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Finanzkrise : Deutsche Bank ruft EZB-Tender ab

Die Deutsche Bank hat knapp 10 Milliarden Euro von der EZB abgerufen, hieß es in Frankfurter Finanzkreisen. Damit sollen Auslandsgesellschaften in Spanien und vor allem in Italien refinanziert werden Bild: dpa

Welche Banken haben sich beim jügsten Dreijahresgeschäft der Europäischen Zentralbank günstig Geld geliehen? Es waren nicht nur südeuropäische Banken. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank haben Milliardenbeträge abgerufen.

          Auch die beiden größten deutschen Banken haben sich im großen Stil über das zweite Langfristgeschäft der Europäischen Zentralbank große Summen für die ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren verschafft. So hat die Deutsche Bank, die sich beim ersten Tender im Dezember aus Angst vor Rufschaden fern hielt, in der vergangenen Woche knapp 10 Milliarden Euro von der EZB abgerufen, hieß es am Freitag in Frankfurter Finanzkreisen. Damit sollen Auslandsgesellschaften in Spanien und vor allem in Italien, wo die Deutsche Bank mit nennenswertem Privatkundengeschäft eine der größten Banken ist, refinanziert werden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Commerzbank hat Ende Februar einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag von der EZB nachgefragt. Ihre Tochterbank Eurohypo hatte im Dezember 10 Milliarden Euro abgerufen. Auch viele Landesbanken nahmen am jüngsten Tender-Geschäft teil, etwa die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Nicht weil sie dringenden Liquiditätsbedarf hätte, wie von der Helaba betont wird, sondern weil der Zins zu günstig ist, um das geliehene Geld abzulehnen.

          Mehr als die Hälfte der Kreditnehmer aus Deutschland

          Von den gut 800 Banken, die sich beim jüngsten Dreijahresgeschäft der EZB Geld verschafften, stammt nach Angaben der Zentralbank mehr als die Hälfte aus Deutschland. Allerdings wurden hierzulande in den meisten Fällen von den Banken geringe Summen abgerufen. Auf die 460 deutschen Banken, die Gebote abgegeben haben, entfiel nach Informationen aus dem Umfeld der Bundesbank ein einstelliger Prozentbetrag, also weniger als 50 Milliarden Euro in der Summe.

          Unterdessen setzt sich die Debatte über die Qualität der Notenbankbilanzen im Eurosystem fort. Kritisch wird in Bundesbankkreisen unter anderem das wachsende Gewicht von staatlich garantierten Bankenanleihen unter den Pfändern gesehen. Solche Anleihen brauchen, um als Sicherheit akzeptiert zu werden, gar nicht an Investoren verkauft zu werden. Die Bank kann sich für die Schuldtitel eine - wenn auch kostenpflichtige - Garantie vom heimischen Staat verschaffen und die Anleihe dann direkt bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen. Dem Vernehmen nach wird dieses Verfahren besonders von italienischen Banken genutzt. Die Europäische Zentralbank hat nun erstmals bekanntgegeben, wie umfangreich das Verfahren genutzt wird. Derzeit sind demnach mit staatlichen Garantien versehene Bankenanleihen im Nominalwert von rund 180 Milliarden Euro im Sicherheitenpool bei den Notenbanken als Pfand hinterlegt. Nach Abzug der üblichen Sicherheitsabschläge können damit Kredite von etwa 160 Milliarden Euro besichert werden. Der Gesamtbestand der Sicherheiten wird bislang nur einmal im Jahr veröffentlicht, er betrug Anfang vergangenen Jahres rund 2000 Milliarden Euro.

          Derzeit sind mit staatlichen Garantien versehene Bankenanleihen im Nominalwert von rund 180 Milliarden Euro im Sicherheitenpool bei den Notenbanken als Pfand hinterlegt. Nach Abzug der üblichen Sicherheitsabschläge können damit Kredite von etwa 160 Milliarden Euro besichert werden

          Eine deutlich geringere Rolle spielt die gerade eingeführte Beleihung von Einzelkrediten minderer Qualität, die die Bundesbank am liebsten sofort wieder abschaffen würde. Laut EZB-Präsident Mario Draghi wurden beim jüngsten Dreijahrestender, den er scherzhaft und in Anlehnung an ein historisches Geschütz als seine „Dicke Bertha“ bezeichnet, zusätzliche Einzelkredite im Wert von 53 Milliarden Euro als Pfand genutzt. Der größte Teil davon - rund 40 Milliarden Euro - stammt von französischen Banken und nur 3 Milliarden Euro von italienischen Banken.

          Auch der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark beurteilt diese Form von Pfand als kritisch, da die nationalen Notenbanken in Absprache mit dem EZB-Rat selbst die Anforderungen festlegen können. Das sei ein weiterer Schritt in Richtung einer Renationalisierung der Geldpolitik, sagte Stark dier F.A.Z.

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