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Finanzkrise : Schwellenländer auf der Kippe

  • -Aktualisiert am

In China bricht der Immobilienmarkt ein Bild: dpa

Auch Lateinamerika, Asien und Osteuropa trifft die Krise. Weil die Regierungen reicher Länder ihre Banken glaubwürdiger stützen können, fließt viel Geld zurück in die Industriestaaten. Und Rohstoffe, von denen viele Schwellenländer abhängen, werden wegen der nachlassenden Nachfrage immer billiger.

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          Asien gleitet in die Krise. Dies aber ist keine Krise der Banken, denn die Finanzinstitute waren nicht weit genug globalisiert, um das ganz große Rad zu drehen. Es ist die heraufziehende Rezession im Westen, die die Exportnationen der Region mit voller Härte trifft. Bislang hat es Asien nicht geschafft, den heimischen Konsum soweit anzukurbeln, dass er einen Nachfrageeinbruch aus dem Ausland auffangen könnte. Nun aber sei das Weihnachtsgeschäft um mehr als 30 Prozent eingebrochen, berichten Logistiker in China. Im Westen wird unter dem Weihnachtsbaum gespart, und die Hersteller von Turnschuhen, Spielzeug und Computern in China und Indien bekommen dies zu spüren.

          So ist vom "India shining" derzeit nichts mehr zu spüren. "Wir spüren den Untergang", schrieb das Nachrichtenmagazin "Outlook" in dieser Woche auf seinen Titel. Die Wachstumsraten der Industrie schmelzen, die Inflation legt zweistellig zu, die Auslandsreserven schwinden, und der Dollar war in Rupien nie teurer als heute. Die Kreditkrise droht nun auch auf den Ausbau der Infrastruktur durchzuschlagen, die in Indien - anders als in China - von privater Hand finanziert werden soll. In beiden Ländern hat der Aktienmarkt seit Jahresbeginn um die 60 Prozent nachgegeben. Gleichzeitig drohen auch die Immobilienblasen in beiden Ländern zu platzen. Die Einbrüche treffen die junge, noch nicht krisengestählte Mittelschicht.

          Asien will die Krise ohne die Amerikaner lösen

          Wohin die Reise gehen könnte, zeigt sich in diesen Tagen in Korea: Nach 4 Prozent in diesem Jahr erwartet Michael Spencer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank in Hongkong, in diesem Jahr nur noch 1,7 Prozent Wachstum. Das Wachstum des privaten Konsums hat sich vom zweiten auf das dritte Quartal schon halbiert. Der Aktienmarkt brach am Freitag erneut um 11 Prozent ein. Obwohl sich die Gerüchte über eine drohende Liquiditätskrise verstärken, lehnte die Regierung eine Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) kategorisch ab.

          Bild: F.A.Z.

          Damit verhält sie sich nicht anders als die übrigen Länder der Region. Die Bedingungen des IWF während der Asienkrise vor zehn Jahren haben sie als schmerzhaft empfunden. Nun wollen sie die heraufziehende Krise miteinander, aber ohne die Amerikaner zu lösen. Das kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Pakistan ist dafür ein gutes Beispiel: Das Land wendet sich lieber an die Golfstaaten, um seine Öllieferungen gestundet zu bekommen, als die Hilfe des Westens über den IWF annehmen zu müssen.

          Südamerika leidet unter sinkenden Rohstoffpreisen und Kreditklemme

          Auch Südamerika ist von der gegenwärtigen Krise schwer getroffen. Zwar stehen die Volkswirtschaften auf einem festeren Fundament als in früheren Notzeiten. In den jüngsten Boomjahren haben die Latinos die Staatshaushalte saniert und hohe Devisenreserven angehäuft. Jetzt aber erfolgt die Ansteckung über den Einbruch der Weltmarktpreise für Soja und andere Rohstoffe sowie durch die globale Verknappung der Kreditvergabe und die Flucht der internationalen Investoren aus allen Finanzanlagen, die als risikobehaftet gelten. Der IWF erwartet für 2009 in Südamerika noch ein Wirtschaftswachstum um 3,6 Prozent (nach 5,5 Prozent 2008). Sollten die Rohstoffpreise aber weiter sinken und die Finanzprobleme keine Lösung finden, könne die Wirtschaftsleistung bis Ende 2009 sogar sinken. Nur wenn China standhält, dann werde auch Südamerika nicht abstürzen, lautet die Diagnose. Zwei Drittel der Exporte Südamerikas gehen in andere Schwellenländer.

          In Brasilien, der wichtigsten Volkswirtschaft der Region, wirkt sich die internationale Kreditklemme kritisch aus. Ausländische Banken haben die Kreditlinien gestrichen, weil sie ihre Mittel zuhause benötigen. Das lokale Banksystem gilt als solide. Doch "alle Banken horten Liquidität und warten ab, was passiert", sagt ein Banker. Das gefährdet die Binnennachfrage, die bisher als Stütze galt. Vor allem im Baugewerbe und in der Autoindustrie drohen Einbrüche. Selbst erstklassige Exportfirmen bekommen kaum Kredit; viele Exporteure haben sich mit Währungsgeschäften verspekuliert. Nachdem der Real überraschend stark abgewertet hat, drohen Milliarden-Verluste.

          Das Nachbarland Argentinien ist schon seit dem Staatsbankrott von 2002 weitgehend vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten. Dem Boom der Agrarexporte, von dem das Pampaland seither lebte, droht ein jähes Ende. Um inländische Reserven zu mobilisieren, will die Regierung private Rentenfonds verstaatlichen. Doch das bringt noch mehr Unsicherheit in die Wirtschaft.

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