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Kampf gegen Armut : Entwicklungshilfe mit Bankermethoden

Großbetrieb statt Kleinbauern: Über Finanzinvestoren fördert die Deutsche Entwicklungsgesellschaft in Brasilien auch die Herstellung von High-Tech-Futter für die Rinderzucht im großen Stil. Bild: dpa

In Deutschland gelten Finanzinvestoren als Heuschrecken, in Brasilien sind sie Partner der deutschen Entwicklungshilfe. Die Privatwirtschaft soll den Kampf gegen Armut und Klimawandel vorantreiben.

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          Vom brasilianischen Spätsommer in die arktische Kälte sind es nur wenige Schritte. Rolltor hoch, Schutzmantel an, und schon stehen Bruno Wenn und Jorge Ahumada in einem der größten Gefrierfächer Südamerikas. Bei minus 22 Grad lagern in den Hochregalen Steaks und Fisch für die Restaurants und Supermärkte der Wirtschaftsmetropole São Paulo bis unter die 20 Meter hohe Decke. In den etwas weniger kalten Nachbarräumen stehen die Regale voll mit dicken Gemüsezwiebeln für eine Steakhauskette, in einem Trockenlager teilen Mitarbeiter mehrere Paletten von Starbucks-Kaffeebohnen auf kleinere Lieferungen auf, die dann zu den Filialen im ganzen Land verfrachtet werden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bruno Wenn schaut beeindruckt die Regale empor. Dem Chef der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG), eines Tochterunternehmens der staatlichen Förderbank KfW, gefällt, was er sieht. Die Zusammenarbeit mit Ahumada und seiner Beteiligungsgesellschaft Aqua Capital trägt offensichtlich Früchte.

          Glitzernde Glasfassade, dunkler Marmorfußboden, edle Holzbeschläge

          Noch vor wenigen Jahren war das Unternehmen Comfrio nicht viel mehr als ein großer Kühlschrank, in dem Nahrungsmittelerzeuger ihre Milchpodukte lagern konnten. 2011 stieg Aqua Capital bei dem Unternehmen ein, tauschte das Management aus und investierte mehr als 10 Millionen Dollar in die Expansion. Heute ist Comfrio nach eigenen Angaben das größte Kühllogistik-Unternehmen des Landes, das Weltkonzernen wie Unilever, Danone und Starbucks bei der Lagerung und Verteilung ihrer Waren auf ganz Brasilien hilft. Allein von 2011 bis 2014 hat Comfrio seinen Umsatz verdreifacht, berichtet der Vorstandsvorsitzende Evandro Calanca seinen Besuchern stolz.

          Umsatzwachstum? Weltkonzerne? Das klingt erst einmal nicht nach dem Vokabular von Entwicklungshelfern. Doch genau darum geht es. Die DEG ist eine Art Investmentbank der Entwicklungshilfe. Sie verschenkt nicht Geld oder Güter an die ärmsten Menschen in den verzweifeltsten Gegenden der Welt. Sie soll die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern und so für eine nachhaltige Entwicklung in diesen Regionen sorgen. „In Deutschland ist der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft“, sagt DEG-Chef Wenn. „Dort entstehen die Arbeitsplätze, die Innovationen, das Wachstum, von ihm werden die Steuern gezahlt.“ Die DEG soll dafür sorgen, dass solche Unternehmen auch in Entwicklungs- und Schwellenländern heranwachsen und die gleichen positiven Effekte mit sich bringen. Dafür beteiligt sie sich mit Wagniskapital an jungen Unternehmen, überlässt lokalen Banken langfristige Darlehen oder beteiligt sich an Finanzinvestoren – wie Aqua Capital.

          Diese Beteiligungsgesellschaft sitzt in einem sehr schicken Bürohochhaus in São Paulo. Glitzernde Glasfassade, dunkler Marmorfußboden, edle Holzbeschläge – die Büros von Jorge Ahumada und seinen Mitstreitern wirken nicht gerade wie die bedürftigste Adresse für deutsche Entwicklungsgelder. Und doch passt die von einer Handvoll ehemaliger Banker und Berater gegründete Beteiligungsgesellschaft in die Logik der DEG-Hilfe: Denn mit Geld und betriebswirtschaftlichem Fachwissen machen die Investoren kleine Unternehmen aus der Nahrungs- und Agrarindustrie groß und professionalisieren sie. Comfrio war eines der ersten Investments von Aqua Capital. Zum Portfolio zählen außerdem noch ein Düngemittelkonzern, ein Fischzuchtbetrieb, ein Hightech-Futterproduzent und ein Fachhandel für internationale Weine.

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