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Finanz-Computerterminals : Schnüffelaffäre um Datenanbieter Bloomberg

  • -Aktualisiert am

Bloomberg-Terminal Bild: dpa

Die Computerterminals der Nachrichtenagentur Bloomberg sind in der Finanzwelt weit verbreitet. Jetzt hat das Unternehmen Fehler beim Umgang mit Kundendaten eingeräumt. Journalisten der Agentur konnten jahrelang sehen, wann sich Kunden zuletzt eingeloggt hatten und welche Themen sie interessierten.

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          Der amerikanische Finanzinformationsdienst Bloomberg LP  ist wegen fragwürdiger Recherchemethoden seiner Reporter ins Gerede  gekommen. Das für seine in der Finanzbranche weitverbreiteten Datenterminals bekannte Unternehmen räumte Ende der vergangenen Woche ein, dass Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg News jahrelang begrenzten Zugriff auf  vertrauliche Kundendaten hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Unter anderem prüfen die amerikanische  Notenbank Fed und das Finanzministerium, ob dadurch vertrauliche Informationen öffentlich wurden. „Wir sehen uns die Sache an und befinden uns in Kontakt mit  Bloomberg, um mehr herauszufinden“, sagte eine Sprecherin der Fed.

          Beschwerde von Goldman Sachs

          Der  Vorstandsvorsitzende von Bloomberg, Daniel Doctoroff, bezeichnete die mittlerweile eingestellten Praktiken in einer Mitteilung als  „Fehler“. Bloomberg hat den Zugang von Journalisten zu Kundendaten im  vergangenen Monat nach eigenen Angaben umgehend unterbunden, nachdem sich die  Investmentbank Goldman Sachs beschwert hatte. Zudem hat Bloomberg die Stelle eines Datenschutzbeauftragen geschaffen, um die Vertraulichkeit von Kundendaten zu garantieren.

          Die Maßnahmen wurden bekannt, nachdem die Boulevardzeitung „New York Post“  über die Beschwerde von Goldman Sachs berichtet hatte. Goldman hatte nach Medienberichten Verdacht geschöpft, weil sich eine Reporterin von Bloomberg News bei einer Recherche auf vertrauliche Daten berufen hatte. Die Journalistin vermutete, dass ein hochrangiger Mitarbeiter Goldman verlassen hatte, und konfrontierte die Bank mit der Information, dass sich der Partner mehrere Wochen lang nicht bei seinem Bloomberg-Terminal angemeldet hatte.

          Reporter von Bloomberg News konnten sehen, wann sich einer  der 315.000 Abonnenten der Terminals zuletzt eingeloggt hatte. Die Journalisten konnten zudem verfolgen, welche Funktionen der Terminals die Abonnenten nutzten  - ob sie die Spitzenmeldungen der Nachrichtenagentur lasen oder Daten über Aktien oder Anleihen abriefen.

          Nach Angaben von Bloomberg hatten die Reporter allerdings keinen Zugriff auf weitere Details, etwa um welche konkreten Aktien  oder Anleihen es sich handelte. Goldman Sachs war offenbar auch nicht die einzige Bank, deren Mitarbeiter auf diese Weise überwacht wurden. Nach  Medienberichten haben Journalisten von Bloomberg auch vertrauliche Daten genutzt, um im vergangenen Jahr zum Londoner Handelsdebakel von JP Morgan Chase  zu recherchieren. Unter anderem verließen sich Reporter auf Anmeldedaten für  das Terminal, um das Beschäftigungsverhältnis des Wertpapierhändlers Bruno  Iskil zu erkunden. Iskil, der als „Londoner Wal“ bekannt wurde, war mit für die  damaligen Milliardenverluste von JP Morgan verantwortlich. Bloomberg macht den Großteil seines Jahresumsatzes von 7,9 Milliarden Dollar  mit Abonnements für die Terminals. Ein Abonnement kostet rund 20.000 Dollar im  Jahr. Die Firma beschäftigt 2400 Journalisten, die in der Branche als aggressiv  gelten. Bloomberg LP wurde 1982 vom derzeitigen New Yorker Bürgermeister  Michael Bloomberg gegründet, der sich wegen dieses Amts aber aus dem  Tagesgeschäft zurückgezogen hat.

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