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Finanzinvestor : Advent arbeitet an der Douglas-Übernahme

  • -Aktualisiert am

Beim Douglas-Konzern kehrt keine Ruhe ein Bild: dapd

Der Finanzinvestor Advent könnte bald beim Handelskonzern Douglas einsteigen. Nach Informationen der F.A.Z. steht die Beteiligungsgesellschaft kurz davor, die Anteile des Großaktionärs Erwin Müller zu übernehmen.

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          Trotz vieler Unwägbarkeiten bleibt der Hagener Handelskonzern Douglas Holding ein attraktives Ziel für große Finanzinvestoren - und einer von ihnen könnte in nächster Zeit zum Zuge kommen. In der Frankfurter Finanzwelt wird vermutet, dass die Private-Equity-Gesellschaft Advent kurz davor steht, sich mit dem Douglas-Großaktionär Erwin Müller über einen Kauf seiner Aktien und auch seiner Optionen zu einigen. Der Gründer der Drogeriemarktkette Müller besitzt offiziell 10,81 Prozent der Douglas-Anteile, hält dem Vernehmen nach aber zudem Put-Optionen für weitere gut 15 Prozent an Douglas.

          Seit Monaten wird darüber spekuliert, wann Müller diese Optionen ziehen muss und zu welchem Preis. Beobachter vermuten, dass er damit finanziell überfordert sein könnte. Bislang habe die Bank Sarasin, von der die Optionen kommen, den Fälligkeitstermin immer wieder verschoben, nun aber müsse Müller bald einlösen, heißt es. Gerüchten zufolge liegt der Preis dieser Optionen inzwischen bei mehr als 40 Euro je Douglas-Anteilschein, während der Douglas-Aktienkurs aktuell knapp 33 Prozent beträgt. Beobachter erwarten nun, dass Advent die Aktien und Optionen von Müller für einen Preis von 36 bis 37 Euro je Papier übernimmt und zugleich auch allen anderen Anteilseignern denselben Preis offerieren wird.

          Dass der Finanzinvestor, dem hierzulande schon die Modehandelskette Takko gehört hat, sich allein mit den Anteilen von Müller und damit einer Minderheitsposition zufriedengibt, gilt jedoch als ausgeschlossen. Advent sieht sich selbst als Private-Equity-Haus, das Unternehmen übernimmt, die sich in schwierigem Fahrwasser befinden, und sie auf neuen Kurs bringt. Diese Strategie lässt sich nur aus einer Mehrheitsposition heraus durchsetzen. Spekuliert wird in der Finanzwelt daher, ob Advent sich auch schon mit dem zweiten Douglas-Großaktionär, dem Oetker-Konzern (25,81 Prozent), sowie mit der Gründerfamilie Kreke (12,73 Prozent) geeinigt hat. Oetker hatte die Beteiligung an Douglas stets als langfristiges Finanzengagement bezeichnet. Da der Douglas-Aktienkurs seit Bekanntwerden möglicher Verkaufspläne aber einen Sprung von gut 25 Prozent gemacht hat, könnte ein Verkauf für Oetker nun eine sehr lohnende Sache sein.

          In der Douglas-Konzernzentrale in Hagen wird zu den Anfang dieses Jahres frühzeitig bekanntgewordenen Überlegungen der Familie Kreke, Anteile am Unternehmen aufzustocken und dazu Finanzinvestoren mit ins Boot zu holen, derzeit kein neuer Stand vermeldet. Der Plan zur stärkeren Einflussnahme der Gründerfamilie wurde seinerzeit vor allem mit der anstehenden Sanierung der Buchhandelskette Thalia begründet. Die Familie hielt die Aktie damals für unterbewertet und sah nach eigenem Bekunden das Ansehen der gesamten Douglas-Gruppe durch die tiefen Umbrüche in der Buchbranche in Gefahr. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jörn Kreke und der Vorstandsvorsitzende Henning Kreke hatten zuletzt in der Hauptversammlung versichert, es sei kein zwingendes Ziel der Gespräche, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Wenn überhaupt, stünde das Delisting am Ende einer langwierigen Entwicklung. Mit dem Engagement von Erwin Müller hätten die Überlegungen rein gar nichts zu tun gehabt, wurde zudem betont. Allerdings wäre bei einer Übernahme durch Advent gar nicht gesichert, dass die Familie Kreke ihren großen Einfluss behielte, heißt es in der Finanzwelt dazu.

          Beeinflusst wird der Prozess vermutlich auch durch das Bankhaus Sarasin, das selbst rund 10,7 Prozent der Douglas-Aktien hält. Mit der Übernahme der Schweizer Bank durch seine J. Safra Holdings International hat nun der brasilianische Milliardär Joseph Safra die Rolle eines der größeren Douglas-Aktionäre übernommen. Über seine Vorstellungen ist bislang nichts bekannt. Dagegen heißt es in der Finanzwelt, andere Private-Equity-Gesellschaften wie BC Partners oder Permira schauten sich das Geschehen zwar immer noch an, seien derzeit aber nicht mehr direkt in Verhandlungen.

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