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Kriminalität : Alle drei Minuten ein Einbruch

„Technik nicht auf dem neuesten Stand“

Die meisten Einbruchsopfer machen es den Tätern zu leicht, warnen Fachleute. Ein besserer Einbruchsschutz könnte vieles verhindern. Etwas mehr als 40 Prozent der registrierten Einbrüche im vergangenen Jahr blieben als Versuch stecken, weil die Täter nicht schnell genug ins Haus oder in die Wohnung hereinkamen.

Bei Einbruchversuchen entstehen meist nur ein paar hundert Euro Schaden, berichtet Alexander Küsel vom Versicherungsverband GDV. In der Mehrzahl der Fälle konnten die Täter jedoch leicht in die Wohnung eindringen. „Einbrechern wird es zu leicht gemacht, unter anderem weil die in Fenster oder Türen eingebaute Sicherheitstechnik nicht auf dem neuesten Stand ist“, kritisiert der GDV.

Manche Opfer waren leichtsinnig, ließen Fenster oder Balkontüre offen oder gekippt. Die meisten Fenster und Türen kann man aber, selbst wenn sie geschlossen sind, leicht aufhebeln, so dass sie für Profi-Einbrecher kein Hindernis darstellen.

„Mechanisch vor elektronisch“

Umso mehr raten Polizei und Versicherungen den Bürgern zu einer besseren Prävention durch einbruchhemmende Türen und Fenster. Für etwa 150 bis 200 Euro sind Fensterbeschläge mit sogenannter Pilzkopfverriegelung zu haben. Die „Pilzköpfe“ verhaken sich beim Schließen in der Montageplatte des Fensterrahmens und erschweren damit das Aufhebeln des Fensters. „Das ist schon eine entscheidende Verbesserung“, sagt Küsel, der beim GDV die Abteilung Schadenverhütung leitet.

Nachzurüsten sind auch Türen mit einem schwachen Türblatt, wie sie in älteren Häusern oft zu finden sind. Die kann ein Einbrecher mit Leichtigkeit eintreten oder aufhebeln. Ein solideres Türblatt kostet weniger als 1000 Euro. Auch bessere Riegel und Schlösser sind zu empfehlen. Gefährdete Fenster im Erdgeschoss kann man vergittern. Das alles sei vorrangig, bevor man an eine Alarmanlage denke, finden Fachleute.

„Mechanische Sicherung geht vor elektronische Sicherung“, sagt Küsel. Denn wenn die Täter erst mal in die Räume eingedrungen sind, geht es so schnell, dass Alarmlicht oder Sirene nicht mehr viel bringen. Bis jemand kommt, sind die Täter längst verschwunden.

KfW-Bank vergibt Darlehen

Weil die Zahl der Einbrüche so stark gestiegen ist, hat die Politik beschlossen, mit Geld die Selbstschutzmaßnahmen der Bevölkerung zu unterstützen. Die staatseigene KfW-Bank vergibt zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse für Bürger, die ihr Haus oder ihre Wohnung durch Umbauten einbruchssicherer machen wollen.

Bis zu 50.000 Euro Darlehen zum Zins von 0,75 Prozent kann man beantragen oder, seit Ende vergangenen Jahres, einen 10-Prozent-Zuschuss zu Umbaumaßnahmen von 200 bis maximal 1500 Euro. „Die Nachfrage ist schon sehr hoch, und das Antragsvolumen ist seit dem Frühjahr noch gestiegen“, erklärt Ulrike Schriewer, die das Programm in der KfW betreut.

Monatlich kommen etwa 3000 Anträge herein und noch sehr viel mehr Informationsanfragen. Manche derer, die nun umbauen wollen, waren schon Einbruchsopfer. „Wir hatten schon einige Leute, die sagten: Bei uns ist jetzt schon zweimal eingebrochen worden, das will ich nicht noch mal erleben“, erzählt Schriewer.

Fördermittel aufgestockt

Ob es um den Einbau von einbruchsicheren Türen geht, Alarmanlagen, die Nachrüstung von Fenstern oder Vergitterungen – für all das kann man Darlehen oder Zuschüsse beantragen. Insgesamt hat die Bundesregierung die Fördermittel für einen besseren Einbruchschutz auf 50 Millionen Euro aufgestockt. „Ein wichtiges Signal“, findet der Versicherungsverband.

Ein Tropfen auf den heißen Stein, sagen Kritiker. Bei 40 Millionen Haushalten bliebe je Wohnung oder Haus nur etwa ein Euro. Kritiker wie der Kriminologe Pfeiffer fordern, dass die polizeilichen Aufklärungsmaßnahmen verstärkt und viel größere Präventionsprogramme aufgelegt werden.

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