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Finanzkrise : Argentiniens Banken tauen Konten auf

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Erste Zeichen der Normalisierung im argentinischen Finanzsektor: Banken zahlen eingefrorene Guthaben wieder aus und die Regierung lockerte die Kreditregeln.

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          Argentinische Banken haben damit begonnen, 1,7 Milliarden Pesos oder gut 460 Millionen Euro, die seit Januar dieses Jahres eingefroren waren, an ihre Kunden auszuzahlen. Die freigegebene Summe beläuft sich auf weniger als zehn Prozent der insgesamt eingefrorenen Anlagen, dennoch dürfte der Schritt nach Ansicht von Analysten dazu beitragen, das Vertrauen in das Finanzsystem des Landes wieder herzustellen.

          Die Regierung ordnete die Freigabe der Ersparnisse durch die Banken an. Die Guthaben waren eingefroren worden, nachdem Argentinien Anleihen im Gesamtwert von 95 Millliarden Dollar nicht bezahlen konnte und die Landeswährung abgewertet hatte. Argentiniens Wirtschaftsleistung ging nicht zuletzt deswegen im zweiten Quartal dieses Jahr 14 Prozent zurück, nach bereits drei Jahren Rezession.

          Wohl kein Sturm auf die Banken

          „Die Konten freizugeben ist ein notwendiger Schritt, um wieder Kredite in die Wirtschaft zu bekommen", bewertete Fabio Rodriguez von der Unternehmensberatung Fundacion Capital die Entscheidung.
          Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Regierung Argentiniens im Rahmen der ersten Gespräche über neue Kredite seit der Zahlungsversäumnis dazu gedrängt, die Abhebungsgrenze anzuheben.

          Bei der Bekanntgabe der Entscheidung sagte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna, dass die Gefahr eines erneuten Sturms auf die Banken inzwischen geringer sei, da die täglichen Proteste gegen die Restriktionen abgenommen hätten. Manche Banken könnten sogar neue Kontengründungen verzeichnen.

          Geld oder Anleihen

          Die Banken gewähren ihren Kunden Zugriff auf Depotkonten, auf denen weniger als 7.000 Pesos liegen. Die Citigroup-Tochter Citibank NA und mehr als ein Dutzend weiterer Banken haben angekündigt, bis zu 10.000 Pesos an Kunden zurückzugeben. Den Bankkunden, die nach wie vor nicht an ihre Anlagen heran dürfen, hat die Regierung angeboten, die Ersparnisse in Staatsanleihen einzutauschen. Das ist der zweite Vorschlag dieser Art seit Juli. Die Anleihen, die eine Laufzeit von fünf und zehn Jahren haben, werden mit weniger als 50 Prozent ihres Nennwertes an der Buenos Aires Stock Exchange gehandelt.

          Durch den Zwangsumtausch von Dollar in Pesos haben Bankkunden seit Januar eine Menge Geld verloren. Die Regierung wandelte die meisten Dollar-Konten des Landes im Januar in Pesos um und wertete die Währung dann ab. Der Umtauschkurs lag unter dem Markpreis, bei 1,4 Pesos pro Dollar. Dann wurden die Konten an die Inflation angepasst. Wer im Januar 1.000 Dollar auf seinem Konto hatte, kann jetzt 1.890 Pesos sein Eigen nennen, also umgerechnet 509 Dollar.

          Lockerung der Kreditregeln

          Ein weiteres Zeichen dafür, dass langsam wieder Vertrauen entsteht, ist die Lockerung der Kreditregeln durch die argentinische Regierung am Freitag letzter Woche. Zuvor war es Banken nicht gestattet, Kredite zu vergeben, wenn sie bei der Zentralbank Schulden hatten. Nun können die Institute wieder Kredite vergeben, solange sie nicht von der Zentralbank weitere Kredite zu Sonderkonditionen anfordern. Die Zentralbank hatte Kredite in einem Gesamtvolumen von 17,6 Milliarden Pesos vergeben, um die Banken in der Krisenzeit über Wasser zu halten.

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