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Finanzkrise : Vatikanzeitung lobt islamische Finanzregeln

  • Aktualisiert am

Wird vom Heiligen Stuhl herausgegen: „Osservatore Romano” Bild: Osservatore Romano

Es waren zwar keine Geistlichen, doch erstaunlich ist es dennoch: Zwei Gastautorinnen haben in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ der westlichen Welt nahegelegt, künftig verstärkt auf islamische Finanzprodukte zu setzen. Der Koran verbietet Zinsen und Finanzgeschäfte, denen kein direkter Güteraustausch gegenübersteht.

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          Zwei Gastautorinnen haben in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" der westlichen Welt als Lehre aus der Finanzkrise nahegelegt, künftig verstärkt auf islamische Finanzprodukte zu setzen. Die Wirtschaftsordnung der Muslime, die sich an der islamischen Rechtsordnung Scharia orientiert, solle nun auch den Okzident interessieren, hieß es sinngemäß in einem Leitartikel der vom Heiligen Stuhl herausgegebenen Zeitung: "Die islamische Finanzwirtschaft kann zur Entwicklung neuer Regeln für die westliche Finanzwirtschaft beitragen."

          Die beiden Autorinnen sind allerdings keine Geistlichen: Claudia Segre ist Abteilungsleiterin einer Bank in Mailand, und die Italienerin Loretta Napoleoni ist Wirtschaftswissenschaftlerin. Napoleoni hatte sich bereits im vergangenen Sommer in einem globalisierungskritischen Buch dazu geäußert, inwieweit die Scharia Grundlage einer besseren Finanzordnung sein könnte, was die deutschsprachige "Islamische Zeitung" für durchaus "intelligent" hielt.

          Auch schariakonforme Anlagen sind eingebrochen

          Der Koran verbietet Zinsen und Finanzgeschäfte, denen kein direkter Güteraustausch gegenübersteht. In dem Artikel in der Vatikanzeitung merkten die Autorinnen an, sogenannte Sukuks entsprächen dem Bedürfnis nach sicheren Investitionen. Sukuks sind Anleihen, die das Zinsverbot umgehen. Islamische Staaten, aber auch etwa das Bundesland Sachsen-Anhalt haben bereits solche Staatsanleihen emittiert.

          Seine Landesanleihe hatte Sachsen-Anhalt so organisiert, dass es Immobilien für einen begrenzten Zeitraum an eine ausgelagerte Gesellschaft veräußerte und wieder mietete. Aus den Erlösen dieses Geschäfts zahlt das Land den Investoren ihre Renditen - die somit keine "Zinsen" sind. Die Scharia verbietet Muslimen aber auch Geschäfte, an denen sich nur wenige Katholiken stören: Schweinezucht oder Alkoholproduktion. Auch Investitionen in Aktien konventioneller Banken oder Versicherungen (da diese eine Art "Glücksspiel" betrieben) gelten Muslimen als verboten.

          In den vergangenen Monaten war trotzdem auch der Markt für schariakonforme Anlagen eingebrochen: Der "Dow Jones Islamic Market Index" verlor im Jahresvergleich rund vierzig Prozent seines Wertes.

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