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Finanzkrise : „Der IWF lässt Argentinien nicht fallen“

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Heinz Mewes, Chef-Volkswirt der Dresdner Bank Lateinamerika Bild: Dresdner Bank Lateinamerika AG

Argentinien steht vor dem finanziellen Kollaps. FAZ.NET sprach mit dem Lateinamerika-Experten Heinz Mewes über Folgen einer Zahlungsunfähigkeit.

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          Argentinien steht vor dem Staatsbankrott, die Lage wird fast täglich ernster. Am Mittwoch weigerte sich der Internationale Währungsfonds, eine Kredittranche auszuzahlen. Um eine bald fällige Anleihe zu tilgen, musste die Regierung nun die Pensionskassen plündern. FAZ.NET sprach mit Heinz Mewes, Chef-Volkswirt der Dresdner Bank Lateinamerika, über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Landes, die Folgen für die Region und eine Abwertung des Peso.

          Herr Mewes, Argentinien droht die Zahlungsunfähigkeit und an der Börse in Buenos Aires kommt es zu Kurssprüngen. Ist das nicht paradox?

          Viele Argentinier schichten ihr Geld in argentinische Aktien um, die auch an der New Yorker Börse notieren. Damit hoffen Sie, einem Zugriff des Staates zu entgehen. Man kann das auch als rein technische Vorsichtmaßnahme der lokalen Bevölkerung bezeichnen. Dazu muss man auch wissen, dass die Marktkapitalisierung der Börse recht gering ist. Es reichen schon wenige Transaktionen, um größere Kursbewegungen auszulösen.

          Rechnen Sie mit einer Zahlungsunfähigkeit des Landes?

          Das ist nicht auszuschließen. Der nächste kritische Termin ist der 19. Dezember - da sind wieder Tilgungszahlungen auf internationale Anleihen fällig. Die werden wohl noch bedient werden können, das Land verfügt schließlich noch über einige Mittel. Letztlich hängt es davon ab, ob sich Argentinien mit dem Internationalen Währungsfonds einigen kann. Wirtschaftsminister Cavallo befindet sich derzeit in Washington zu entsprechenden Verhandlungen. Aber zu einer Auszahlung der jetzt gesperrten Kredittranche wird es im Dezember nicht mehr kommen.

          Ist der IWF verärgert über das Vorpreschen der Regierung am vergangenen Wochenende, als Devisenrestriktionen beschlossen wurden?

          Ich vermute schon. Der IWF wurde wohl vorab informiert - es war schließlich zu dem Zeitpunkt eine Delegation im Land - aber eben nicht konsultiert. Deshalb wurde der Delegationsleiter am Montag wieder nach Washington zurück bestellt.

          Und nun könnte der IWF das Land fallen lassen?

          Das kann ich mir nicht vorstellen. Argentinien ist ein Musterschüler des Fonds, das Land hat stets alle Empfehlungen umgesetzt. Es wäre im Endeffekt auch teurer, das Land fallen zu lassen und die daraus folgenden Konsequenzen zu tragen. Voraussetzung für eine Unterstützung durch den IWF ist aber, dass Buenos Aires den Haushalt in Ordnung bringt und die Sparmaßnahmen durchsetzt.

          Was würde passieren, wenn der IWF doch nicht eingreift?

          Zunächst verfügt das Land ja wie gesagt noch über einige Mittel. So hat sich die Regierung gerade gestern den Zugriff auf die privaten Pensionsfonds gesichert. Im Austausch für die dortigen Mittel werden die Fonds Schatzwechsel erhalten. Damit dürfte sich die Regierung kurzfristig über die Runden retten. Schlimmstenfalls wird Argentinien im kommenden Jahr die dann fälligen Anleihen nicht mehr bedienen können.

          Was hätte das für Auswirkungen für das Land und die Region?

          Argentinien ist stark abhängig von Auslandsgläubigern. Das Land hätte kaum noch die Möglichkeit, neue Mittel zu mobilisieren, wodurch sich die Rezession weiter verlängern würde. Da Argentinien sehr spezielle Probleme hat, würde es die Region nicht so stark treffen. Die Märkte differenzieren auch jetzt schon. So hat sich der brasilianische Real in den vergangenen Tagen stabilisiert.

          Was müsste das Land machen, um aus der Krise zu kommen?

          Vor allem der öffentliche Sektor muss umstrukturiert werden. Es geht jetzt darum, ob man den Prozess halbwegs schonend über die Bühne kriegt oder ob es ein zäher und sehr schmerzhafter Prozess wird.

          Würden Sie ein Abrücken von der Dollar-Parität empfehlen?

          Nein. Das würde die Situation nur noch verschlimmern. Ein Großteil der Verbindlichkeiten der Inländer ist in fremder Währung. Durch eine Abwertung könnten sie ihre Schulden kaum noch bedienen. Dadurch käme es zu einer Pleitewelle.

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