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Australien : Feuer unterm Dach von Medienmogul Murdoch

James Murdoch und Ehefrau Kathryn Bild: Reuters

Der australische Medienmogul Rupert Murdoch bekommt Ärger aus der eigenen Familie: Sohn James prangert öffentlich die Medien des Hauses wegen ihrer Haltung zum Klimawandel an. Der Auslöser sind die verheerenden Buschfeuer auf dem Kontinent.

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          Medienzar Rupert Murdoch gerät unter Feuer aus dem eigenen Haus, gar aus der eigene Familie: Sein Sohn James kritisiert öffentlich die Medien des Hauses aufgrund ihrer Haltung zum Klimawandel.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Australische Murdoch-Medien haben seit Wochen in einer kaum zu übersehbaren Kampagne die Rolle der Erderwärmung bei den Feuern weitgehend ignoriert, wenn nicht sogar geleugnet. Im Vordergrund stand dabei die regierungsnahe Tageszeitung „The Australian“. Am Tag eines vorläufigen Höhepunktes der Feuerkatastrophe druckte der „Oz“ eine bunte Geschichte auf Seite Eins. Später folgten ein Interview mit dem australischen Energieminister, einem bekennenden Kohleverfechter, in dem er die Vereinten Nationen für deren Klimapolitik angriff, und ein Meinungsbeitrag von ihm.

          Auch verteidigte der „Australian“ lange den Hawaii-Urlaub des Ministerpräsidenten, während Teile des Landes brannten. Als Brandopfer ihn nach seiner Rückkehr vor laufender Kamera angingen, bezeichnete ein Kommentator im Murdoch-Sender „Sky News“ sie als „Landeier“ (ferals). Noch forscher gingen die anderen Murdoch-Zeitungen, wie Melbournes „Herald Sun“ vor, die die Buschfeuer-Nachrichten an Sylvester auf Seite Vier verschob – während es die wichtigsten Nachrichten in allen anderen Publikationen waren. Immer wieder betonte die Murdoch-Presse die Bedeutung von Brandstiftern – und suggerierte damit, nicht etwa der Klimawandel treibe die Feuer voran. Kommentatoren im Murdoch-Fernsehsender „Sky News“ kritisierten unterdessen munter den „andauernden Strom von Propaganda“ des staatlichen Fernsehsender „ABC“, den die Menschen in den Katastrophengebieten aufgrund seiner umfassenden Berichterstattung hoch lobten.

          „Skeptiker“, aber kein „Leugner“ des Klimawandels

          Nun haben James Murdoch und seine Frau Kathryn eine äußerst seltene, gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der sie die Medien des Vaters für deren „fortgesetztes Leugnen“ des Klimawandels an den Pranger stellen. Rupert Murdoch selbst hatte sich 2015 als „Skeptiker“ mit Blick auf den Klimawandel bezeichnet, nicht jedoch als ein „Leugner“.

          Selbst der australische Ministerpräsident Scott Morrison, dessen Umfragewerte über sein Versagen in der Krise dramatisch nachgaben, betont inzwischen Zusammenhänge zwischen Erderwärmung und der Trockenheit, die Australien plagt. 2017 war er noch mit einem Brocken Kohle ins australische Parlament marschiert, um für den Abbau des fossilen Brennstoffs zu werben.

          James Murdoch hingegen ist seit Jahren dafür bekannt, den Klimawandel ernst zu nehmen. Er lebt im Konflikt mit seinem Vater; sein Bruder Lachlan weigerte sich, ihn durch die Übernahme seines Aktienpaketes aus dem Unternehmen herauszukaufen. James Frau Kathryn kritisierte die Republikaner unter Präsident Donald Trump öffentlich: „Es gibt keine Antwort der Republikaner auf den Klimawandel. Es gibt nur das Leugnen und Augenschließen. Es braucht aber eine Antwort.“

          Mit seiner öffentlichen Kritik bringt sich James nun in eine schwierige Lage. Sitzt er doch weiterhin im Verwaltungsrat von News Corp., der Gesellschaft, die die Zeitungen der Familie bündelt. Bis die Filmgesellschaft 21st Century Fox auf Disney verschmolzen wurde, hatte er sie geleitet. Inzwischen konzentriert er sich mit seiner eigenen Kapitalanlagegesellschaft auf Investitionen im Mediensektor. Sein älterer Bruder Lachlan ist als Chef der amerikanischen Fox Corporation, die auch „Fox News“ hält, stärker ins familieneigene Geschäft eingebunden. Es ist offen, wer dem heute 88 Jahre alten Rupert Murdoch an der Spitze des einflussreichen Imperiums folgen wird. Rupert, Lachlan und News Corp. haben den Opfern der Brandkatastrophe in Australien in den vergangenen Tagen Millionen von Dollar an Spenden versprochen.

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