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Finanzkrise : Der tiefe Sturz des Bernie Madoff

Bernard Madoff ist nun nicht mehr nur in Börsenkreisen bekannt Bild: dpa

Der amerikanische Börsenmakler Bernard Madoff war ein Pionier an der Wall Street. Sein Vermächtnis wird jedoch einer der größten Betrugsfälle sein, der die New Yorker Finanzbranche je erschüttert hat. Die Verluste treffen nicht selten reiche Privatanleger aus Florida.

          Bernard Madoff war bisher in New York niemand, den man auf der Straße erkennen würde. Er ist weder ein schillernder Immobilienunternehmer wie Donald Trump noch ein Starbürgermeister wie Rudy Giuliani, deren Namen praktisch jedes Kind kennt. Er war also kein „Household-Name“, wie die Amerikaner das nennen. In der Welt der Börsenhändler an der Wall Street war das anders.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Jeder kennt Bernie in der Branche, klar“, sagt Christian Treitler, der mehr als zwanzig Jahre Aktien an der Wall Street gehandelt hat. „Madoff war ein Pionier.“ Madoff war in den achtziger und neunziger Jahren einer der Ersten, der mit elektronischem Handel die langjährige Vormachtstellung der Parkettbörse New York Stock Exchange (Nyse) angegriffen hatte. Der Börsenmakler trieb auf diese Weise den tiefgreifenden Wandel der Börsen in den vergangenen Jahren mit voran. Seine Firma Bernard L. Madoff Investment Securities gehörte zu den größten Maklern an der Computerbörse Nasdaq und beschäftigte Hunderte von Händlern.

          Bekannt als Fachmann für Aktienmärkte

          Madoff, der in den frühen neunziger Jahren auch Verwaltungsratsvorsitzender der Nasdaq war, galt als ausgewiesener Fachmann für Aktienmärkte. Er trat vor Kongressausschüssen auf und saß in Beratungsgremien der Börsenaufsicht SEC. Und mittlerweile wickelt auch die Nyse, die lange am Parketthandel festhielt und sich gegen elektronischen Handel wehrte, den Löwenanteil ihres Geschäfts über Computer ab.

          Das reicht eigentlich, um an der Wall Street ein Vermächtnis zu hinterlassen. An den 70 Jahre alten Madoff wird man sich allerdings anders erinnern. Am Donnerstagmorgen der vergangenen Woche wurde er von zwei Agenten der Bundespolizei FBI in seinem Apartment an der noblen Upper East Side von Manhattan verhaftet. Er soll Kunden seiner Vermögensverwaltung um 50 Milliarden Dollar geprellt haben – es ist einer der größten Betrugsskandale, den die Wall Street je erlebt hat. Seitdem ist auch Bernie Madoff ein „Household-Name“.

          Auch zahlreiche Prominente unter den Geschädigten

          Die Liste der Geschädigten ist lang. Sie reicht von Privatanlegern in New York und Florida über Hedge-Fonds bis zu Stiftungen des Filmregisseurs Steven Spielberg oder des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel. Auch europäische Banken sind betroffen.

          Im Zentrum des Skandals steht ein exklusiver Golfclub in Florida, der Palm Beach Country Club. Madoff hatte viele seiner Privatanleger dort rekrutiert. Richard Spring aus Boca Raton, einer der Mitglieder des Clubs, hat 11 Millionen Dollar verloren. Der ehemalige Wertpapieranalyst hatte rund 95 Prozent seines Vermögens bei Madoff investiert. Spring ist in einer besonders prekären Lage. Er war einer der inoffiziellen Vermittler für neue Kunden von Madoff, zu denen Lehrer gehörten, die 50 000 Dollar einzahlten, und Unternehmer, deren Anlagen in die Millionen gingen. Es heißt, dass die Mitgliedschaft im Country Club auch deswegen attraktiv war, weil das einen Zugang zu Madoff versprach.

          Für jüdische Wohltätigkeitsorganisationen gilt der Kollaps von Madoff als Katastrophe, weil viele bei dem in der jüdischen Gesellschaft bislang hochangesehenen Madoff investiert hatten. Der Country Club von Palm Beach hat eine ungewöhnliche Zulassungsvoraussetzung: Mitglieder müssen nicht nur reich sein, sondern auch viel an wohltätige Organisationen spenden.

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