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Filialschließungen : Die digitale Bank

  • -Aktualisiert am

Blick auf die Fassade der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt. Bild: Fabian Fiechter

Das Urteil der Börse über die „neue“ Strategie der Deutschen Bank ist ebenso bitter wie berechtigt. Vorstand und Aufsichtsrat schaffen es nicht, ihr wieder eine überzeugende Perspektive zu geben.

          Wer meint, Konzernlenker beschlössen Sparprogramme und Arbeitsplatzabbau nur, um den Aktienkurs weiter nach oben zu treiben, den belehrt die Deutsche Bank eines Besseren. Das einzig Neue an der „neuen“ Strategie der Deutschen Bank ist die Meldung, dass 200 Filialen geschlossen und viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Und was macht die Börse? Dort ist die Aktie der größten deutschen Bank wieder einmal der größte Tagesverlierer. Im ebenso bitteren wie berechtigten Urteil der Investoren drückt sich die Enttäuschung über das Unvermögen von Vorstand und Aufsichtsrat aus, der Deutschen Bank wieder eine überzeugende Perspektive zu geben.

          Während fast alle internationalen Großbanken sich von ihrem Absturz in der Finanzkrise erholt haben, kommt der heimische Branchenprimus kaum voran. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die deutschen Weltmarktführer aus der Industrie und dem Mittelstand von einem Rekord zum nächsten eilen und in der ganzen Welt bewundert werden. Für deutsche Banken, die diese Firmen begleiten sollen, kann man das leider nicht behaupten, abgesehen von der staatlichen Bank KfW.

          Die Märkte oder die Politik können die Vorstandschefs Jain und Fitschen nicht für das schlechte Abschneiden ihrer Bank verantwortlich machen, die zu Recht schärfere Regulierung trifft alle gleichermaßen. Die Gründe für ihre „underperformance“ muss die Deutsche Bank schon bei sich selbst suchen. Der langwierige und holprige Übergang an der Spitze wirkt nach, das Ringen zwischen Bankiers alter Schule und Investmentbankern ist noch immer im Gange, die Skandale und Manipulationen sind noch lange nicht alle aufgearbeitet, vor allem aber wurde und wird die Herausforderung der Digitalisierung nur unzureichend wahrgenommen.

          Wenn es stimmt, was in der digitalen Welt eine Selbstverständlichkeit ist, dass alles digitalisiert werden wird, was man digitalisieren kann, dann kommen ungemütliche Zeiten auf das Finanzgewerbe zu. Neben dem Zahlungsverkehr, der künftig elektronisch erfolgt, ist der Kern des Bankgeschäfts der Umgang mit Risiko aufgrund Erfahrung. So etwas können auch Algorithmen aus Silicon Valley. Die digitale Konkurrenz hat die Kunden, kennt deren Wünsche nur zu gut, und hat trotzdem deren Vertrauen.

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