. Deshalb lieh die Notenbank den Geschäftsbanken kurzfristig mehr Geld als geplant, um die Nerven zu beruhigen. Diese Hilfen dauerten manchmal nur einen Tag.

          Als Kreditgeber der letzten Instanz darf eine Zentralbank nur mit großer Vorsicht auftreten. Die Zentralbank muss sicher sein, dass den Geschäftsbanken nur zeitweise Liquidität fehlt, dass ihr wirtschaftlicher Kern aber gesund ist. Sonst würde sie wirtschaftliches Fehlverhalten belohnen und verhindern, dass schlechtes Management durch Insolvenz bestraft wird. Auch muss eine Zentralbank darauf achten, dass sie Liquiditätshilfen nicht dauerhaft gibt. Dauerhaft verliehenes Geld birgt auf mittlere Frist Inflationsrisiken.

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