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Finanzkrise : Acht Großbanken im Visier amerikanischer Ermittler

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Was geschah vor der Häuserkrise 2008? Jetzt wird gegen die Großbanken ermittelt Bild: AFP

Schwere Vorwürfe gegen acht Großbanken: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt Zeitungsberichten zufolge unter anderem gegen die Deutsche Bank. In der Immobilienkrise sollen Rating-Agenturen in die Irre geführt worden sein.

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          Die Deutsche Bank und sieben weitere Finanzinstitute sind amerikanischen Zeitungsberichten zufolge wegen der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten ins Visier von Ermittlern geraten. Die New Yorker Staatsanwaltschaft gehe dem Verdacht nach, die Banken hätten Rating-Agenturen in die Irre geführt und sie so zu einer besseren Bewertung von Ramsch-Hypothekenpapieren gebracht, berichtete die „New York Times“ am Donnerstag. Die Zeitung beruft sich auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Personen.

          Neben der Deutschen Bank sind demnach Crédit Agricole, Credit Suisse, UBS, die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, und Merrill Lynch, die inzwischen zur Bank of America gehört, betroffen. Bei den mutmaßlich getäuschten Rating-Agenturen handelt es sich laut „New York Times“ um Standard & Poor's, Fitch und Moody's. Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt wollte den Bericht nicht kommentieren.

          Die Untersuchungen laufen offenbar parallel zu ähnlichen Ermittlungen der amerikanischen Bundesbehörden, die sich jedoch um möglicherweise irreführende Informationen der Institute an ihre Kunden drehen. Die Finanzaufsicht SEC hatte im Zusammenhang mit der amerikanischen Immobilienkrise bereits Mitte April eine Zivilklage gegen die Großbank Goldman Sachs eingereicht (Börsenaufsicht SEC verklagt Goldman Sachs). Nun berichtet das „Wall Street Journal“, dass diese Untersuchungen ebenfalls auf weitere Großbanken ausgeweitet werden sollen; darunter sollen auch europäische Institute sein: Bei der vorläufigen Prüfung werden nun offenbar auch die Geschäfte der Deutschen Bank AG und der UBS AG untersucht, sowie die Geschäfte von Citigroup und J.P. Morgan Chase.

          Die SEC wirft Goldman vor, Kunden auf der ganzen Welt bei Finanzgeschäften „wesentliche Informationen“ vorenthalten zu haben. Die Bank soll demnach sogenannte verbriefte Hypothekenkredite mit Hilfe eines Hedgefonds aufgelegt haben, der gleichzeitig auf den Wertverlust der Papiere spekulierte. Goldman Sachs und der beklagte Goldman-Händler Fabrice Tourre haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Die internationale Finanzkrise geht zu einem wichtigen Teil auf die schwere Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten und das Platzen der Spekulationsblase 2008 zurück.

          Senat will „Lügner-Hypotheken“ verbieten

          Unterdessen hat der amerikanische Senat im Rahmen der Finanzmarktreform beschlossen, sogenannte „Lügner-Hypotheken“ künftig zu verbieten und damit eine der Ursachen der Finanzkrise bekämpfen. Die Senatoren stimmten am Mittwoch mit breiter Mehrheit einem entsprechenden Änderungsantrag zum Finanzmarkt-Gesetzentwurf zu. Banken dürfen Finanzberatern keinen Aufschlag mehr bezahlen, wenn diese ihren Kunden besonders riskante Hypotheken aufschwatzen.

          Millionen von Hauskäufern haben sich zu Hochzeiten des Immobilienbooms in den Vereinigten Staaten große Hypotheken aufgehalst, die sie unmöglich zurückzahlen konnten. Dabei spielten „Lügner-Hypotheken“ eine wichtige Rolle: Die Anwärter mussten weder Einkünfte noch Vermögen belegen - sie mussten hierzu lediglich Zahlen nennen, die jedoch von den Banken nicht geprüft wurden. Dies war eine offensichtliche Einladung, falsche Angaben zu machen. Die Banken machten dieses Spiel damals bereitwillig mit, weil es ihnen nur darauf ankam, möglichst viele und große Hypotheken zu vergeben. Denn sie verbrieften die Kredite umgehend, verkauften sie an internationale Investoren weiter und waren damit auch die Risiken schnell wieder los. Dem derzeit im Senat diskutierten Gesetzentwurf zufolge müssen die Banken in Zukunft auch einen Teil der Risiken in den eigenen Büchern behalten.

          Die Finanzmarktreform soll eine Wiederholung der katastrophalen Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten verhindern, die schließlich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise auslöste. Die Senatoren stimmen voraussichtlich noch bis nächste Woche über Hunderte von Änderungsanträgen zu dem Gesetzentwurf der Demokraten ab. Erst danach erfolgt die Abstimmung über das Gesamtpaket, das anschließend noch mit dem Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses in Einklang gebracht werden muss. Experten gehen von einer endgültigen Verabschiedung des Pakets im Sommer und damit vor der Kongresswahl im November aus. Die Reform gehört zu den wichtigsten Projekten von Präsident Barack Obama.

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