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Feuer in Notre-Dame : Spendenwettstreit nach dem Schock

Fachleute begutachten das Dach der Kathedrale. Bild: dpa

Zwei französische Milliardärsfamilien überbieten sich gegenseitig mit ihren Spendenzusagen für den Wiederaufbau von Notre-Dame. Hoffnungen ruhen auch auf amerikanischen Mäzenen. Der Staat selbst war in der Vergangenheit recht geizig.

          Die Rivalität der beiden Luxusmagnaten ist in Frankreich schon fast sprichwörtlich, jetzt kommt sie der feuerverwüsteten Kathedrale Notre-Dame zugute: Erst haben am Dienstag François Pinault und sein Sohn François-Henri eine Spende von 100 Millionen Euro angekündigt, dann zog die Familie Arnault wenige Minuten später mit der doppelten Summe von 200 Millionen Euro nach. Den Pinaults und den Arnaults gehören zu großen Anteilen jeweils riesige Luxus-Konglomerate mit einem Sammelsurium bekannter Marken.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Pinaults sind Eigentümer des Kering-Konzerns (u.a. Gucci, Yves Saint Laurent, Stella McCartney, Balenciaga, Brioni) mit einem Börsenwert von 67 Milliarden Euro; die Arnaults besitzen den Weltmarktführer in der Luxuswelt, LVMH (u.a. Louis Vuitton, Christian Dior, Fendi, Kenzo, Givenchy, Moët&Chandon, Hennessy), der den Aktionären 173 Milliarden Euro wert ist. Sie tun sich nicht nur als Konzernlenker hervor, sondern auch als Kunstmäzene. Mit spektakulären Kunsthallen in Paris und anderswo versuchen sie sich gegenseitig zu übertreffen.

          Könnten auch die Besucher ihr Scherflein beitragen?

          Wie viel der Wiederaufbau von Notre Dame kosten wird, ist noch unklar. Schon in der Nacht zum Dienstag rief Präsident Emmanuel Macron zu einer nationalen Spendensammelaktion auf. Verschiedene Initiativen sind umgehend auf den Weg gebracht worden. Die private Stiftung Fondation du patrimoine versendete beispielsweise schon kurz nach Mitternacht die ersten Emails. Eine internationale Konferenz für die Finanzierung der Bauarbeiten ist geplant.

          Für die Kosten wird nach Ansicht des Rückversicherers Swiss Re der französische Staat aufkommen müssen: „Im Allgemeinen sind Kirchen in Frankreich Eigentum des Staates, und dieser versichert sich selbst“, erklärte der Konzern aus Zürich am Dienstag laut Nachrichtenagentur Reuters. „Dies sollte auch bei Notre-Dame der Fall sein.“ Reliquien und Kunstwerke würden üblicherweise nicht versichert, da die meisten ohnehin unbezahlbar seien. Ob ein Verursacher für die Schäden haftbar gemacht werden können, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

          In den vergangenen Jahren war der Staat mit der Finanzausstattung der Kathedralen offenbar recht geizig. So ist die Instandhaltung des mehr als 850 Jahre alten Gebäudes immer wieder vernachlässigt worden. „Man ist in Frankreich immer gut im Restaurieren, doch nicht im Instandhalten“, sagt der Kunsthistoriker Alexandre Gady von der Stiftung Association & Monuments. Im vergangenen Jahr haben die Franzosen sogar in den Vereinigten Staaten um Spendengelder gebeten. Eine Delegation flog über den Atlantik, um eine ähnlich Zuwendung zu mobilisieren wie sie etwa auch der Louvre von amerikanischen Mäzenen erhält.

          Vor einem Jahr wurde die vorerst letzte Renovierungsaktion für Notre-Dame gestartet, rund 60 Millionen Euro hat man dafür veranschlagt. Seitdem stand ein riesiges Baugerüst, ausgestattet mit elektrischen Aufzügen, über dem alten Dachstuhl. Der Plan sah vor, dass über zehn Jahre der Staat 40 Millionen Euro bereitstellt, während 20 Millionen Euro als Spenden zusammenkommen sollten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen“, sagte Michel Picaud, der bei Notre Dame für das Sponsoring zuständig ist, vor einem Jahr.

          Nach dem schweren Brand sind jetzt freilich ganz andere Summen erforderlich. Von mehreren hundert Millionen Euro ist die Rede. In einer ersten Reaktion versprach auf Seite der der öffentlichen Hand die Stadt Paris 50 Millionen Euro sowie Region des Großraums Paris weitere 10 Millionen Euro. Auch auf der amerikanischen Stiftung „Friends of Notre Dame“ ruhen die Hoffnungen. Sie beteiligt sich bereits an der Restaurierung von mehreren Heiligen-Statuen, die für diese Arbeiten erst kürzlich ins Périgueux transportiert wurden.

          Könnten auch die Besucher ihr Scherflein beitragen? Wie in allen Kathedralen Frankreichs, ist der Zugang zu Notre-Dame kostenlos. Nur für die Besteigung der Türme, die unter der staatlichen Verwaltung für historische Gebäude steht, wird Eintritt verlangt. Immer mal wieder flammt in Frankreich eine Debatte über die Frage auf, ob der Zugang kostenpflichtig gemacht werden sollte. Doch die Kirche wandte sich immer wieder dagegen. „Die Katholische Kirche möchte daran erinnern, dass die Kathedralen vor allem Orte des Gebetes und des Gottesdienstes sind. Der Eintritt muss kostenfrei bleiben“, hieß es in einer der letzten Mitteilungen.

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