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Finanzierungsmodelle : Geldbeschaffung im Schatten der Bayern

Geld schießt Tore: Starstürmer Robert Lewandowski von den Bayern Bild: Picture-Alliance

Investoren, Anleihen, Mäzene: Für die Vereine der Fußball-Bundesliga gibt es eine ganze Reihe von Finanzierungsmodellen. Von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Bayern können sie aber nur träumen. Es droht die große Langeweile.

          5 Min.

          Gemessen an der Königsentscheidung der Fußball-Bundesliga, dem Kampf um die deutsche Meisterschaft, droht von diesem Freitag an die Fortsetzung des großen Gähnens. Oder mit anderen Worten: die langweiligste Rückrunde aller Zeiten. Zum Auftakt des 18. Spieltages empfängt der VfL Wolfsburg den FC Bayern, der Tabellenzweite also den Ersten – und wenn die Münchner gewinnen, wären sie den Niedersachsen um 14 Punkte enteilt. 2014 wurden die Bayern mit 19 Punkten Vorsprung Meister, 2013 mit 25 Punkten. Diesmal wäre schon Ende Januar die Luft raus. Dabei endet die Saison erst am 23. Mai.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass der FC Bayern nicht nur sportlich eine Klasse für sich ist, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen der Deutschen Fußball Liga. Zwar hat die DFL in der vergangenen Woche sich und alle ihre Klubs gefeiert, weil in der Saison 2013/14 der Umsatz zum zehnten Mal nacheinander und damit auf 2,45 Milliarden Euro gestiegen ist. Allerdings hat vor allem der Rekordmeister mit seiner rund halben Milliarde Euro Umsatz zum neuen Rekord beigetragen. Der Nettogewinn der Liga lag bei 38,8 Millionen Euro, fünf Klubs schrieben rote Zahlen. Während die Bayern-Lokomotive also in allen Spuren mit Volldampf vorankommt, lässt sie die Liga weit hinter sich.

          Geld macht den Meister

          Die Perspektiven für die Spannung über diese Saison hinaus sehen kaum besser aus. Die Frage, woher ein nationaler Herausforderer kommen soll, der diesen Namen verdient, läuft auf die Frage hinaus, woher das Geld kommen soll, um einen solchen Konkurrenten wachsen zu lassen. Diese Frage hatte die Hamburger Privatbank Berenberg zwar nicht im Sinn, als sie ihre Studie „Finanzierung im Profifußball – Anleihen, Investoren, Mäzene und Co.“ erstellte – aber zu ihrer Beantwortung hat sie trotzdem beigetragen.

          Bild: F.A.Z.

          Es ist überall im Fußball so, dass Geld den Meister macht. Nicht in jeder Saison, aber in den meisten. Ihre ökonomische Überlegenheit gibt den Bayern Freiheiten in der Kadergestaltung, die andere Vereine nicht haben. Gleichwohl gibt es für jeden Klub der Bundesliga reichlich Instrumente, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Die Berenberg-Analysten nennen einige Finanzierungsformen, für die sie gute Aussichten sehen: Strategische Partnerschaften, Mäzenatentum, die Übertragung von Marketingrechten oder das Engagement von Finanzinvestoren. Sie hätten Vorteile gegenüber den meisten anderen, oft schwierigen oder weniger einträglichen Wegen wie Schuldverschreibungen (Mittelstandsanleihen, Fananleihen), Genussscheinen oder Börsengängen.

          Börsengang vom BVB hat keinen Vorbild-Charakter

          So ist dem Beispiel des FC Schalke 04, der 2012 eine Mittelstandsanleihe in Höhe von 50 Millionen Euro begeben hat, kein anderer Großverein gefolgt. Was nicht nur am zunehmend schwierigen Marktumfeld liegt, sondern auch am Risikoprofil des „Exotenprodukts“ Fußball. Die monetäre Rendite stehe für Investoren „in keinem ausgewogenen Verhältnis zu den Risiken“, heißt es in der Berenberg-Analyse. Weil der finanzielle Erfolg wesentlich vom sportlichen Abschneiden abhängig ist, kann ein Tor in letzter Minute über eine Champions-League-Qualifikation entscheiden. Oder über einen Abstieg – mit entsprechenden finanziellen Folgen.

          Bundesliga: 18. Spieltag : Endlich geht es wieder los!

          Auch weitere Börsengänge scheinen nach nur einem Versuch abgehakt. Borussia Dortmund ist der einzige deutsche Verein, der sich aufs Parkett gewagt hat. Der Kurs bewege sich trotz der positiven sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des BVB nach der drohenden Pleite 2004, den zwei Titelgewinnen 2011 und 2012 und trotz Kursgewinnen in den vergangenen Jahren nach wie vor erheblich unter dem Ausgabekurs von 11 Euro. Kurz vor Rückrundenstart notiert der BVB-Titel bei knapp 3,86 Euro. „Die Börsenstory von Borussia Dortmund aus dem Jahr 2000 muss aus Anlegersicht sehr kritisch bewertet werden“, schreiben die Autoren.

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